Mensch im Kampf mit Roboter

Mensch vs. Maschine - Ein Duell über sechs Runden

Foto: Getty Images

Computer und Roboter werden dem Menschen immer ähnlicher und können mittlerweile sogar denken wie wir. Es gibt aber noch Wettkämpfe, in denen der Mensch gegen die Maschine bestehen kann.

Was uns auf Kino-Leinwänden seit Jahrzehnten in Aussicht gestellt wird, rückt einen weiteren Schritt näher: Die Übernahme der Welt durch Roboter. Immer wieder lehnten sich die Maschinen gegen ihre Erschaffer auf, forderten die Spezies Mensch heraus. Dabei nahmen Roboter, Computer und Co. eine Bastion nach der anderen ein – und nun ist eine weitere gefallen.

In einem epischen Vergleichskampf trafen vier der besten Pokerspieler der Welt auf eine neue künstliche Intelligenz (KI). Und der knapp drei Wochen andauernde Showdown in Heads-Up, No-Limit Texas Hold’em brachte einen klaren Sieger hervor: die „Maschine“, auch bekannt unter dem Namen Libratus. Anders als noch 2015 waren die menschlichen Spieler im Rematch gegen die KI chancenlos.

Schon davor zeigte die Software „AlphaGo“ mit Siegen gegen Lee Sedol, einen der besten Go-Spieler der Welt, wozu künstliche Intelligenz fähig ist. Go, ein mehr als 2.000 Jahre altes chinesisches Brettspiel, galt lange Zeit als zu komplex für Computer, da diese mit der Vielzahl an möglichen Spielverläufen und den teils intuitiven Entscheidungen der Menschen nicht zurechtkamen. 

Sind unsere metallischen Gefährten also mittlerweile die besseren Menschen? In welchen Bereichen hat unsere Art noch die Oberhand? Wir schicken Mensch und Maschine ins direkte Duell.

Runde 1: Zauberwürfel

Der gute alte Zauberwürfel begeistert uns seit Anfang der 1980er Jahre. Genauso lange kämpfen flinke Finger um die Bestzeit im richtigen Anordnen der 26 Steine. Zu Beginn lag der Rekord bei rund 19 Sekunden, vor allem in den letzten zehn Jahren gab es aber eine rasante Entwicklung, an deren vorläufigem Ende die Bestzeit des US Amerikaners Lucas Etter steht. Seine 4,9 Sekunden rufen bei Zackary Gromkos Roboter aber nur ein kurzes Kitzeln in den Schaltkreisen hervor. Bei der Maschine ist in sagenhaften 2,39 Sekunden alles am rechten Platz.

Die Auftaktrunde geht an die Maschinen - 0:1.

© Youtube // HeraldTribune

Runde 2: Live-Musik

Wenn diese Jungs die Bühne betreten, ist Metal angesagt. Gleich mehrere Formationen matchen sich mittlerweile in der Robo-Band Szene. Ein gewisses Potenzial muss man den Nachwuchsrockern zugestehen. Mit 78 Fingern und 22 Armen, über die etwa „Z-Machines“ verfügt, kann man einiges anstellen. Alle acht Millisekunden eine Note spielen zum Beispiel. Steife Moves sorgen allerdings für einen Abzug in der B-Note und das Stagediving der Hardrocker birgt Lebensgefahr für die ersten Reihen des Publikums.

Dieser Punkt geht an die Vollblut-Entertainer - 1:1.

© Youtube // Cyborg News Channel

Runde 3: Schere, Stein, Papier

Wer ein faires Mittel für jegliche Entscheidung sucht, greift zu Schere, Stein, Papier. Dieses Spielchen ist uns oftmals ein probates Werkzeug – simpel, schnell und gnadenlos. Das Erfolgsrezept des gewieften Spielers liegt im Lesen des Gegners und diesen Aspekt nutzt die Technik unbarmherzig aus. „Janken“ fängt mit seiner eingebauten Kamera jede noch so kleine Bewegung seines menschlichen Gegenübers innerhalb einer Millisekunde ein und reagiert mit dem passenden Gegenzug.

Er ist unfehlbar und holt die neuerliche Führung für unsere gut verschraubten Freunde - 1:2. Wir fordern allerdings ein Rematch unter verschärften Bedingungen (Stein, Papier, Schere, Echse, Spock).

Runde 4: Fußball

Die Menschheit steht unter Zugzwang und greift zu ihrer Geheimwaffe: Lionel Messi. Wer, wenn nicht der fünffache Weltfußballer, könnte den blitzschnellen Roboter-Tormann überwinden? Der Favorit kämpft sich nach einem Schock-Start zwar zurück, muss sich nach vier Schüssen aber mit einem Remis begnügen - 2:3.

© Youtube // RoboKeeper Türkiye

Runde 5: Jeopardy!

Die kultige US-Quizshow ist durch die ungewöhnlichen Fragestellungen, die als Antworten formuliert sind, eine echte Herausforderung für Computer. Zumindest dachte man das bis 2011. IBM schickte „Watson“ ins Rennen und der setzte sich gegen zwei Kandidaten, die zuvor in der Sendung Rekordsummen gewonnen hatten, souverän durch. Trotz Schwächen beim Themenkomplex Europäische Union samt Wissenslücke bezüglich Schengen-Abkommen erspielte er 77.147 Dollar und ließ seine Gegner (24.000 Dollar bzw. 21.600 Dollar) deutlich hinter sich. Neben Ruhm und Ehre streifte der Supercomputer auch noch das festgelegte Preisgeld von einer Million Dollar ein.

Well played Mr. Watson - 2:4.

© Youtube // Engadget

Runde 6: Tischtennis

Für einen Werbespot nimmt es das deutsche Tischtennis-Ass Timo Boll mit einem hochbeweglichen Industrie-Greifarm auf. Gut, die spektakulären Bilder und ein dramatischer Spielverlauf lassen auf pure Inszenierung schließen, doch wir geben uns auch mit einem schmutzigen Sieg zufrieden, 3:4.

© Youtube // KUKARobotGroup

Fazit

Mensch, stark gekämpft, aber am Ende trotzdem verloren. Wir sind offensichtlich dem Untergang geweiht und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis uns die Maschinen in Knechtschaft zwingen. Vielleicht solltet ihr darüber nachdenken, wenn ihr das nächste Mal auf euer Notebook, die Spielkonsole oder einen Süßigkeitenautomaten einprügelt.

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01 2017 THE RED BULLETIN

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