Christoph Leitgeb im Training von Red Bull Salzburg

Leitgeb: „Bis zur EURO ist es nicht mehr lang“

Interview: Vereinsmagazin Heimspiel
Fotos: GEPA Pictures

Sechs Monate – viel zu lange dauert Christoph Leitgebs Verletzungspause nun schon an. Wann kommt er endlich zurück? Schafft er es noch zur EURO? Und wollte er mal weg aus Salzburg?

Christoph Leitgeb über Oscar Garcia, seinen neuen Trainer: Ich habe schon einige Trainingseinheiten beobachten können. Es geht sehr intensiv zu bei ihm. Er pusht die Jungs an ihre Grenzen. Und er legt großen Wert darauf, dass das Team mehr Kontrolle übernimmt und den Ball auch mal etwas länger hält, dass man nicht immer sofort den Ball in die Spitze spielt. Alles in allem hab ich einen sehr positiven Eindruck von ihm gewonnen.

… über seinen Ruf als Pechvogel: Das Glück ist im Moment leider wirklich nicht auf meiner Seite. Ich war zwar im Weihnachtsurlaub schmerzfrei und wirklich positiv gestimmt, aber dann ist mein Knie im Trainingslager in Belek wieder  angeschwollen. Wir haben mit Infusionen dagegen angekämpft, aber mehr als Training auf dem Fahrrad war leider nicht drinnen. Jetzt heißt es wieder ein paar Wochen komplett Pause machen.

… über das Ende seiner Karriere: Wenn man als 30-jähriger Fußballer ein halbes Jahr verletzt ist, beginnt man natürlich, zunächst vielleicht nur „im Hinterkopf“, über ein baldiges Ende der Karriere nachzudenken. Ich weiß genau, dass es für mich keinen Sinn hätte, weiterzuspielen, wenn ich bloß noch Schmerzen habe. Aber ich hab die Hoffnung, dass alles bald gut abheilt. Der Wille ist auf jeden Fall da. Jetzt muss nur mehr der Körper mitspielen. Und die Medizin. Zwei, drei Jahre lang würde ich gern noch als Profi kicken können.

„In meiner Zeit beim Nationalteam haben wir noch nie eine so gute Mannschaft gehabt wie die jetzige.“

… über seine Chancen, in den Kader für die EURO zu kommen: Der Teamchef ist die ganze Zeit über mit mir in Kontakt geblieben. Er hat mich zuletzt im Urlaub wieder angerufen und sich nach meiner Situation erkundigt. Natürlich wäre es ein Traum für mich, bei der EURO im Kader zu stehen. Aber jetzt muss ich mal schauen, dass ich wieder voll fit werde. Und zwar so schnell wie möglich, denn bis zur Europameisterschaft ist ja gar nicht mehr so lange Zeit. Ich werde meine Karriere im Nationalteam im Sommer sowieso beenden, egal was passiert. Die Europameisterschaft wäre natürlich der perfekte Abschluss.

„In meinen neun Jahren in Salzburg waren wir fast durchgängig erfolgreich.“
Christoph Leitgeb, Mittelfeldmotor

… über die Chancen des Nationalteams in Frankreich: Ich glaube fest daran, dass wir die Vorrunde überstehen werden. Das erste Spiel gegen Ungarn wird ein ganz wichtiges werden, aber ich weiß, dass wir das gewinnen können. In meinen zehn Jahren beim Nationalteam haben wir noch nie eine so gute Mannschaft gehabt wie jetzt.

… über ein Leben nach dem Profidasein: Ich glaube nicht, dass ich einen guten Trainer abgeben würde, weil ich einfach keiner bin, der gern große Reden schwingt. Aber Kindern das Fußballspielen beizubringen und ihnen auf dem Weg zum Profidasein zu helfen, das kann ich mir gut vorstellen. Die  Freude an dem Sport und dem Beruf weiterzugeben wäre eine großartige Aufgabe. Scouting wäre auch etwas, was mich sehr interessieren würde. Aber das ist alles noch nicht konkret und derzeit für mich zweitrangig.

Christoph Leitgeb im Trikot von Red Bull Salzburg

Roter Ehrenbulle: Mit Salzburg wurde Leitgeb fünfmal Meister und dreimal Cupsieger.

… über seine fast neun Jahre in Salzburg: Es gab kein Jahr in Salzburg, das nur ansatzweise langweilig war. Und das Wichtigste: Wir waren fast durchgängig erfolgreich. Auch wenn gerade die ersten Jahre recht turbulent waren – es gab jedes Jahr einen neuen Trainer, viele Spieler sind gekommen und gegangen. Mit Ralf Rangnick ist dann vieles anders geworden, es ist ruhiger geworden. Ich muss heute zugeben, dass ich ursprünglich nicht geplant hatte, so lange hierzubleiben. Im Sommer 2009 war ich ja wirklich knapp davor, zu Borussia Mönchengladbach zu wechseln. Aber unser damaliger Trainer Huub Stevens hat mich zur Seite genommen und gesagt, dass es seiner Meinung nach besser wäre, wenn ich noch bliebe. Er meinte, in Deutschland wehe ein anderer Wind, vor allem was die Medien betrifft. Ich hab seinen Rat befolgt und es auch nie bereut, hiergeblieben zu sein.

… über sein Highlight bei den Roten Bullen: Die Art von Fußball, die wir unter Roger Schmidt gespielt haben, war sicherlich etwas ganz Besonderes. Leider ist unser großer Traum – der Einzug in die Champions League – auch unter ihm nicht in Erfüllung gegangen. Auch Huub Stevens war als Trainer eine wertvolle Erfahrung für mich. Da ging es auf persönlicher Ebene hart zur Sache. Wir waren aber auch unter ihm sehr erfolgreich.

Christoph Leitgeb beim Physiotherapeuten

… über eine Rückkehr nach Graz: Salzburg ist mir definitiv zur zweiten Heimat geworden. Meine Familie ist hier, meine Tochter wächst hier auf, und wir fühlen uns wohl. Ich habe Freunde und liebe die Stadt, aber am Ende hat man nur eine echte Heimat, und meine ist nun mal Graz. Und dass ich einmal dorthin zurückziehen werde, ist eigentlich schon beschlossene Sache.

… über sein großes Hobby, das Fischen: Das mache ich mittlerweile leider nur noch einmal im Jahr, dafür aber dann zwei bis drei Tage am Stück und sehr bewusst. Letztes Jahr im Urlaub in Miami wollten wir sogar Hochseefischen gehen, aber leider hat das nicht geklappt. Einmal waren die hohen Wellen schuld, beim zweiten Mal waren es die hohen Preise von 1500 Dollar pro Person, die ich weder nachvollziehen konnte noch zahlen wollte. Da ziehe ich die heimischen Gewässer jederzeit vor.

Hard Facts

Christoph Leitgeb wurde am 14. April 1985 in Graz geboren. 

Dort, beim SK Sturm, begann der Sohn einer Österreicherin und eines Kroaten auch seine Karriere. Im Alter von 21 Jahren erzielte er sein erstes Bundesligator – ausgerechnet gegen den FC Red Bull Salzburg.

Im Sommer 2007 wechselte er schließlich an die Salzach. Und wurde hier zum Rekordmann: 287 Pflichtspiele, 51 (!) Assists, 19 Tore.

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03 2015 Vereinsmagazin Heimspiel

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