Streif Kitzbühel Hahnenkamm-Rennen

75 Streiflichter zum Jubiläum - Teil 2

Bild oben: Christophe Pallot/Agence Zoom

75 Hahnenkamm-Rennen, 75 Höllen. The Red Bulletin präsentiert 75 Fakten, Zitate und Anektoden zum härtesten Ski-Rennen der Welt - hier Teil zwei.

37. Der „Arlberg-Express“, Karl Schranz, siegt dreimal auf der Streif. Nachdem er acht Mal erfolglos angetreten ist, gewinnt er das erste Mal 1966 in der damals neuen Rekordzeit von 2:16,63. 1969 und 1972 folgen seine beiden weiteren Siege.

38. 1975 geht ein Stern strahlend auf: Auf der Streif feiert Franz Klammer seinen fünften Abfahrtssieg in Folge – Startschuss einer großen Karriere für den 21-jährigen Kärntner.

39. 1982 schraubt Harti Weihrather als Erster den Streckenrekord auf unter zwei Minuten – 1:57,20. Sein Rekord hält zehn Jahre lang.

40. 1975, 1976 und 1977 siegt Franz Klammer auf der Streif. Danach folgen sieben wahrlich magere Jahre – bis er 1984 mit einem sensationellen Comeback seinen vierten Hahnenkammsieg erringt. Die Begeisterung der Zuschauer kennt keine Grenzen: Die Zäune im Zielraum werden niedergetreten, Klammer wird mit Sprechchören gefeiert.

41. 2004 geht Stephan Eberharter als Trainingsschnellster ins Rennen, fährt eine Linie, die bis dato niemand gewagt hat, und zeigt nach einhelliger Meinung aller Experten die perfekte Fahrt auf der Streif. Es ist sein zweiter Sieg, nach 2002.

Legendäres Video-Material gibt’s hier: www.servustv.com/streif

Stephan Eberharter Streif Kitzbühel 2004

Die Experten sind sich einig: Stephan Eberharters Sieglauf 2004 war die perfekte Fahrt. „Ich ­hätte nicht gedacht, dass man die Streif so runterfahren kann“, wunderte sich Eberharter selbst.

© Getty Images

42. Nachdem er seinen Rücktritt vom Skisport bekannt gegeben hat, gewinnt Didier Cuche 2012 zum fünften Mal die Streif und krönt sich zum „König von Kitz“. Keiner hat öfter gewonnen. Bester Österreicher ist Franz Klammer (4 Siege), erfolgreichster Deutscher Sepp Ferstl (Sieg 1978 & 79).

43. Dem Sieger auf der Streif winkt mit 70.000 Euro (2014) das höchste Preisgeld im Weltcup. Preisgelder wurden erst 1992 eingeführt. Der Gewinner bekam damals 18.000 Schweizer Franken (entsprach rund 140.000 Schilling oder 20.000 DM).

44. Ein echter Hahnenkammsieger ist streng genommen aber nur, wer in der bis 2013 gewerteten Kombination aus Abfahrt und Slalom die Nase vorn hat. Der gebürtige Kitzbüheler Andreas Molterer, der Norweger Kjetil ­André Aamodt und der Kroate Ivica Kostelic schaffen das vier Mal.

45. Jeder Sieger auf der Streif ist in weißer Schrift auf einer roten Seilbahngondel am Hahnenkamm verewigt. Reihenfolge gibt es keine, weder alphabetisch noch chronologisch. Nur die Nummer eins ist fix vergeben: Sie gehört der Kitzbüheler Ski­legende Toni Sailer. 

46. Im Jahr 2005 animiert Hansi Hinterseer 6000 Menschen zu ­einer Wanderung auf die Streif. Die Belohnung für die Strapazen der Wanderer: Hansi singt auf dem Hahnenkamm. Er selbst reist übrigens mit der Gondel an.

47. Prominente Opfer. Die Streif ist ein bockiges Ross. Abgeworfen hat sie bereits praktisch jeden Rennläufer, der Rang und Namen hat. Die schwersten Stürze gab es mit Sicherheit in der jüngsten Vergangenheit, als Daniel Albrecht (2009/Zielschuss) und Hans Grugger (2011/Mausefalle) sogar um ihr Leben bangen mussten.

Monica Ivancan

Einst Trost für Profis, jetzt im Topf für Promis. Die 5000 Stanglwirt-Weißwürste.

© dpa/picturedesk.com

48. Entlang der Streif gibt es 150 Toilettenhäuschen, beheizt und ans Kitzbüheler Kanalsystem angeschlossen. 

49. Robert Redford spielt 1969 die Hauptrolle in „Downhill ­Racer“, der zum Teil auf der Streif gedreht wird. 

50. Die erste TV-Live-Übertragung des ­Hahnenkammrennens gibt es 1959.

51. Der Seidlalmsee wird 1994 für die künstliche Beschneiung ­angelegt. Heute leben darin Fische, die aber niemand fischen darf.

52. Die bisher höchste Geschwindigkeit wird im Jahr 2006 gemessen: Michael Walchhofer ­erreicht am Zielhang 153 km/h.

53. 1966 wird entlang der Streif Skigeschichte geschrieben: Auf der „Seidlalm“ entsteht die Idee des Weltcups.

54. 1999 verfolgen 100.000 Zuschauer an drei Tagen die Kitz­bühel-Rennen live an Ort und Stelle – ein bis dato ungebrochener Rekord. Durchschnittlich werden 15.000 Zuschauer beim Super-G, 25.000 Zuschauer beim Slalom und 45.000 beim Abfahrtslauf (in Summe: 85.000) erwartet. 

55. An den Renntagen sorgen 1450 Personen rund um den Hahnenkamm für einen reibungslosen Ablauf.

56. Durchschnittlich 45 TV-Stationen und 30 Radio-Stationen berichten über die Geschehnisse rund um den Hahnenkamm. 

57. Rund 9700 Meter Fangnetze und Rennzäune (1700 m A-Netze, 6500 m B-Netze und zirka 1500 m G-Zäune) werden aufgebaut und mit 5500 Stück PC/PVC-Stangen montiert. 

58. Rund zwölf Kilo­meter Zuschauerzäune werden an rund 8000 Befestigungsstangen entlang der Renn­strecken angebracht.

59. Jahr für Jahr er­reichen zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Starter nicht das Ziel.

60. Der Name Kitz­bühel hat übrigens gar nichts mit Paarhufern zu tun, sondern mit „Chizzo“, einer bajuwarischen Sippe, die sich hier um das Jahr 800 auf einer Anhöhe („Bühel“) ansiedelte.

Streif One hell of a ride

„Streif – One Hell of a Ride“

Die Höllenritt-Doku ist ab 25.12. im Kino zu sehen. Hier gibt’s alle Infos

61. Obwohl Kitzbühel gerne als Münchner Vorort (vor allem von Münchnern) gesehen wird, gibt es in Kitzbühel keine Weißwürste (Ausnahme: Die legendäre Weißwurst-Party beim Stanglwirt). Stattdessen gibt’s im Zielraum „Hahnenkamm-Würste“. Sehen aus wie Frankfurter, schmecken aber viel delikater.

62. Kitzbühel hat rund 8200 Einwohner. Zieht man die Zweitwohnsitzler ab, passen alle Kitzbüheler ins Münchner Olympia-Eisstadion.

63. In Kitzbühel gibt es 6000 Gästebetten und einen Campingplatz mit 50 Stellplätzen. 

64. Was 1991 als Aufheiterungsversuch für (nieder)geschlagene Skiprofis in kleiner ­Runde begann, mau­serte sich zur größten ­Après-Ski-Party des Hahnenkamm-Wochenendes. Mehr als 5000 Weißwürste werden alljährlich beim „Stanglwirt“ für rund 2000 Gäste aufgetischt, der Promifaktor ist bei Eintrittspreisen ab 125 Euro bereits inkludiert.

65. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Streif stieg von 88,4 km/h in den 1960er Jahren auf über 105 km/h im neuen Jahrtausend.

66. Steilste Stelle der Streif: die Mausefalle mit 86 Prozent Gefälle. 

67. Der Zielhang hat demgegenüber „nur“ 68 Prozent Gefälle.

68. Den knappsten Sieg gibt es 1975: Franz Klammer gewinnt drei Tausendstelsekunden ­(entspricht 10 Zentimetern) vor Gustav Thöni. Echt hart für den Südtiroler, finden auch die Rennrichter und begnügen sich fortan mit auf Hundertstelsekunden genauer Zeitmessung.

„Da hilft nur Gift.“
Der Zweitplatzierte Henri Duvillard (FRA) über die einzige Möglichkeit, Karl Schranz 1972 in Kitzbühel zu schlagen

69. Dreimalige Hahnenkammsieger werden mit der einmaligen Hahnen­kamm-Nadel in Gold mit Brillanten geehrt.

70. Seit 1937 führt das Hahnenkammrennen über die Streif. Der ­aktuelle Streckenrekord liegt bei 1:51,58 Minuten (Fritz Strobl, 1997). Theoretisch, ­gemäß Computer­modellen, seien sogar 1:30,00 möglich.

71. „Feuer und Eis“, 1986 präsentiert, ist ein Streif-Film mit wenig Handlung, aber viel Action über Ex-Skifahrer, Ex-Stuntman und Modeschöpfer Willy Bogner

72. Mit dem Snowboard braucht man übrigens rund zwei Minuten für die Streif, mit dem Zipflbob dauert es 9:30 Minuten und mit dem Mountainbike zehn Minuten. Geübte Läufer schaffen die Strecke im Sommer in 39 Minuten – bergauf.

73. Die Streif hat einen eigenen Marsch. Die „Hahnenkamm-Fanfare“ stammt vom Kitzbüheler Komponisten und Stadtkapellmeister ­Josef Gasteiger. Im „Take Five“, Kitzbühels VIP-Nachtclub schlecht­hin, wird er nie gespielt. 

74. Die erfolgreichste Hahnenkamm-Combo heißt Hahnenkamm-Trio. Ihr bekanntestes Lied, „Du, i möcht dir gern dank schön sagn“, landete in der Jahreswertung des ORF-Landesstudios ­Tirol 1986 auf Platz 1 aller gespielten Titel.

75. Zum 75. Hahnenkammrennen erscheint eine neue Doku, „Streif – One Hell of a Ride“, und gewährt grandiose Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt von Skifahrern wie Aksel Lund Svindal, Max Franz oder Hannes Reichelt, die sich, modernen ­Gladiatoren gleich, enormen Risiken für Leib und Seele aussetzen. Der Film (Regie: Gerald Salmina, Länge: 115 Minuten) erzählt die packende Geschichte der Streif – die Ära des Kitzbüheler Wunderteams der 1950er Jahre, das Phänomen Franz Klammer, die größten Duelle – und geht ihrem Mythos auf den Grund. Kinostart: 25. Dezember 2014; das Making-of, „Streif inside“, gibt’s am 15. 12. um 21.50 Uhr bei ServusTV.

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01 2015 The Red Bulletin

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