Alain Prost vs. Ayrton Senna im McLaren

Die brisantesten Stallduelle der Formel-1-Geschichte

Text: Martin Datzinger
Bild: Getty Images

Von Gilles Villeneuve gegen Didier Pironi bis zu Alain Prost gegen Ayrton Senna. Diese Fehden bleiben ewig unvergessen und zeigen, dass der Feind oft im eigenen Bett - oder eben innerhalb desselben Formel-1-Teams - zu finden ist.

Cap-Gate? Multi-21? Funkspruch-Teamorder gegen Barrichello? Nett, aber in einer Zeit, als die Formel-1-Piloten noch brandgefährliche Benzinfässer, unbegreiflich abtriebsstarke Wing-Cars, turbogeladene PS-Monster oder - mitunter schlimmer - ihre eigenen Emotionen bändigen mussten, ging es nicht „nur” um Siege oder Weltmeisterschaften im Motorsport. Da wurde teaminterner Vertrauensverlust schnell gesundheitsbedrohlich.

Die brisantesten Stallduelle der Motorrad-WM-Geschichte

Andrea Iannone gegen Andrea Dovizioso ist nur aktuell das härteste Stallduell in der MotoGP. Wir werfen einen Blick auf vergangene Rivalitäten der Motorrad-WM.

McLaren: Hunt / Mass

James Hunt war 1977 frischgebackener Weltmeister und schon längst für sein Temperament berüchtigt. Teamkollege Jochen Mass ließ sich davon nicht beeindrucken und schickte den Briten in Kanada in die Wand. Neben seinem Wrack stehend schwang Hunt mehrfach die Faust Richtung Mass. Ein Streckenposten bekam sie dann zu spüren, als er den unter Starkstrom stehenden Piloten wegführen wollte. Hunt tat die Kurzschlussaktion gleich von Herzen leid, der Streckenposten kam, etwas durchgeschüttelt, mit einer Story fürs Leben davon.

© Mark Strong // YouTube

Williams: Jones / Reutemann

Alan Jones wollte 1981 seinem gerade gewonnenen Weltmeistertitel einen zweiten folgen lassen. Und er wusste, dass Frank Williams die Überlegenheit seines Materials nicht aufs Spiel setzen wollte. Bei einer deutlichen Doppelführung waren gegenseitige Überholmanöver verboten. Im verregneten Brasilien trat genau dieses Szenario ein. Was tat Carlos Reutemann? Er pfiff auf die vertragliche Abmachung, überrumpelte seinen Kontrahenten und holte den Sieg. Der Australier verlor neben dem Vertrauen in seinen Teamkollegen auch noch einige Rennen durch technische Gebrechen, Reutemann die WM knapp an Nelson Piquet.

Ferrari: Villeneuve / Pironi

Mit Gilles Villeneuve und Didier Pironi hatte Ferrari 1982 die heißblütigste Fahrerpaarung am Start. Rangordnung gab es keine. Trotz ausgedünnten Startfeldes bekamen die Tifosi in Imola eine Show geliefert: Zwischen den roten Rennern war ein langanhaltender, haarsträubender Kampf um die Führung entbrannt. Ferrari mahnte sogar per Boxentafel zur Vorsicht. Ob es jetzt die Missachtung diese Anzeige, einer Stallorder oder einer privaten Abmachung war - Villeneuve verlor in der letzten Kurve, fühlte sich betrogen und sprach nie wieder mit Pironi. Im Qualifying von Belgien trieb ihn die Wut zu einem tragisch missglückten Überholmanöver gegen seinen Kontrahenten.

© Sebastian Müller // YouTube

Renault: Prost / Arnoux

Dass Renault Alain Prost als Titelanwärter platzierte, ließ sich der altgediente René Arnoux nie gefallen. Egal, ob sich der kleine Landsmann auf Anhieb schneller oder konstanter erwies. Beim Rennen von Frankreich 1982, nur wenige Rennen nach dem tragischen Eklat innerhalb der Scuderia, gab es im Lager der Turbopioniere ein Déjà-vu. Arnoux ließ Prost entgegen aufrechter Order nicht überholen. Die gelb-weißen Titelchancen waren in diesem Moment dahin, die französische Öffentlichkeit erklärte überraschend Prost zum Buhmann. Der eine wechselte zu Saisonende das Team, der andere vorsichtshalber den Wohnsitz.

Williams: Mansell / Piquet

Ab der zweiten Saisonhälfte von 1985 galt in der Formel 1: Champion wirst Du nur mit Honda-Power. Der brasilianische Doppelweltmeister Nelson Piquet heuerte 1986 folglich bei deren Exklusivkunden Williams an und beanspruchte sofort Nummer-1-Status. Nigel Mansell war an derlei Politik uninteressiert, spielte dafür seine Stärken im Zweikampf aus. Wenn der Brasilianer persönliche Beleidigungen austeilte, hielt der Brite mit Rennsiegen dagegen. Doch Mansells Traum zerplatzte im letzten Rennen - gemeinsam mit seinem linken Hinterreifen. Die WM ging an Alain Prost. Und auch 1987 musste er sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben: Piquet war zwar seit seinem Unfall in Imola weniger siegfähig, erwies sich aber als konstanter und freilich versierter, die Aufmerksamkeit des Teams auf sich zu lenken. Mansell baute im Qualifying von Japan einen schweren Unfall und konnte Piquet im Kampf um die WM letzten Endes nichts mehr entgegensetzen.

© F1Fan0001 // YouTube

McLaren: Senna / Prost

Für die Saison 1988 empfahl Alain Prost seinem Team McLaren, Honda über Ayrton Senna ins Boot zu holen. Womit der Professor nicht rechnete: Wie sehr der Überfahrer davon besessen war, ihn vernichtend zu schlagen. Anderthalb Sekunden nahm er dem Doppel-Weltmeister im Qualifying von Monaco ab, baute die Rennführung vor seinem Crash auf 50 Sekunden aus. Prost, rennstrategisch klüger und am Saisonende punktemäßig führend, verlor die WM bloß wegen ungünstiger Streichresultate. Außerdem wurmte ihn der Verdacht, Senna würde von Honda bevorzugt.

In Imola erfolgte der endgültige Bruch - Senna ignorierte einen Nichtangriffspakt für die erste Kurve und gewann. Nach zahlreichen weiteren Siegen, aber auch Ausfällen, stand in Japan fest: Ein weiterer Nuller Sennas und Prost wäre Weltmeister. Der Brasilianer ging in der Schikane vor Start/Ziel auf der Bremse volles Risiko. Der Franzose knallte die Tür zu, die Kollision war unausweichlich. Prost stieg aus, Senna ließ sich vorwärts durch die Auslaufzone anschieben, holte sich mit neuem Frontflügel und beherzter Fahrt den Sieg. Doch Prost befand sich da schon im Gespräch mit der Rennleitung, allen voran FIA Präsident Jean-Marie Balestre. Resultat: Disqualifikation Sennas wegen Abkürzen der Schikane. Prost verließ mit einem neuen Titel in der Tasche zum Saisonende das Team Richtung Ferrari. Die Fehde zwischen den beiden war damit aber noch lange nicht beendet.

© Formula 1 // YouTube

Klicken zum Weiterlesen
04 2016 The Red Bulletin

Nächste Story