Anthropologe Joe Henrich im Interview

Joe Henrich im Interview: Warum wir Menschen so super sind

Interview: Steffan Heuer
Foto: Jared Leeds

Der kanadische Anthropologe Joe Henrich geht der Frage nach, was unsere Spezies zum Beherrscher des Planeten Erde gemacht hat.

TERRA MATER: Professor Henrich, nehmen wir einmal an, wir würden Sie auf einer verlassenen Insel oder im Regenwald des Amazonas aussetzen. Wie lange würden Sie ohne fremde Hilfe durchhalten? 

Joe Henrich: Es wäre sicher extrem schwierig, sich alleine durchzuschlagen. Zumindest habe ich bei den Pfadfindern ein paar Dinge gelernt – etwa wie man Feuer macht. Aber mehr als ein paar Wochen würde ich nicht überleben. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich eine Insel im Südpazifik wählen, denn die sind groß genug und haben Trinkwasser. Die Arktis wäre da schon erheblich härter. 

Egal ob Australiens Outback oder am Polarkreis — fast überall auf der Welt haben sich Menschen seit tausenden von Jahren eingerichtet. Wie haben sie es geschafft, an so unwirtlichen Orten zu überleben? 

Sie verlassen sich auf ein großes Repertoire an Wissen, das ihnen ihre Vorfahren hinterlassen haben. Dieses Wissen über das Leben und Überleben an einem bestimmten Ort hat sich von Generation zu Generation etwas vergrößert, es wird weitergegeben und verbessert. Nach vielen Generationen besitzt man auf diese Art einen Wissensschatz, den kein Mensch jemals für sich alleine ansammeln könnte. So weiß man, wie man Feuer macht, wo man Nahrung findet, wie man giftige Pflanzen genießbar macht und wie man Werkzeuge herstellt.

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Wie viel von diesem Wissen ist in uns vorprogrammiert und kann in der Wildnis aktiviert werden?

Ein bisschen Vorwissen ist vielleicht Teil unserer menschlichen Ausstattung, aber es reicht sicher nicht aus, um zu überleben. Der beste Beleg sind die vielen Expeditionen, die trotz jeder Menge Geld, sorgfältig ausgesuchter Mannschaft und Material kläglich scheiterten und deren Teilnehmer oft sogar umkamen. Nehmen wir die Expedition von Burke und Wills, die Australien 1860 von Süden nach Norden durchqueren wollten. Nur ein einziges der 19 Expeditionsmitglieder überlebte – unter anderem, weil sie nicht in der Lage waren, Wasser zu finden und sich mit den falsch verarbeiteten Samen eines Farns namens Nardoo langsam vergifteten, obwohl sich die Aborigines, auf die sie trafen, wunderbar davon ernähren konnten. Die wussten, wie man die Samen richtig verarbeitet. Die Ironie dabei war, dass Burke und Wills Kamele dabeihatten, die ihnen allerdings davonliefen. Das ist doppelt ärgerlich, denn Kamele können Wasser kilometerweit riechen und erkennen, welche Pflanzen giftig und welche proteinhaltig sind. Fazit: Es kommt nicht darauf an, ob uns Einheimische helfen. Was zählt, ist die Evolution von kulturellem Know-how. 

Beim Wort Evolution denken die meisten Menschen zuerst einmal an Darwin, an Genmutationen und an natürliche Auslese…

Genetik und Kultur sind bloß zwei verschiedene Systeme, um Daten weiterzuvererben. Solange Informationen von einer Generation an die nächste fließen, findet Evolution statt. Dabei kommen viele unbewusste Faktoren ins Spiel. So schenken Menschen anderen Menschen mehr Beachtung, wenn die einen höheren Status oder mehr Prestige besitzen. Das setzt einen ähnlichen Prozess wie die natürliche Auslese in Gang, sodass sich die kulturellen Informationen, mit deren Hilfe Menschen einflussreicher oder prestigeträchtiger werden, besser und nachhaltiger fortpflanzen.

Joe Henrich erklärt in einem Vortrag, was den Erfolg des Menschen ausmacht.

© Society for Personality and Social Psychology // YouTube

Sie verwenden in diesem Zusammenhang den Begriff der genetisch-kulturellen Co-Evolution. Können Sie das näher erläutern?

Sobald es ein System der kulturellen Evolution gibt, in dem eine Generation von der vorhergehenden lernt und mehr Wissen anhäuft, verändert das die Umweltbedingungen für die Gene. Kultur kann also direkte Auswirkungen auf die genetische Evolution haben. Wenn man sich die Evolutionsgeschichte der Menschheit ansieht, dann scheint dieses Wechselspiel beispielsweise die Entwicklung unseres Verdauungstraktes beeinflusst zu haben. Nach unserer Anatomie und Physiognomie zu urteilen, sind wir Primaten, die sich an den Verzehr gekochter Nahrung angepasst haben. Unser Magen ist zu klein, unser Darm zu kurz, und unsere Zähne sind zu schmächtig für rohe Lebensmittel. Das Ganze gibt nur einen Sinn, wenn wir unsere Nahrung durch Kochen vorverdauen. Aber wir besitzen keine angeborenen Fähigkeiten, Feuer zu machen oder Essen zu kochen. Das ist ein Beispiel, wie unsere kulturelle Entwicklung und vor allem das Feuer unsere genetische Evolution und unsere Physiologie verändert haben.

Es gibt Experimente, bei denen junge Primaten gegen junge Menschen antreten, um verschiedene Aufgaben zu meistern. Im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren schneiden die Menschen nicht besonders gut gegen ihre entfernt verwandten Altersgenossen ab – aber schon bald danach sind sie nicht mehr zu schlagen. Wie kommt das?

In diesen Versuchen unterziehen wir die Teilnehmer – Menschen, Schimpansen, Orang-Utans – einer Reihe kognitiver Tests. Und bis auf das sogenannte soziale Lernen tun sich junge Menschen nicht besonders hervor. Etwa bei der Aufgabe, Nahrung aus einer langen Röhre zu fischen. Das ist schwierig, bis sie jemanden beobachten, der es vormacht. Kinder kopieren die Vorbilder schnell, Menschenaffen eher nicht. Soziales Lernen ist wohlgemerkt etwas anderes als individuelles Lernen, bei dem ich etwas für mich alleine durch Versuch und Irrtum herausfinde. Affen werden mit fortschreitendem Alter nicht besser, wenn man die Tests im Alter von drei, vier oder fünf Jahren wiederholt. So hängen wir Menschen sie schnell ab.

Wie lautet Ihre Erklärung? 

Menschen bekommen einen riesigen kulturellen Download aus Hilfsmitteln und Werkzeugen verabreicht, um die Welt zu verstehen und zu meistern, etwa Systeme wie Flaschenzüge und Räder. Dass man mit Pfeil und Bogen elastische Energie speichern kann, war etwa den Ureinwohnern Australiens unbekannt, aber sobald man das Konzept einmal kennengelernt hat, kann man Musikinstrumente herstellen, andere Waffen und Fallen. Ein anderes Beispiel sind Zahlen. In vielen Gesellschaften kennen die Menschen nur 1, 2, 3 und viele. Es ist also schwer, 16 von 17 zu unterscheiden. Manche Kulturen zählen nur bis 28, andere bis 36, wieder andere bis 64. Wir hingegen haben ein unbegrenztes Zahlensystem. Das macht einen großen Unterschied. Während wir heranwachsen, bekommen wir dieses Wissen Stück für Stück mit – auch weil Erwachsene lange leben. Wenn eine Gesellschaft plötzlich dezimiert wird, kann sie auf Generationen hinaus wertvolle Informationen verlieren. 

Anthropologe Joe Henrich im Interview

Joe Henrich erläutert im Interview, was uns Menschen auszeichnet.

Haben Sie ein Beispiel parat, was passiert, wenn das kulturelle Wissen auf einen Schlag ausstirbt?

Da fällt mir Tasmanien ein, die Insel im Südosten Australiens. Bis vor 10.000 Jahren war sie mit Australien durch eine Landbrücke verbunden. Als der Meeresspiegel am Ende der letzten Eiszeit anstieg, wurde es zu einer Insel. Die Jäger und Sammler Tasmaniens verloren buchstäblich den Anschluss und damit ihr Wissen über Werkzeuge und Technologien. Als die ersten Europäer 1642 dort landeten, fanden sie die primitivsten Werkzeuge vor, die europäische Entdecker jemals irgendwo gesehen haben. 

Was sind die großen Meilensteine, die uns zu einer supersmarten Spezies gemacht haben? 

Das hängt von den anthropologischen Zeugnissen ab, die uns zur Verfügung stehen, und die sind lückenhaft. Die ersten Werkzeuge aus Stein tauchen vor ungefähr 3,4 Millionen Jahren auf. Vor 2,5 Millionen Jahren häufen sich die Funde solcher Werkzeuge, die fortschrittlicher sind als die jeder anderen Spezies. Vor rund 1,8 Millionen Jahren werden die Werkzeuge plötzlich raffinierter, und in unserer Anatomie finden entscheidende Veränderungen statt, die auf zwei Entwicklungen hindeuten: Einsatz von Feuer und umfangreiche Verarbeitung von Nahrungsmitteln. Das erlaubt es uns, einen im Vergleich zu anderen Menschenaffen kleinen und vor allem geraden Brustkorb zu haben. Wer rohe Nahrung verdauen muss, braucht einen größeren, konisch zulaufenden Brustkorb. Ebenso passt sich unser Körper ans Langstreckenlaufen an, um fast jede Beute zur Strecke zu bringen.

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„Es geht nicht darum, ob Menschen von Natur aus friedfertig oder kooperationsbereit sind, sondern dass sie darauf programmiert sind, Regeln zu erkennen und zu befolgen – egal, wie sie lauten.“
Joe Henrich

Der Wendepunkt für eine sich rapide beschleunigende kulturelle Evolution war also vor rund 1,8 Millionen Jahren?

Es ist schwer zu sagen, wann genau wir den Rubikon überschritten haben, aber die Indizien mehren sich ab 1,8 Millionen Jahren. Vor 800.000 Jahren waren wir garantiert schon auf der anderen Seite. So hat man in einer Siedlung in Israel komplizierte Werkzeuge zur Steinbearbeitung, Öfen und Überreste von vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren gefunden, von denen sich die Menschen ernährt haben. Vielleicht sogar die Reste von Booten. In diesem Zeitfenster konnte sich die kulturelle Evolution beschleunigen. Je raffinierter unsere Werkzeuge, Technologien und Sprachen wurden, desto mehr haben unsere Gene darauf reagiert. Und noch etwas Wichtiges passiert, wenn wir lernen, Werkzeuge herzustellen und zu verbessern. Wir sind in der Lage, Regeln zu erkennen und zu lernen, insbesondere andere Menschen zu beobachten und zu beurteilen. Daraus entstehen gesellschaftliche Normen. Wenn ein Mitglied der Gruppe etwas nicht tut, beispielsweise seine Nahrung nicht teilt, dann wird es bestraft. Diese Erkenntnis verbreitet sich in einer Gesellschaft und wirkt sich auf die Gene aus, denn wer mit den etablierten Normen nicht klarkommt, wird ausgegrenzt. Das führte zu einer Selbstzähmung des Menschen. 

Was sagt uns das über die anhaltende Debatte, ob die Persönlichkeit mehr von der genetischen Anlage oder durch Einflüsse der Umwelt geformt wird?

Es geht nicht darum, ob Menschen von Natur aus friedfertig oder kooperationsbereit sind, sondern dass sie darauf programmiert sind, Regeln zu erkennen und zu befolgen – egal, wie sie lauten. Das lässt sich schon bei kleinen Kindern nachweisen. Wenn sie etwa jemanden beobachten, der sich großzügig verhält, kopieren sie dieses Verhalten, umgekehrt aber auch, wenn jemand geizig ist. Unfair zu sein kann man also auch lernen. Wir hegen eindeutig prosoziale Motive für unseren Nachwuchs. Und wir sind bereit, soziale Normen zu lernen und zu verinnerlichen. Die genauen Regeln sind nicht angeboren – nur die Bereitschaft, sie zu erlernen.

Nun denken wir bei Kultur nicht an unsere Vorfahren vor einer Million Jahren, sondern an erste Städte, die Entstehung von Agrargesellschaften, Palästen und Religionen. Wie kamen solche Institutionen und Praktiken in die Welt?

Es ist derselbe Prozess, der sich fortsetzt und potenziert. Vor rund 12.000 Jahren hatte sich genügend Kohlendioxid in der Atmosphäre angesammelt, dass sich Landwirtschaft wirklich lohnte. Und so fingen einzelne Populationen im Nahen Osten und kurz darauf in China an, Kulturpflanzen anzubauen. Daraus entstand der Druck, sein Territorium besser zu kontrollieren. So konnten sich größere Gruppen von Menschen versammeln und ernähren. Es entstand ein Wettbewerb über der Frage, wie man neue gesellschaftliche Normen entwickelt, die ein friedliches Zusammenleben in der Gruppe ermöglichen. Religion ist ein wichtiges Beispiel dafür. Wir finden sie schon in den frühesten komplexen Gesellschaften. Die ersten großen Gebäude, die eine Kultur errichtet, sind Tempel und Gräber. Übernatürliche Regeln oder Religion kontrollieren und bestrafen all jene, die aus der Reihe tanzen. Sie dienen dazu, uns Menschen gesellschaftsfähiger zu machen. 

Deswegen ist kulturelles Lernen in Ihrer Interpretation das „Geheimnis für unseren Erfolg“, um den Titel Ihres Buches zu zitieren…

Genau. Die übliche Erklärung lautet, dass wir so tolle Werkzeuge und Technologien haben, weil wir so schlau sind. Aber es verhält sich genau umgekehrt: Wir sind so schlau und damit erfolgreicher als jedes andere Lebewesen, weil wir Werkzeuge haben. Wir besitzen diese einzigartige Fähigkeit, von anderen zu lernen und dieses Wissen weiterzugeben. Wir haben nicht nur Arbeitsteilung, sondern – und das ist viel wichtiger – Informationsteilung.

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Sie nennen die Ansammlung von Informationen das „Kollektiv-Gehirn“, das nicht mehr auf die Weitergabe durch die Dorfältesten angewiesen ist. Wann ist es entstanden? 

Informationen sind heute nicht mehr bloß in den Köpfen von ein paar Individuen gespeichert, sondern auf die gesamte Bevölkerung verteilt. Erst aus der Interaktion entsteht eine erfolgreiche Gesellschaft, bei der Größe und Grad der Verbundenheit den Unterschied ausmachen. Jüngere Studien belegen, dass Großstädte pro Kopf innovativer sind. Dazu muss keineswegs jeder ein Genie sein. Man kann sehr wohl innovativ sein, ohne selbst etwas zu erfinden. Nehmen wir einmal an, wir haben zwei Gruppen, die Genies und die Leichtgewichte. Erstere produzieren brillante Ideen, behalten sie aber mehr oder weniger für sich. Die anderen sind eher beschränkt, aber sie haben mehr soziale Kontakte, sodass sie schneller voneinander lernen können. Wenn man das im mathematischen Modell durchrechnet, stehen die dümmeren Leichtgewichte dank der freien Rekombination von Wissen nach einigen Generationen besser da und gewinnen das Wettrennen. 

Anthropologe Joe Henrich im Interview

Was heißt das für die Innovationskraft moderner Gesellschaften?

Man sollte sich davor hüten zu glauben, dass kleine Gesellschaften dümmer sind, weil sie weniger raffinierte Werkzeuge haben. Die sozialen Verbindungen machen den Unterschied, nicht das vereinzelte Genie. Wir hängen immer noch dem Mythos des heroischen Erfinders an. Aber in Wirklichkeit waren an großartigen Erfindungen oft viele Menschen beteiligt. Manche Dinge wurden mehrfach erfunden – und je größer eine Population ist, desto mehr passieren solche Erfindungen. Wir stehen, um es anders zu sagen, nicht auf den Schultern von Riesen, sondern an der Spitze einer Pyramide von Pygmäen. Aus einer gut verbundenen Masse kann Klasse werden. Am wichtigsten ist dabei der Austausch zwischen eigentlich nicht miteinander verbundenen Wissensgebieten. 

Das klingt fast so, als ob Sie eine historisch unterfütterte Lobrede auf das Internet oder Google schwingen wollten.

Das Internet hat sicherlich auch seine Schattenseiten, aber es beschleunigt zweifellos den Prozess der kulturellen Evolution. Allerdings muss ich immer noch herausfinden und wählen, wem ich trauen kann. Wenn wir uns die genetisch-kulturelle Co-Evolution der vergangenen 10.000 Jahre ansehen, können wir erkennen, dass sich die genetische Auslese beschleunigt hat, weil unsere moderne Kultur ganz neue Arten von Selektionsdruck schafft. Die Zahl der Kaiserschnitte hat dramatisch zugenommen und liegt in vielen Ländern bei 20 Prozent. Das heißt, Ärzte senken den natürlichen Selektionsdruck, der die Schädelgröße eines Babys begrenzt, da es sonst nicht durch den Geburtskanal passt. Wenn ich Neugeborene chirurgisch aus dem Mutterleib hole, entfällt diese Kapazitätsbegrenzung, und Menschen können größere Köpfe und Gehirne entwickeln. Das ist momentan reine Spekulation, aber Evolution passiert schneller, als wir denken. Die Gene, um Milchzucker verdauen zu können, verbreiten sich erst seit 7.000 Jahren und decken heute bereits ein Drittel der Menschheit ab.

Joe Henrich (@JoHenrich) | Twitter

The latest Tweets from Joe Henrich (@JoHenrich). Harvard Professor of Human Evolutionary Biology. Canada Research Chair at the UBC, Professor in Psychology & Economics. Author of The Secret of Our Success. Cambridge, MA

Nun experimentieren einige Zeitgenossen bereits mit dem nächsten Schritt der kulturellen Evolution: tragbare und in den Körper integrierte Technologien, die Mensch und Maschine früher oder später miteinander verschmelzen lassen. Wird uns künstliche Intelligenz schlagen und verdrängen, weil kein Mensch so schnell lernen und Wissen verarbeiten kann wie ein Algorithmus?

Genauso wie unser Körper auf Feuer und Kochen reagiert hat, werden diese Technologien Teil unserer Evolution werden. Etwa indem sich die Entwicklung unseres Gehirns neuen Werkzeugen anpasst, mit deren Hilfe wir besser hören und sehen können. Etwas Ähnliches kann ich mir für Implantate vorstellen, um unseren Wissensspeicher zu erweitern. Streng genommen verwenden wir schon externe Dateien, etwa angelesenes Wissen, wenn wir uns in unterschiedlichen Umgebungen zurechtfinden müssen. Nur das Dateiformat ist anders. 

Wie wahrscheinlich ist es, dass irgendwann eine neue Lebensform ihren Rubikon überschreitet – also zu neuen Ufern aufbricht, die uns Menschen mit unserer alten biologischen Hardware und der begrenzten Speicherkapazität unserer Software versperrt sind? 

Unser Übergang war nur einer von vielen, denn vor uns gab es etwa den Sprung von Einzellern zu Vielzellern. Warum sollte es nicht eine neue Lebensform geben? Wir bewegen uns in Richtung eines neuartigen Superorganismus. Und man sollte dabei nicht vergessen, dass wir nun selber unsere Gene verändern können. Auch die genetische Evolution liegt jetzt zu einem guten Teil in unseren Händen – mit allen möglicherweise verheerenden Folgen.

Das Gespräch stammt aus dem Terra Mater Magazin. Lust bekommen auf mehr solcher Interviews? In der aktuellen Ausgabe gibt der Hirnforscher Gerald Hüther Auskunft darüber, wie wir am besten lernen.

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08 2016 Terra Mater Magazin

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