James Mercer

Ein Klassiker in einer bes­seren Welt

Text: Florian Obkircher
Bild: Getty Images

Broken-Bells-Sänger James Mercer und fünf übersehene Hymnen, denen er viel verdankt.

James Mercer ist ein beschäftigter Mann. Haupt­beruflich gibt er den Kopf der Band The Shins, deren verspielt-psychedelische Indie-Songs seit Jahren bei ­Kritikern und in den Charts gleichermaßen punkten. Seit 2009 betreibt Mercer außerdem mit Kumpel Danger Mouse das Projekt Broken Bells. (Ganz recht, der Gnarls-Barkley-Danger-Mouse, der auch The Black Keys und Norah Jones produziert.)

Gemeinsam leben sie ihre Liebe zu obskurem Pop und dezent schräger Tanzmusik aus. Mit Erfolg: Das Debütalbum „Broken Bells“ verkaufte sich allein in den USA 700.000-mal. Nun kommt der Nachfolger. Mercer erzählt, welche Platten ihn bei der Arbeit an „After the Disco“ inspirierten.

Throwing Muses - Not Too Soon

Dieser Song fasst die Neunziger perfekt zusammen. Klassischer Pop, junge Frauen-Band, verzerrte Gitarren, eingängige Melodie. Während meiner Schulzeit in England sah ich Throwing Muses live und war von ihrer Coolness geradezu geblendet. „Not Too Soon“ klingt nach 1991, klar, aber ich meine, der Song wäre heute noch ein Hit.

Smith Westerns - Varsity

Tolle junge ­Indie-Band, klasser Song. Klingt wie ein Radio-Hit aus den achtziger Jahren. Unbeschwert und kurzweilig. Wir hätten die Jungs auf unserer letzten Broken-Bells-Tour gern als Support dabeigehabt. Leider waren sie beschäftigt – unter anderem mit den Aufnahmen zu diesem Stück. Deshalb muss ich ihnen wohl verzeihen.

Apples In Stereo - The Golden Flower    

Von diesem Stück kann man viel über gutes Songwriting lernen. Es steckt voll seltsamer ­Melodien und Wendungen. Dieses Meisterwerk ist nur auf der Beigabe-Vinyl-Single des Albums „Tone Soul Evolution“ zu finden, die aus der Hülle fällt, wenn man das Cover öffnet. Aber das nehme ich für einen der besten Songs aller Zeiten gern in Kauf.

Fruit Bats - You’re Too Weird

Der Song stammt aus der Feder meines guten Freundes Eric Johnson. Er schrieb ihn für seine Frau, was ich angesichts des Titels großartig finde. Erics Talent wurde schon bei seiner Vorgängerband Califone deutlich. Eine meines Erachtens wahnsinnig unterschätzte Gruppe, die in einer besseren Welt mit Sicherheit riesig gewesen wäre.

Blur - Fool’s Day

Vor drei Jahren veröffentlichten Blur auf ihrer Website ihren ­ersten neuen Song seit 2003. Trotzdem nahm kaum jemand davon Notiz. Ein Irrsinn! Ich fand „Fool’s Day“ großartig, der vielleicht beste Blur-Song überhaupt. Damals hoffte ich, dass der Track der Vorbote eines neuen Albums sein würde. Aber darauf warte ich heute noch.

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02 2014 THE RED BULLETIN

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