schweighöfer

Matthias Schweighöfer: „Stillstand geht gar nicht!“

Redaktion: Werner Jessner
Fotos: Vitali Gelwich

Das Auto als Lebensraum: Schauspiel-Superstar Matthias Schweighöfer räsoniert im Mercedes C63 AMG Coupé über sein mobiles Leben zwischen Kindergarten, Dreh und Business.

Es ist wirklich wahr: Ich bin ein Auto-Mensch durch und durch. Fahrradfahren fand ich immer schon blöd, Motorradfahren zu gefährlich.

Eine meiner frühesten Auto-Erinnerungen ist die an den Saporoshez meines Vaters, eine Russenkarre. Spricht sich Saporoschetz, kennt heute keine Sau mehr. Der hatte ein rotes Licht im Armaturenbrett, das zeigte, wenn die Heizung an war. Wärmer wurde es dadurch aber nicht.

Später ist mein Vater Honda Legend gefahren. Mit dem war ich auch zum ersten Mal selbst auf der Straße unterwegs.

Schweighöfer und AMG

Schau, es raucht! Schweighöfer, AMG, Gummi.

Mein erstes eigenes Auto war dann ein blauer Mercedes Kombi, eine C-Klasse. Ich fand den Stern immer geil, auch wenn er mir in Berlin von irgendwelchen Vandalen regelmäßig abgepflückt wurde. Bin ich konservativ? Kurz hatte ich überlegt, mir einen Volvo zu kaufen, aber so weit kam es dann doch nie. Privat bin ich nie etwas anderes gefahren als Mercedes, im Moment sind das ein ML 500 und für den Sommer ein SL.

„Mit meiner Tochter spiele ich unterwegs ‚Ich seh, ich seh, was du nicht siehst‘.“
Matthias Schweighöfer, 35

Mein ML ist eine geile Karre, so ein schneller schwarzer Panzer mit riesigen Rädern. Ich steh auf so was. Wichtigstes Extra sind für mich die zwei DVD-Player in den Kopfstützen, um meine Kids zu entertainen, wenn wir mal länger unterwegs sind. Und das Panorama-Schiebedach, damit sie was sehen.

schweighöfer und AMG

Mein Sohn ist eineinhalb, der spielt am liebsten mit dem Knopf für die Verdunkelungsfunktion. Mit den Kindern Auto zu fahren hat etwas sehr Kommunikatives. Mit meiner Tochter, sie ist sieben, spielen wir unterwegs Spiele wie „Ich seh, ich seh, was du nicht siehst“, und manchmal singen wir auch. 

Ehrensache, dass ich sie mit dem Benz aus dem Kindergarten abhole. Die Kids am Abend in die Kindersitze zu packen und loszufahren, sie schlafen ein, und ich sehe im Rückspiegel, wie sie träumen, das sind Bilder, die bleiben. So was kann nur ein Auto. Eine fahrende Raumkapsel voller Geborgenheit, die über die Autobahn fliegt, und wenn die Kleinen am nächsten Morgen aufwachen, sind sie in den Bergen, und draußen liegt Schnee.

Habe ich schon gesagt, dass ich Fliegen gar nicht mag? Fliegen ist nur lästig, und ich mache das nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Von Berlin aus bist du in fünf Stunden an jedem Eck Deutschlands, darum kommen auch so viele Kilometer zusammen: 40.000 pro Jahr, und ich bin ja ständig irgendwo unterwegs. Im Moment drehe ich ‚Vier Männer gegen die Bank‘, und die nächsten Projekte werfen auch schon ihre Schatten voraus. Ich bin gut unterwegs im Moment, daher bin ich auch viel unterwegs.

In einer Kampagne für Mercedes-Benz zur neuen A-Klasse durften Kunden das Auto in personalisierten Videos »Probe fahren«. Auf dem Beifahrersitz saß Matthias Schweighöfer, dessen erstes Auto schon ein Mercedes war.  

© Christian Sedlak // YouTube

Die Zeit im Auto ist für mich integraler Bestandteil kreativer Prozesse. Ein weiter Horizont, sich ändernde Landschaften, das färbt auf die Gedanken ab.

Was im Auto zum Beispiel super funktioniert, ist, Filmmusik auszusuchen. Da sitze ich dann, habe ein paar Stunden Musik mit, im Kopfkino läuft die Rohversion meines gerade aktuellen Projekts, und ich suche die passenden Melodien aus.

Viele Drehbücher lese ich am Beifahrersitz. Das hat etwas Meditatives, und du hast das Gefühl, Meter zu machen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ich bin ein guter Beifahrer, mir wird eigentlich nie schlecht. 

„Nachdenken im Cabrio funktioniert voll gut, aber dazu darf man nicht zu schnell fahren und kein Ziel haben.“
Matthias Schweighöfer, 35

Intern gilt ein Tempolimit von 150 km/h, selbst auf unbeschränkten Autobahnstücken. Na gut, manchmal fahren wir auch 180, aber dann ist endgültig Schluss. Mit dem Cabrio, meinem SL, fahre ich anders. Langsam. Oft so langsam, dass mich Traktoren überholen, na ja, vielleicht nicht gerade Traktoren, aber LKWs schon.

Liebe Truckies: Da denke ich dann nach. Nachdenken im Cabrio funktioniert voll gut, aber dazu darf man nicht zu schnell fahren und kein Ziel haben. Manchmal denke ich mir, ich könnte doch auf der Landstraße von Berlin bis München fahren, wenn ich dort einen Termin habe. Man müsste nur rechtzeitig wegfahren. Ich weiß nicht, ob das in der Praxis noch möglich ist, aber die Theorie ist sehr reizvoll. Da sähe man einmal andere Dinge als nur Autobahn.

Schweighöfer und AMG

„Ich bin ein Automensch. Fliegen ist eigentlich nur lästig.“

Bei einem Stau fahren wir immer von der Autobahn ab. Lieber dreißig Kilometer Umweg als zehn Kilometer in der Schlange eingesperrt! Stillstand geht gar nicht. Da werde ich ganz hibbelig. Vielleicht ist es das auch, was ich am Fliegen oder der Eisenbahn nicht mag: dass du einer Situation ausgeliefert bist. Mit dem Auto kannst du jederzeit entscheiden: nach links, nach rechts oder überhaupt stehen bleiben? Versuch das mal mit einem Flugzeug.

Aber ich verzettle mich gerade. Die Leute vom Red Bulletin haben mir für den Tag das brandneue C-Coupé vorbeigebracht, als 510 PS starke AMG-S-Version. Ich bin ja mehr der Kombi-Fahrer, aber aussehen tut das schon hammermäßig. Mit den kleinen Scheiben hinten hat das etwas Amerikanisches, finde ich. Theoretisch könnte ich da sogar die Kinder mitnehmen, sofern ich den Sitz für den Kleinen an den Vordersitzen vorbeikriege. Ausprobiert habe ich es nicht, ich bin ja kein Autotester.

„Dass der AMG abartig gut geht, muss ich wohl nicht betonen.“
Matthias Schweighöfer, 35

Aber der Sound! Da gibt es in der Mittelkonsole eine Taste, die das Auspuffgeräusch nachschärft. Der Achtzylindermotor klingt schon serienmäßig gut, aber wenn du auf die Taste rechts neben dem Touch-Display drückst, dann legt das Orchester noch einen Zahn zu. Wie geil ist das denn! Ich gebe zu, ich schalte dann im Tunnel gern noch einen Gang zurück und drücke auf die Tube.

Meine Umgebung soll auch etwas von diesem köstlichen Sound haben. Wer das pubertär findet, ist entweder zu alt oder hat das Geräusch des AMG-Motors noch nie live gehört. Das finde ich ja auch geil: Bei AMG ist ein Mann für den kompletten Motor verantwortlich, quasi Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion. Fast wie bei mir manchmal.

Und dass das abartig gut geht, muss ich wohl nicht extra betonen. 510 PS, das ist eine Waffe. Eine richtige Waffe ist das! Den Race-Modus des Fahrwerks auszuprobieren oder das ESP abzuschalten, empfehle ich nur echten Artisten. Für mich ist das nichts. Ich steh da mehr auf das Rundum. Wie sich das anfühlt, wie das riecht, dass jedes Ding auf dem richtigen Platz ist. Ich muss nicht nachdenken, wie ich was bediene: Für mich als Mercedes-Fahrer geht das alles ganz von selbst. Da ist kein Unterschied zwischen meinem komfortablen ML und dieser Rasierklinge hier.

Schweighöfer und AMG

510 PS treffen einen hochoktanigen ­Menschen. Stimmig!

Na gut, die Farbe. Meine Autos sind alle schwarz. Ich finde das einfach am schönsten für ein Auto. Auto, Schwarz, für mich gehört das zusammen. Aber dieses Blau hier, das hat schon was. Das ist eine Farbe, an die ich mich gewöhnen könnte. Macht das Auto jünger irgendwie. Aber Schwarz gäbe es ja ohnehin auch.

Bei aller Faszination für das Mercedes C63 AMG Coupé: Kaufen werde ich es mir trotzdem nicht. Natürlich ist das geil und alles, aber um es jeden Tag im Alltag zu fahren, dafür bin ich im falschen Leben. Hätte ich unbeschränkt Garagenplätze und Geld, dafür aber keine Kinder, dann schon eher. Ob ich aber charakterfest genug wäre, um mit den 510 PS im Alltag nicht aufzufallen? Ich kann es ehrlich nicht sagen.

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05 2016 The Red Bulletin

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