So denken die AthletInnen der Freeride World Tour

So denken die AthletInnen der Freeride World Tour

Foto: David Carlier/freerideworldtour
Text: Alex Lisetz

Nadine Wallner, Jérémie Heitz, Léo Slemett und Felix Wiemers sprechen über den härtesten Wintersportcontest der Welt.
DIE AUSGEGLICHENE
Nadine Wallner: „Kopieren nützt nichts, wenn dir der Style nicht liegt.“
NADINE WALLNER
NADINE WALLNER, 27 (AUT)

Freeride World Tour Champion 2013, 2014 (Ski)

THE RED BULLETIN: In den meisten Sportarten gibt es eine einfache Formel für den Sieg. Wer die Ideallinie erwischt, ist schneller im Ziel. Wer die komplizierteste Trick-Kombination zeigt, bekommt mehr Jurypunkte. Mit welcher Formel gewinnt man die Freeride World Tour? 

NADINE WALLNER: Das Schöne an der Tour ist: Es gibt keine Formel. Jeder macht sein eigenes Ding und lotet aus, was möglich ist – mit seinen Talenten und Möglichkeiten.

Mach dein Ding, egal was die anderen machen?

Im Gegenteil. Wir Freerider tauschen Ideen aus und lassen uns von den Rides der anderen inspirieren. Aber es nützt mir nichts, andere zu kopieren, deren Style mir gar nicht liegt. 

Sollten wir auch bei unseren ­Alltagszielen mehr freestylen? 

Am besten ist es, man jagt seinen Träumen hinterher und verliert trotzdem nicht den Bezug zur Realität. Die Mischung macht’s.

...it´s ON.. ;).. the third #FWT stop will be ...

it´s ON.. ;).. the third #FWT stop will be staged TOMORROW in FIEBERBRUNN .. stay tuned and watch the webcast.. a #mammut is always ready to #dropin .. ;) .. www.freerideworldtour.com http://win.gs/2mAW10I Foto: Mirja Geh Photography

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Der Abenteuerlustige
Jérémie Heitz: „Meine Stärken geben mir im Wettkampf Selbstvertrauen.“
JÉRÉMIE HEITZ
JÉRÉMIE HEITZ, 27

Zweiter FWT 2015, Dritter 2014 (Ski)

THE RED BULLETIN: Herr Heitz, sollten wir mehr auf uns selber hören und weniger auf die anderen?

JÉRÉMIE HEITZ: So hab’s zumindest ich gemacht. Ich habe 15 Abfahrten auf eine To-do-Liste gesetzt, die als super­schwer oder unfahrbar galten, und keiner hat an mich geglaubt. Bis mein FilmLa Liste“ im Kasten war. 

Wie helfen Ihnen Ihre Stärken als Steepski-Spezialist bei der Freeride World Tour?

Vor allem mental. Sie geben mir Selbst­vertrauen.

Selbstvertrauen macht erfolgreich?

Ja, aber nur, wenn es eine reale Basis hat. Bei der World Tour sind alle fantastische Skifahrer. Aber im ganz steilen Gelände bin ich der bessere Skifahrer. 

Das Geheimnis von Erfolg ist also ein solides Fundament von Kompetenz, addiert mit einem Supertalent?

Kommt hin. Fügen Sie noch den Drang dazu, permanent besser werden zu wollen, dann sind Sie vorn dabei.

Der Wett­kämpfer
Léo Slemett: „Tu das, was du liebst, nicht, was andere von dir sehen wollen.“
LÉO SLEMETT, 23 (FRA)

Fünfter FWT 2016 (Ski)

THE RED BULLETIN: Ein Freerider drückt auf Skiern seine Persönlichkeit aus. Aber geht das überhaupt, wenn jeder Move von einer Jury beobachtet wird?

LÉO SLEMETT: Manche zeigen sich lieber nur in Videos. Aber für mich ist der Wettkampf ein zusätzliches Ausdrucksmittel, eine weitere Herausforderung: Schaffe ich es, ganz bei mir selbst zu bleiben, auch wenn ich weiß, dass die Jury über mich ein Urteil fällen wird?

Wie bleibt man bei sich selbst, wenn es um Sieg oder Niederlage geht?

Indem man tut, was man liebt und was man für richtig hält – und nicht das, von dem man glaubt, dass es andere sehen wollen. 

Was ist falsch daran, sich den Erwartungen anderer anzupassen? 

Man entwickelt sich nur weiter, wenn man neue Wege geht. Das ist es, was ich an meinem Sport so liebe: Die Top 5 fahren völlig unterschiedlich Ski – und doch ist jeder auf seine Art genial.

Der ­Analytische
Felix Wiemers: „Jeder Meter der ­Strecke ist in meinem Kopf vorprogrammiert.“
FELIX WIEMERS
FELIX WIEMERS, 28 (GER)

Siebter FWT 2016 (Ski)

THE RED BULLETIN: Was ist hilf­reicher, wenn man sich auf Skiern eine fast senkrechte Rinne hinunterstürzen möchte: möglichst dumm oder möglichst klug zu sein?

FELIX WIEMERS: Für die Vorbereitung brauchst du Hirn: Wir analysieren den Berg vom Visavis-Hang aus, prägen uns jedes Detail genau ein und planen eine radikale, aber machbare Line. Beim Abfahren selber solltest du dein Hirn ausschalten und deine Idee ganz intuitiv umsetzen.

Mit Line und Fahrstil drückt jeder Freerider seine Individualität aus. Was erfährt man über Sie, wenn man Ihnen beim Skifahren zusieht?

Wer oberflächlich hinsieht, hält mich wohl für einen verspielten Typen, weil ich vom Funpark komme und gerne Backflips einbaue … 

Und was ist Ihre wahre, ganz persönliche Stärke? 

Dass mir kein Move zufällig passiert. Ich bin ein sehr überlegter, fokussierter Typ und habe jeden Meter der Strecke in meinem Kopf vorprogrammiert – wie ein alpiner Rennläufer, der jedes Tor auswendig kann.

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