Songs, durchdacht wie ein Schachspiel

Gespenstische Gitarren, primitive Grooves: Arcade-Fire-Geiger Owen Pallett über die fünf Platten, die in seinem neuen Album stecken.

In den letzten zehn Jahren hat sich Owen Pallett den Ruf eines Paganini des Pop erarbeitet: 2004 heuerte er als Violinist bei Arcade Fire an und schreibt seitdem alle Streicher-Arrangements für ihre Alben. Heute lassen auch Kollegen wie Robbie Williams und The National ihre Songs von ihm symphonisch veredeln.

Palletts Herzensangelegenheit ist aber sein Soloprojekt. Seine emotionalen, melodiös komplexen Indie-Pop-Songs klingen, als würde Brian Eno den jungen David Bowie auf einer Stradivari begleiten. Im Februar war Palletts Soundtrack für Spike Jonzes Film „Her“ für einen Oscar nominiert, nun veröffentlicht er sein viertes Album „In Conflict“. Welche Songs ihn bei der Arbeit daran inspirierten, verrät er hier.

Eurythmics - „Love Is a Stranger“

„Als ich fünf Jahre alt war, hörte ich fast nur klassische Musik – Bach, Mozart. Aber Eurythmics passten auch irgendwie dazu. Weil der Synth-Pop des Duos so präzise und mathematisch ist, so durchdacht wie ein Schachspiel. Dieser Song ist die perfekte Fusion aus sterilen, synthetischen Klängen und emotionaler Tiefe in der Melodie.“

Silver Apples - „Program“

„Ich war 19, als mir ein Schall­plattenver­käufer diese Scheibe in die Hand drückte. „Brauchst du“, meinte er. Und hatte recht. Der trockene Beat dieses Psychedelic-Klassikers ist genial. Auf meinem Album kopierte ich den Drum-Sound. Der Trick: Mein Schlagzeuger spielte ohne Tempovorgabe. Dadurch klingen Songs wie „The Sky Behind the Flag“ sehr lebendig.“

The Luyas - „Moodslayer“

„Das Haupt­instrument dieser kana­dischen Band heißt Mood­swinger. Eine Kreuzung aus Zither und Gitarre, die aussieht, als hätte sie ein Kind entworfen. Der Klang ist gespenstisch, die Sounds der Saiten verschwimmen ineinander. Genial! Auf Songs wie „The Passions“ stellte ich den Klang mit meiner Geige und vielen Effekten nach.“

The Blue Nile - „A Walk Across the Rooftops“

„Diese schot­tische Band brachte in den 1980ern zwei Alben raus. Das erste trägt den Titel dieses Songs – und ist ein Meisterwerk. Seine eisige Stimmung und klangliche Klarheit hatten großen Einfluss auf meinen Song „The Secret Seven“: Die Stille am Anfang, dazu trillernde Synthesizer – den Aufbau hab ich mir von The Blue Nile abgeschaut.“

Green Velvet - „The Stalker“

„Bis vor kurzem konnte ich mit House-­Musik wenig anfangen. Das änderte sich, als ich auf diesen Klassiker aus Chicago stieß. Er besteht aus zwei primitiven Rhythmus-Mustern, die übereinandergeschichtet einen extrem packenden Groove erzeugen. Ebendiese rohe Atmosphäre versuchte ich auch mit den Beats auf meiner Platte zu kreieren.“

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07 2014 The Red Bulletin

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