Brandon

Brandons Vermächtnis

Text: Ralf Hauser
Bild oben: Scott Markewitz/ Red Bull Content Pool

Mountainbike-Freeride-Ikone Brandon Semenuk schlägt ein neues Kapitel in der ­Geschichte des Bike-Films auf. Die ­Zutaten zu seinem Meisterwerk „Rad Company“: mitreissende ­Action, zu allem entschlossene Fahrer und die verrücktesten Trails der Welt – samt modernster Filmtechnik.

Sunshine Coast, B. C., Kanada

Der Kanadier Brandon Semenuk stammt aus Whistler in British Columbia, dem Epizentrum des Actionsports. Mit sechs saß er zum ersten Mal auf einem Cross-Country Mountainbike, entdeckte bald Downhill und Freestyle für sich. Seinem revolutionären Style verdankte er schon bald den Ruf eines Wunderkinds. Mit siebzehn gewann er 2008 im brutalen Gelände von Virgin, Utah, als Rookie den radikalsten Big-Mountain-Freeride-Event des Planeten, Red Bull Rampage. Seither holte er regelmäßig die prestigeträchtigsten Dirt-Jump-, Slopestyle- und Freeride-­Titel. Nach dem Erfolg seiner YouTube-Serie „Life Behind Bars“ nahm er sich ein Jahr Auszeit, um sich dem ambitioniertesten Freeride-MTB-Filmprojekt der letzten Jahre zu widmen: „­Brandon Semenuk’s Rad Company“.

Virgin, Utah

Für „Rad Company“ tun sich die talentiertesten Fahrer der Mountainbike-Gravity-Szene wie Cam Zink (USA), Cameron McCaul (USA) oder Stevie Smith (CAN) zusammen. Sie haben sich nicht nur durch Titel, sondern auch durch unglaub­liche Manöver einen Namen gemacht. (Zink hält unter anderem den Rekord für den größten Backflip: 26 Meter tiefer Drop!) Brandon Semenuk wählte für jede Location, an der gedreht wurde, die am besten geeigneten Athleten aus.

„Ideen reichen nicht, auf dem Hintern zu sitzen und darüber zu reden, wie schwierig etwas ist, bringt dich nicht weiter. Du musst es tun.“

Sechelt, B. C., Kanada

Brandon Semenuk ist ein Visionär in der Ge­staltung einzigartiger Drehorte. Normalerweise sieht man Slopestyle-Kurse – eine Kombination aus Dirt Jumps, Rampen und Drops – nur bei Wettbewerben. Lässt man den Protagonisten von „Rad Company“ allerdings selbst Hand ­anlegen, sieht das Endergebnis wie der so­genannte Junkyard aus. Dann sind alle Stunts in XXL-Größe gebaut, die Anlieger und Landungen perfekt präpariert und als Highlight alte Holzfällermaschinen ins Streckendesign inte­griert. Eine ganze Woche lang hatten die ­geladenen Fahrer die Möglichkeit, ihre Grenzen auszuloten, wobei der Shoot für die Rider zu ­einem der ­härtesten ihres Lebens werden sollte: Ohne Blessuren verließ keiner das Gelände.

„Ich konnte alles Umsetzen, was ich mir vorgestellt hatte.“

Fidschi

Hinter der Kamera arbeitete ein Produktions­team mit Hollywood-reifem Equipment. Um wirklich keinen Moment zu verpassen und jede Bewegung stets aus mehreren Blickwinkeln ­einzufangen, stand ein Arsenal an sündteuren Hightech-Kameras zur Verfügung. Je nach ­gewünschtem Effekt kamen auch Helikopter-Drohnen zum Einsatz, Steady-Cams oder Cable-Cams (Stahlseile, an denen sich ferngesteuerte Kameras oder Kameramänner mittels Rollensystem fortbewegen). Die Krönung war die ­Verwendung eines Cineflex-Stabilisierungs-­Systems aus Carbon, auf einem Hubschrauber ­installiert, um perfekte Nahaufnahmen aus dem Flug bei der High-Speed-Abfahrt im Inselstaat Fidschi im Südpazifik zu bekommen.

„Den Fans das progressivste Biken zu zeigen ist Herz und Seele von ‚Rad Company‘.“

Nelson, B. C., Kanada

Einige Episoden der zweiten Staffel von ­Brandon Semenuks erfolgreicher YouTube-Serie „Life Behind Bars“ sind dem Making-of von „Rad Company“ gewidmet. Man kann dort auch ­sehen, wie sehr jede Szene bei „Rad Company“ bis ins Detail durchdacht und geplant wurde. Lichtanlagen und Stromtransformatoren ­wurden oft zu Fuß durch unwegsames Gelände transportiert, Regenanlagen mitten im Wald aufgebaut, das Wetter wochenlang für den passenden Drehtag beobachtet. Monate wurde an den Stunt-Locations mit Baggern und Schaufeln gearbeitet, um perfekte Strecken zu bauen.

„Es steckt ein gewaltiger Aufwand hinter diesem Film. Ein irrsinnig intensives Jahr. Aber das Ergebnis ist es wert.“
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10 2014 The Red Bulletin

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