Bundesliga-Transfers unter dem Radar

11 spannende Bundesliga-Transfers, die du vielleicht verpasst hast

Bild: Getty  

Die Saison 2016/17 steht vor der Tür und den ganzen Transfersommer wurde über Borussia Dortmund und Bayern München gesprochen. Über diese interessanten Transfers abseits der beiden Top-Klubs solltest du aber im Bilde sein.

Borussia Dortmund sorgte in diesem Sommer mit Neuzugängen im Wert von weit über 100 Millionen Euro für einen neuen Rekord in der deutschen Bundesliga. Mit Andre Schürrle gönnte man sich auch gleich den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte. Der FC Bayern holte indes Mats Hummels vom BVB zurück an die Säbener Straße und darf zudem künftig auf die Dienste von Mega-Talent und Europameister Renato Sanches bauen.

Es sind dies die Transfers, die in den letzten Wochen Medien und Fußballfans beschäftigten. Der eine oder andere interessante Vereinswechsel fiel dabei fast unter den Tisch. 

Oder weißt du, …

  • … wer die Werder-Schießbude schließen soll?
  • … welches ManUnited-Talent für die Eintracht aufläuft?
  • … welcher Ex-Real-Spieler Mainz verstärkt?
  • … wo Sandro Wagner nun spielt?

Wir zeigen dir eine Transfer-Elf, die dir vielleicht bislang entgangen ist.

Jaroslav Drobny, 36, Tormann

© YouTube // Werder Bremen

Club: SV Werder Bremen

Nationalität: Tschechien

Ablöse: ablösefrei

Letzte Saison: 10 Spiele für den Hamburger SV

“Er hat schon oft gezeigt, dass er im Falle eines Falles zu 100 Prozent bereit ist. Von seiner positiven Ausstrahlung wird auch die Mannschaft abseits des Spielfeldes profitieren.”
Werder-Geschäftsführer Frank Baumann

Baumanns Worte klingen schwer danach, dass Drobny den routinierten Backup für Stammkeeper Felix Wiedwald geben soll. Dieser konnte bislang das Tormannproblem an der Weser allerdings auch nicht zur Zufriedenheit aller lösen. Und Drobny deutete bereits an, „dass man natürlich immer eine Chance habe.“

Sollte er eine solche wittern, wird er sie jedenfalls zu nutzen wissen und an Motivation mangelt es dem Oldie bestimmt auch nicht. Nach dem unrühmlichen Abgang des Fanlieblings beim HSV will Drobny ausgerechnet beim Nord-Rivalen noch einmal zeigen, was in ihm steckt. Gut möglich, dass wir in dieser Saison also ein weiteres Mal zur selben Erkenntnis kommen werden wie einst Lucien Favre: „Drobny hält wie Jesus!“

Abdul Rahman Baba, 22, Verteidigung

© YouTube // DarkProductions

Club: FC Schalke 04

Nationalität: Ghana

Ablöse: Leihgebühr 500.000 €

Letzte Saison: 23 Spiele für Chelsea FC, 1 für den FC Augsburg

„Abdul ist ein offensivstarker Linksverteidiger, von dessen Qualitäten ich absolut überzeugt bin.“
Schalke-Trainer Markus Weinzierl

Baba is back. Schalke ist nach Greuther Fürth und Augsburg seine dritte Station in Deutschland. In Augsburg arbeitete Trainer Weinzierl bereits eine Saison lang mit Baba zusammen und weiß, was er an ihm hat. Fünf Assists gelangen dem Linksverteidiger damals. 

Nach einem durchwachsenen Jahr bei Chelsea sucht Baba nun Spielpraxis. „Ich hatte ein Gespräch mit Chelseas neuem Coach Antonio Conte. Er hat mir vermittelt, dass ich in seinem System vermutlich nicht regelmäßig spielen werde. Ich möchte aber spielen“, erklärte Baba, der bei den Knappen die Rückennummer 14 bekommt, die lange Zeit S04-Legende Gerald Asamoah gehörte. „Ich kenne Asa sehr gut. Er kommt wie ich aus Ghana, zudem haben wir in Fürth zusammen in einer Mannschaft gespielt. Dass ich nun seine 14 trage, macht mich ein Stück weit stolz.“

Jeffrey Bruma, 24, Verteidigung

© YouTube // Danilo Edits

Club: VfL Wolfsburg

Nationalität: Niederlande

Ablöse: 11,5 Millionen €

Letzte Saison: 44 Spiele für PSV Eindhoven

„Wir bekommen einen Innenverteidiger von internationaler Klasse.“
Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking

Für Bruma sollte mit dem Wechsel nach Wolfsburg ein Traum in Erfüllung gehen. Nein, damit ist nicht das Leben in der Auto-Stadt oder der Fußballtempel Volkswagen Arena gemeint, Bruma freute sich auf Innenverteidiger-Kollege Dante. „Er war einer, zu dem ich schon als junger Spieler aufgeschaut habe, ein Vorbild“, verriet er der Wolfsburger Allgemeinen. Blöd nur, dass Dante sich sogleich in Richtung OGC Nizza verabschiedete. Damit beginnt Brumas zweiter Anlauf in der Bundesliga, wie der erste geendet hatte: Mit einer Enttäuschung.

Als 19-jähriger Chelsea-Leihspieler kam Bruma mit vielen Vorschusslorbeeren zum HSV, konnte den Erwartungen aber nicht gerecht werden. In seinen zuletzt drei Jahren bei der PSV entwickelte er sich aber zu einem robusten Innenverteidiger mit gutem Spielverständnis. Zwei Meistertitel, Auftritte in der Champions League und 19 Länderspiele ließen ihn auch in puncto Erfahrung reifen.

Niklas Moisander, 30, Verteidigung

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© YouTube // Werder Bremen

Club: SV Werder Bremen

Nationalität: Finnland

Ablöse: 1,8 Millionen €

Letzte Saison: 23 Spiele für Sampdoria Genua

„Er bringt taktisch viel mit und hat einen sehr guten Spielaufbau.“
Werder-Geschäftsführer Frank Baumann

Seit Jahren gilt Werder als die Schießbude der Bundesliga. Ein Problem, dass unter anderem der Kapitän des finnischen Nationalteams beheben könnte. Der neue Abwehrchef soll Werder aus der Defensive heraus dirigieren und lenken, so der Plan.

Moisander selbst, lange in den Niederlanden bei Zwolle, Alkmaar und Ajax engagiert, ist Feuer und Flamme für Bremen. „Ich kann gar nicht beschreiben wie glücklich ich bin. Ich habe während der gemeinsamen Zeit mit Petri Pasanen in der finnischen Nationalmannschaft sehr viel über Werder gehört – über die Stadt, den Klub, die Fans. Er hat immer geschwärmt“, meint der Innenverteidiger. 

Guillermo Varela, 23, Verteidigung

© YouTube // Mr Lee

Club: Eintracht Frankfurt

Nationalität: Uruguay/Italien

Ablöse: Leihe

Letzte Saison: 11 Spiele für Manchester United

„Er ist sehr professionell und hat eine Menge Qualität. Ich habe keine Zweifel, dass er es an die Spitze schaffen wird.“
Zinedine Zidane, damals Trainer von Real Madrid Castilla

Club Atletico Penarol, Manchester United, Real Madrid. Varelas Stationen lesen sich imposant. Sir Alex Ferguson holte ihn einst auf die Insel, von wo er 2014 an die zweite Mannschaft Real Madrids verliehen wurde. Dort bescheinigte man ihm großes Potenzial, der Durchbruch blieb Varela aber verwehrt.

In Jose Mourinhos neuem United war aufgrund der starken Konkurrenz kein Platz für den Rechtsverteidiger, dem der Ruf vorauseilt, ein körperbetonter Spieler zu sein. „Positiv aggressiv“, beschreibt er selbst gegenüber der Frankfurter Rundschau seine Spielweise.

José Rodriguez, 21, Mittelfeld

© YouTube // GalaSkills

Club: 1. FSV Mainz 05

Nationalität: Spanien

Ablöse: 2,15 Millionen €

Letzte Saison: 23 Spiele für Galatasaray Istanbul

„Er hat bei Real eine ausgezeichnete Ausbildung durchlaufen und verfügt als zentraler Mittelfeldspieler über beachtliche technische und strategische Eigenschaften.“
Mainz-Sportdirektor Rouven Schröder

Der neue Keyplayer im Mittelfeld, der den nach Leverkusen abgewanderten Kapitän Julian Baumgartlinger ersetzen soll. Mit dem spanischen U21-Nationalspieler könnte den Mainzern wieder ein junger Stratege mit großem Entwicklungspotenzial ins Netz gegangen sein, wie vor nicht allzu langer Zeit Johannes Geis.

Unter Jose Mourinho avancierte Rodriguez bei Real Madrid zum Profi und kam zu einem La-Liga-Einsatz für die Königlichen. Mehr Erfahrung in der spanischen Meisterschaft sammelte er als Leihspieler bei Deportivo La Coruna. In Mainz möchte  er den „nächsten Entwicklungsschritt machen“. Und irgendwann will er zu Real zurückkehren, sagt er.

Yannick Gerhardt, 22, Mittelfeld

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© YouTube // SID

Club: VfL Wolfsburg

Nationalität: Deutschland

Ablöse: 13 Millionen €

Letzte Saison: 30 Spiele für den 1. FC Köln, 2 Tore

„Er hat alles, was heute von Spielern im zentralen Mittelfeld gefordert wird. Yannick ist passsicher, geht ein hohes Tempo und ist sehr dynamisch.“
Wolfsburg-Geschäftsführer Klaus Allofs

Gerhardt ist einer der begehrtesten deutschen Jungkicker und Gründe gibt es dafür genug. Trotz seiner erst 22 Jahre hat er bereits einen Aufstieg in die Bundesliga und zwei Saisonen im Oberhaus in den Beinen. Der Allrounder überzeugt nicht nur auf seiner Stammposition im Zentrum, sondern kann im Mittelfeld auch offensiver oder auf dem Flügel eingesetzt werden.

Seine Torgefährlichkeit macht ihn umso wertvoller, zudem leistet er sich kaum unnötige Fouls. Ein kompletter Mittelfeldspieler, dessen Entwicklung noch lange nicht am Ende ist. Das muss er nach 13 Jahren beim Effzeh nun in neuem Umfeld beweisen.

Takashi Usami, 24, Mittelfeld

© YouTube // Football+

Club: FC Augsburg

Nationalität: Japan

Ablöse: 1,5 Millionen €

Letzte Saison: 23 Spiele für Gamba Osaka, 6 Tore

„Ich war zu jung für die Bayern.“
Takashi Usami

Ein weiterer Rückkehrer in die Bundesliga. Nachdem der FC Bayern 2012 eine Nummer zu groß für den Japaner war und es auch in Hoffenheim nicht so recht klappen wollte, rehabilitierte sich Usami drei Jahre lang bei seinem Heimatverein in Osaka. Ausbeute: Satte 55 Tore.

Was ihm die neuerliche Chance in Deutschland bedeutet, verdeutlicht Usamis Rückennummer: „Das japanische Wort für ‚39‘ hat frei übersetzt auch die Bedeutung ‚Danke‘“, erklärt er.

Naby Keita, 21, Mittelfeld

© YouTube // DuCci Hd

Club: RB Leipzig

Nationalität: Guinea

Ablöse: 15 Millionen €

Letzte Saison: 37 Spiele für Red Bull Salzburg, 14 Tore

„Wir freuen uns sehr, dass sich Naby Keita trotz vieler Anfragen von europäischen Top-Klubs für uns entschieden hat und hier die nächsten Entwicklungsschritte zurücklegen möchte.“
RB-Sportdirektor Ralf Rangnick

Keita war der überragende Mann in der letzten Double-Saison von Red Bull Salzburg. Mit unheimlicher Dynamik, herausragenden technischen wie taktischen Fähigkeiten und einem guten Abschluss könnte er auch im Leipziger Spiel zum bestimmenden Akteur werden.

An Selbstvertrauen mangelt es dem jungen Mann nicht. Seine Ziele: Afrikas bester Fußballer werden und einmal für den FC Barcelona spielen.

Jakub Blaszczykowski, 30, Mittelfeld

© YouTube // antoso

Club: VfL Wolfsburg

Nationalität: Polen

Ablöse: 5 Millionen €

Letzte Saison: 20 Spiele für AC Fiorentina (Leihe von Borussia Dortmund)

„Er ist ein Spieler, der jeder Mannschaft gut zu Gesicht steht. Ein Vorbild an Einsatzwillen, Leistungsbereitschaft und Leidenschaft und einer der sich zu einhundert Prozent mit seinem Verein identifiziert.“
Wolfsburg-Geschäftsführer Klaus Allofs

Dankbarkeit gibt es im Fußball nicht, das monierte auch Ex-Kollege Kevin Großkreutz, als Blaszczykowskis Abgang vom BVB feststand. Acht Jahre lang erwies sich der Pole in Dortmund als verlässlicher Spieler, machte den kompletten Aufstieg des Klubs mit und eroberte die Herzen der Fans. 

Coach Thomas Tuchel sortierte ihn aber bereits vergangene Saison aus und schob ihn zur Fiorentina ab, wo er auch verletzungsbedingt nur wenig Einsatzzeit bekam. Eine starke EURO nährte die Hoffnungen auf ein Comeback in Schwarz-Gelb, doch Tuchel zog jüngere Neuzugänge vor. In Wolfsburg gibt man ihm hingegen eine Chance und die möchte der ruhige Pole in gewohnter Manier angehen: „Ich will weniger sprechen und mehr Leistung zeigen“, so das kurzes Statement bei seiner Präsentation.

Sandro Wagner, 28, Sturm

© YOUTUBE // ADSTYLES

Club: TSG 1899 Hoffenheim

Nationalität: Deutschland

Ablöse: 2,8 Millionen €

Letzte Saison: 34 Spiele für SV Darmstadt, 15 Tore

„Wir haben in Wagner einen starken und charismatischen Spieler verpflichtet, der uns durch seine enorme Präsenz auf und neben dem Platz gut tun wird.“
Alexander Rosen, Direktor Profifußball der TSG

Wagner gehört einer Spezies an, die beinahe zur Gänze ausgestorben ist. Nicht nur, dass er ein Mittelstürmer alter Schule ist, er nimmt sich auch kein Blatt vor den Mund und sagt immer, was er denkt. Dass es um seine Meinungen regelmäßig medialen Wirbel gibt, juckt ihn wenig. 

Die Bundesliga darf sich also glücklich schätzen, das Spektakel Wagner immer noch in den eigenen Reihen zu haben. Aus einem Wechsel nach England oder gar der spekulierten Rückkehr zu Bayern wurde nichts, China lehnte er aus sportlichen Gründen ab. Stattdessen will er im beschaulichen Kraichgau seinen Torlauf der Vorsaison fortsetzen. Und das unter dem nur vier Monate älteren Trainer Julian Nagelsmann, der in der Jugend noch sein Gegenspieler war - Wagner beim FCB, Nagelsmann bei Lokalrivale 1860.

Ersatzbank

Fallou Diagne, 26, Verteidigung

Die Baustelle Abwehr wurde von Werder Bremen in diesem Sommer intensiv bearbeitet und mit Diagne zumindest nominell weiter gefestigt. 1,5 Millionen Euro überwiesen die Norddeutschen für den Innenverteidiger an Stade Rennes. Die Bundesliga kennt der Senegalese bestens aus seinen zwei Jahren beim SC Freiburg (2012-2014).

Ondrej Duda, 21, Mittelfeld

Für 4,2 Millionen Euro eiste Hertha BSC das slowakische Talent von Legia Warschau los. Bei der EURO hinterließ der flinke, dribbelstarke Offensivmann einen guten Eindruck und erzielte gegen Wales sein zweites Länderspieltor.

Florian Kainz, 23, Mittelfeld

Werder wird seinem Status als Österreicher-Verein einmal mehr gerecht. Kainz übersiedelte für 3,5 Millionen Euro von Rekordmeister Rapid Wien an die Weser und soll dort vornehmlich den linken Flügel beleben. Seine Empfehlung: elf Tore und 21 Assists in der Vorsaison.

Josip Brekalo, 18, Angriff

Verbuchte nur acht Einsätze in der kroatischen Liga, gilt aber als das nächste Riesentalent aus der Schmiede von Dinamo Zagreb. Wolfsburg ist höchst überzeugt von den Fähigkeiten des Flügelstürmers und machte für ihn sechs Millionen Euro locker.

Sehrou Guirassy, 20, Angriff

Bei Lille konnte sich Frankreichs U20-Nationalspieler nicht durchsetzen, im vergangenen Frühjahr machte er als Leihspieler bei Zweitligist AJ Auxerre aber auf sich aufmerksam. Acht Tore gelangen ihm in 16 Spielen, was den 1. FC Köln veranlasste, 3,8 Millionen € für ihn auszugeben. „Geradlinig, starker Zug zum Tor, überzeugend im Abschluss“, meint Köln-Coach Peter Stöger über ihn.

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08/2016 THE RED BULLETIN

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