Elfer

Physik für (Sc²hl)echte Männer

Text: Clemens Stachel
Foto oben: Getty Images

Alles im Leben ist eine Frage der richtigen Technik. Physiker und Buchautor Martin Apolin verrät uns, welche Formeln wir an einem Sommertag für uns arbeiten lassen können.
  • perfekte Steaks
  • perfekt gekühltes Bier
  • perfekte Elfmeter

1 BRATE DAS PERFEKTE STEAK

Zwei Dinge braucht ein gutes Steak: die rich­tige Pfannentemperatur (170 °C) und das perfekte Timing. Dabei folgen wir dem kürzesten Merksatz der Küchenphysik, nämlich: 3-3-3-3.

Steak

In der Pfanne oder auf dem Grill: Unter 140 °C brät das Steak nicht, über 220° verkohlt es. 170° brutzeln perfekt.

 

Die erste 3: Unser Rindfleischstück ist drei Zentimeter dick.

Die zweite 3: Leg das Steak für drei Minuten in die Pfanne. Dann misst die Steakunterseite etwa 150 °C, während die Steakmitte noch fast gar nichts von der Hitze mitbekommen hat.

Die dritte 3: Wende das Fleisch und lass es weitere drei Minuten anbraten. Jetzt erst bewegt sich was in der Mitte. Warum? Weil die zuerst angebratene Seite um 60° abkühlt und einen Teil dieser Wärme in die Mitte weitergibt. Nach sechs Minuten Bratzeit hat das Fleisch in der Mitte aber noch immer nicht mehr als 41 °C!

Statt nun in Panik zu geraten und das Stück in der Pfanne zu lassen, bis es austrocknet, kommt die vierte 3: Wir packen das Rind in Alufolie. Die beiden heißen Außenseiten geben dann ihre Wärme weiter nach innen ab, und nach noch mal drei Minuten hat es im Kern genau – bing! – 60 °C. Das perfekt auf „medium“ gebratene Steak ist fertig. 

Tipp: Für „medium rare“ lässt du das Steak nur zwei Minuten in der Alufolie, für „well done“ sechs Minuten.

2 HALTE DEINE DOSE KÜHL

Nimm eine alte Socke. Mach sie nass. Steck deine Dose hinein. Häng das Ganze auf, am besten im Schatten, wo es windig ist. Fertig ist dein Sockenkühlschrank. Das physikalische Zauberwort hinter dieser Konstruktion heißt:

Verdunstungskühlung. Wie das funktioniert? Wasser­moleküle bewegen sich, ­manche langsamer, manche schneller. Und manche so schnell, dass sie das Wasser verlassen und in die Luft entweichen. Damit verringert sich das durchschnittliche Tempo der verbleibenden Moleküle, die Wassertemperatur sinkt, und die Dose wird gekühlt.

Molekühl: Die schnellsten Wassermoleküle entweichen in die Luft. Übrig bleiben die bewegungsfaulen kalten.

3 SCHIESS EINEN UNHALTBAREN ELFER

Vor allem ist der Strafstoß im Fußball ein Psychospielchen zwischen dir und dem Tormann. Er kennt deine Lieblingsecke, du kennst seine, und am Ende knallst du das Ding meist durch die Mitte. Aber es gibt ihn, den unhaltbaren Elfmeter.

Elfer

Denn das Fußballtor ist so groß, dass es selbst ein sprungstarker Hüne von einem Torwart nicht zur Gänze abdecken kann – vorausgesetzt, du schießt scharf genug ­(sagen wir mal: mit 100 km/h). Die Grafik zeigt: Ein 1,95 Meter großer Keeper, der einen halben Meter hoch springen kann, reicht auf etwa 2,9 m hinauf.

Dein Schuss braucht vom Elferpunkt ins Kreuzeck genau 0,42 s. In dieser Zeit kann der Tormann horizontal etwa 1,3 m fliegen – er deckt also mit 3,7 m Reichweite die gesamte Torlinie ab. Klingt beängstigend. Aber: Die beiden oberen Ecken bleiben für ihn unerreichbar. Und genau da muss das Leder hin. Es liegt an dir. Die Physik ist auf deiner Seite.

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05 2015 The Red Bulletin

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