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Nas: Auch ein Meister braucht Inspiration

Bild: Presseherenow.com

Vor 20 Jahren schrieb Nas die Bibel des Hip-Hop: „Illmatic“. Anlässlich der Album-Neuauflage verrät er, welche fünf Songs ihn zu dem Meisterwerk inspirierten.

Nasir Jones lebte in Queensbridge, einem üblen New Yorker Viertel, der Vater abgehauen, die Schule abgebrochen, perfekte Voraussetzungen also für eine Karriere als Dealer. Doch aus Nasir Jones wurde Nas. Und der veröffentlichte 1994 als Zwanzigjähriger sein Debütalbum „Illmatic“. Er erzählte darin Geschichten wie keiner zuvor.

In seinen Texten nahm Nas die Rolle des Beobachters ein, der die Kriminalität der Nachbarschaft mit poetischer Sprache einfing, ohne sie zu glorifizieren. Bis heute wird „Illmatic“ von Kollegen und Kritikern als Bibel des Hip-Hop gepriesen. Zum 20-Jahr-Jubiläum wird die Platte neu aufgelegt. Für uns blickt der Meister zurück und erinnert sich, welche Songs er damals hörte.

Public Enemy - Rebel Without a Pause

„1988 sah ich die Jungs zum ersten Mal live in Harlem. Die Energie ihrer Show war ­unglaublich. „Soul, rock and roll, comin’ like a rhino“, brüllt Chuck D in diesem Track – es war, als würde ein Rhinozeros durch den Club trampeln. Das Sprachsample von Bürgerrechtler Jesse Jackson, Chucks messerscharfe Raps – Hip-Hop klang nie wuchtiger als hier.“

Boogie Down Productions -  My Philosophy

„Als Teenager stellte ich mir die Frage: Können Rapper Philosophen sein? KRS-One von BDP beantwortete sie mir mit diesem Track. Er zeigte auf, was ein Rapper zu leisten vermag. Welche Aufgabe ein MC erfüllen und wie man Texte auf ein neues Level hieven kann. Als junger Rapper war KRS-One ein Lehrer für mich. Oder besser: der Malcolm X meiner Generation.“

A Tribe Called Quest -  I Left My Wallet In El Segundo

„Der Text ist phantastisch: Q-Tip macht einen Road-Trip von New York an die Westküste. Wieder zu Haus, bemerkt er, dass er seine Geldbörse in El Segundo vergessen hat. Der Track bringt mich noch heute zum Schmunzeln. Schon ­damals, 1990, war Q-Tip der coolste Typ überhaupt. Deshalb war es eine Ehre, dass er mir bei „Illmatic“ half.“

Michael Jackson - Human Nature

„Die Art, wie Jackson seine Begegnung mit einem Mädchen in der Großstadt beschreibt, ist magisch. Welche Synthe­sizer er für den Song verwendet hat, frage ich mich bis heute. Aus Liebe zu dem Stück verwendete ich ein Sample daraus für meine Single „It Ain’t Hard to Tell“. Die Genehmigung dazu gab mir Jackson höchstpersönlich am Telefon.“

Stevie Wonder - Master Blaster

„Meine Eltern waren Fans, Stevie Wonders Musik lief ständig bei uns. Ich dachte mir schon als Kind: Der Typ ist genial. Er nahm diesen Song als Tribut an Bob Marleys Hymne „Jammin’“ auf. Die Leichtigkeit, mit der Wonder sich Reggae nähert, ist atemberaubend – und war ausschlaggebend für meine Zusammenarbeit mit Marleys Sohn Damian.“

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06/2014 The Red Bulletin

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