stadt, land, berg, tal:
Das kann der Škoda Kodiaq

Text: Robert Sperl
Fotos: Agnieszka Doroszewicz

Elegant auf der Straße. Tapferer Verbündeter im Gelände. Und nie wieder feuchte Hände, wenn es haarig wird! Autoexperte Raimund Baumschlager hält ein Plädoyer für den SUV, am Beispiel des Škoda Kodiaq.

Raimund Baumschlager gewinnt seit 1986 Rallyes, ist 13facher Staatsmeister und seit 2002 24-Stunden-Weltrekordler im Team (Durchschnittstempo 323 km/h im VW W12). Für The Red Bulletin testet er den neuen Škoda Kodiaq as Vertreter der SUV-Klasse.

Erfahre hier mehr über…

  • Die Geschichte des SUVs
  • Kodiaqs Wintertauglichkeit
  • Die Technik und Elektronik des Kodiaqs
  • Die Kurvenlage
  • Zusätzliche Funktionen
Klicken zum Weiterlesen

Es ist eisig kalt und hat frisch geschneit: Der Winter bei mir im Gebirge beginnt pünktlich. Die erste Runde um den Škoda Kodiaq ist schon überraschender: Der Siebensitzer ist optisch viel Auto, trotz geschickt gesetzter Schlankmacher wie subtiler Sicken und feiner Falze in der Außenhaut. Sobald du einsteigst, verliert sich das Gefühl, der Raum könnte ein störender Rucksack sein.

Hinterm Lenkrad stellt sich in der Sekunde smarte Handlichkeit ein. Wohl auch, weil die Karosserie, vom Fahrersitz aus betrachtet, höchst übersichtlich angerichtet ist: Der Wagen hört optisch dort auf, wo er ohnehin zu Ende ist. Trotzdem verströmt der SUV Sicherheit, das kann kein Nachteil sein.

Raimund Baumschlager

Erster Gang, los geht’s – schon ist das nächste Vorurteil beim Teufel, mit dem sich SUVs traditionell herumschlagen müssen: Das Auto ist agil wie ein junger Hund.

„Ein moderner SUV wird zwar nie ein Ökonomierat sein, aber von Saufen keine Spur.“

Selbst bei zügiger Fahrt stört kein Rollen, kein Kippen, kein Wanken des Aufbaus. Dagegen straffer Muskeltonus, gut trainiert. Der Wagen ist gefühlt einen halben Meter kürzer und eine halbe Tonne leichter, als es das Bordbuch in Zahlen fasst.

Das hat auch damit zu tun, dass der dezent grummelnde Motor echt Schmalz entwickelt, bereits aus nervschonenden Drehzahlen heraus. 150 PS sind die Goldene Mitte, wieder ein Vorurteil weniger: Ein moderner SUV wird zwar nie ein Ökonomierat sein, aber von Saufen keine Spur.

„Erster Gang, los geht’s – schon ist das nächste Vorurteil beim Teufel, mit dem sich SUVs traditionell herumschlagen müssen: Das Auto ist agil wie ein junger Hund“

© youtube // M3MotorCube

Die insgesamt beachtliche Lebhaftigkeit im Kodiaq ist auch der smarten 7-Gang-Automatik geschuldet (zu haben wäre auch ein 6-Gang-Schaltgetriebe): Sie reagiert prompt, arbeitet ruckfrei, die Anschlüsse sind logisch – man gewöhnt sich schnell daran, dass der linke Fuß permanent on vacation ist.

Charmant die Wippenschaltung am Lenkrad, etwas, das sonst nur sportliche Autos bieten: Die hätte ich nicht im Cockpit erwartet. Ein Bonustrack: Der Fahrer kann das Doppelschaltgetriebe auch manuell steuern.

Wer hat’s erfunden?

Als erster SUV gilt der Chevrolet Carryall Suburban, gebaut ab 1935, obwohl: Den Begriff SUV für Sport Utility Vehicle hat die US-Firma Powell erst 1955 „erfunden“. Die Brüder Hayward und Channing Powell vermarkteten ihren Station Wagon als idealen Untersatz für Fischer und Bootfahrer; wohl auch deshalb hatte dieses von hinten beladbare Auto Seitenfächer für Angelruten und Köderbehälter. Der erste klassische SUV, jedoch mit Betonung der Geländetauglichkeit, ist der Range Rover (ab 1970). Am entgegengesetzten Rand rangiert der Bentley Bentayga, der seit 2015 den Luxusfaktor der SUV-Klasse neu definiert.

„Im Kodiaq arbeitet eine Variante mit elektronisch gesteuertem Mitteldifferential, die mit präziser Unauffälligkeit überzeugt.“

Gewinne jetzt einen neuen Škoda Kodiaq

Jedesmal, wenn sich die zweifache Freeride-Weltmeisterin Eva Walkner die Skier anschnallt, beginnt ein neues Abenteuer: prickelnde Luft, staubender Schnee und die herrlichsten Bergpanoramen dieser Welt. Urban to Nature!

Klicken zum Weiterlesen

Thema Allradantrieb (Frontantrieb ist möglich, spießt sich aber mit dem Kodiaq als stressarmem Gesamtkunstwerk): Ich habe in den letzten vierzig Jahren alle 4 × 4-Varianten erlebt und erlitten – von der krachend zuschaltbaren Hinterachse bei Fronttrieblern über rubbelnde Varianten mit brutal gesperrten Rädern bis zu den aktuellen elektronischen Systemen, die oft etwas teigig daherkommen.

Im Kodiaq arbeitet eine Variante mit elektronisch gesteuertem Mitteldifferential, die mit präziser Unauffälligkeit überzeugt. Ein Steuergerät errechnet permanent – und je nach Radschlupf – das ideale Antriebsmoment und verteilt es auf die Antriebsachsen.

Das 4 × 4-Gesamtresümee? Du lenkst ein und pfeifst ungerührt ums Eck. Vorbei die Zeit der schweißnassen Hände: Mehr Allrad braucht es nicht, um souverän unterwegs zu sein, so patschert kannst du gar nicht sein.

Die sensorüberwachte Elektronik sorgt immer für homogenen Vortrieb. Schlau auch der Offroad-Modus, aktivierbar durch Tastendruck, der Fahrwerk, Bremsen und Motormanagement speziell auf raues Gelände einstellt.

Rau ist natürlich relativ: Der Kodiaq ist kein Geländewagen, aber dank ausreichend Bodenfreiheit und robustem Unterbau hart im Nehmen – sogar beim Skijöring.

Mit der elektronischen Parkbremse, die nur On und Off kennt, kann ich mich nicht recht anfreunden. Ich bin mit normalen Handbremsen sozialisiert worden und habe gelernt, sie in haarigen Situationen kontrolliert einzusetzen – man muss kein Rallye-Fahrer sein, um das etwa in engen Kurven oder auf Schnee ähnlich zu tun.

„Die Assistenten bewahren Fußgänger vor dem Überfahrenwerden, halten Abstand zum Vordermann, checken deine Aufmerksamkeit und etliches mehr.“

Was die Hilfe der weiteren Elektronik betrifft, war ich zu Unrecht misstrauisch. Die Assistenten bewahren Fußgänger vor dem Überfahrenwerden, helfen beim Einparken mit einem Anhänger, halten Abstand zum Vordermann, checken, ob du nicht zu müde bist zum Weiterfahren, überwachen die Verkehrslage und per Kamera den Weg nach hinten und etliches mehr.

Wer in der Zubehörliste all diese Goodies ankreuzt, borgt sich am besten ein zwölfjähriges Video-Kid als Bedienungsanleitung.

Skoda Kodiaq

Das Resümee nach einem Tag im Kodiaq als dem neuesten SUV-Vertreter? In der Stadt brauche ich ihn wahrscheinlich nicht, Stichwort Einparken.

Wer aber auf dem Land wohnt und fünf, sechs Monate Winter erlebt … oder wer eine Reiselimousine möchte, die genau das Quäntchen mehr Komfort, Souveränität und Raumangebot bietet als jeder Kombi … der ist einem SUV schon näher, als er dachte.

Klicken zum Weiterlesen
02 2017 The Red Bulletin

Nächste Story