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Wie du ein Schiffswrack bergen kannst

Foto oben: pixabay.com

Deep Ocean Search CEO John Kingsford ist Experte auf diesem Gebiet. Hier erklärt er uns, was man unbedingt braucht, um richtig fette Beute zu machen.

Am 6. November 1942, rund 1500 Kilometer vor der Westküste Afrikas, versenkte das deutsche U-Boot U-68 die SS „City of Cairo“, ein britisches Passagier-Dampfschiff, das im Krieg als Versorgungsschiff diente. Nachdem der deutsche Kapitän sein U-Boot auftauchen ließ, sah er Überlebende in Rettungsbooten und deutete ihnen mit den Worten „Gute Nacht – und Verzeihung, dass ich Ihr Schiff versenkt habe“ den Weg Richtung Land. Im September 2013 fand das Team von John Kingsford, dem CEO der Bergefirma Deep Ocean Search, das Wrack der „City of Cairo“ und begann mit der Bergung der Fracht von 100 Tonnen Silbermünzen im Wert von knapp 50 Millionen Euro – in einer bisher unerreichten Tiefe von 5150 Metern.

1. Geduld

„Die Bergung der ‚City of Cairo‘ wurde über Jahre vorbereitet. Bereits 1984 wussten wir von der besonderen Fracht des Schiffs. Damals hatten wir aber nicht die Mittel, das Schiff aufzuspüren, es lag einfach zu tief. Also mussten wir warten. Was man braucht, um bei uns neu anzufangen? Sinn für Humor, allein um den finanziellen und technischen Druck unserer Arbeit auszuhalten.“

2. Spürsinn

„Jedes Projekt beginnt mit dem Durchforsten von Archiven in aller Welt, etwa in Transport- oder Versicherungsunternehmen. Oder wir erhalten einen Hinweis auf ein Schiff. Wir folgen der Spur der Fakten, und irgendwann landen wir beim Besitzer. Manche sind ziemlich überrascht, wenn wir an ihre Tür klopfen und sagen: ‚Wussten Sie, was Ihnen in diesem Schiff vor hundert Jahren verlorenging?‘“

3. Beharrlichkeit

„Wir verwenden alle erdenklichen Daten, um die Lage des Schiffs herauszufinden. Es gibt dafür Computermodelle, aber wir bevorzugen Seekarte und Bleistift. Unser Suchschiff lokalisiert dann vor Ort mittels Langstrecken-Sonar das Wrack. Das kann bloß ein paar Stunden, aber auch Monate dauern.“

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4. Professionalität

„Das Vermessungsschiff fertigt mittels Hochfrequenz-Sonar eine Karte vom Schiffswrack und der Umgebung an. Mit dieser beginnt das Bergungsteam die Suche, in einem größeren Schiff, mit schwerem Gerät und Raum für hunderte Tonnen Material. Sie schicken ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge runter, die die Schiffswand öffnen und sich große Teile der Fracht schnappen.“

5. Begeisterung

„Wir haben in den letzten fünf Jahren 14 Bergungen gemacht und zumeist nur Kupfer und Zinn gefunden. So was passiert, das muss man akzeptieren. Bei der Bergung der ‚City of Cairo‘ nahm ich meinen damals neunjährigen Sohn mit nach Kapstadt, wo das Bergeschiff andockte. Allein dieser Ausflug brachte uns gut zehn Tonnen an Silbermünzen, das war richtig geil. Ich bin mir nicht sicher, wer von uns zu diesem Zeitpunkt der kleine Junge war.“

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08 2015 The Red Bulletin

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