Inside Jonatan Soriano

Interview: Christian Eberle
Bild: Mathias Mandl/GEPA pictures

Er ist der Kapitän von Red Bull Salzburg, eine Tormaschine und der wahrscheinlich beste Fußballer der Bundesliga in den letzten Jahren. So weit, so bekannt. Aber Jonatan Soriano lügt auch manchmal, er scherzt über Valentino Lazaro und er träumt vom Fliegen. Ein etwas anderes Interview:

Schauplatz Schladming. Teamhotel des FC Red Bull Salzburg während des einwöchigen Trainingslagers. Jonatan Soriano sitzt ruhig in der Lobby, frisch geduscht, entspannt während der zwei Übungs-Einheiten am Tag.

Die großen Herausforderungen der Saison, wie die abermalige Double-Verteidigung oder der Kampf um den Einzug in die Champions League stehen erst später an. Es bleibt also Zeit, mit dem „Bullen“-Kapitän über ganz anderes zu sprechen. Zum Beispiel über die Mode der Jugend oder über sein eigenes Museum…

THE RED BULLETIN: Was war das Seltsamste, das ein Fan jemals gemacht hat?

JONATAN SORIANO: Einer gab mir einen Schnuller. Er kam mit seinem Sohn und sagte, wenn ich den Schnuller im Tausch für ein Foto annehme, würde der Kleine für immer auf ihn verzichten. Das hat mir so gefallen, weil ich mit meinen Töchtern etwas ähnliches gemacht habe. In Spanien bringen die Heiligen Drei Könige Geschenke und werfen mit Süßigkeiten. Also habe ich zu ihnen gesagt, wenn sie ihren Schnuller zu den Königen werfen, bekommen sie im Gegenzug ein Geschenk. Ich konnte den Vater also gut verstehen. Und den Schnuller habe ich heute noch zu Hause.

Bist du ein Mensch, der Erinnerungsstücke aufhebt?

Ich versuche, viel zu behalten – Leibchen, Trophäen, Schuhe, die Bälle, mit denen mir ein Hattrick gelungen ist. Vielleicht hat es jetzt nicht viel wert, aber in 20 Jahren werde ich es anschauen und mich an die Schuhe, mit denen ich in Salzburg oder Barcelona gespielt habe, erinnern. Ich habe ein Zimmer, das wie ein kleines Museum anmutet.

Das führt uns schon zur nächsten Frage: Bist du abergläubisch? Hast du gewisse Rituale?

Nein, überhaupt nichts. Ich lasse das völlig weg, weil du am Ende mehr an deine Rituale als an andere Sachen denkst. Halt, ich muss zuerst diesen Schuh anziehen – Nein, da versuche ich es einfach zu halten. Ich beharre auch nicht auf die Schuhe, mit denen ich drei Tore geschossen habe, wenn ich vom Hersteller dazu angehalten bin, ein neues Modell zu nehmen.

Gibt es Situationen, in denen du nervös bist.

Bei Elfmetern bin ich immer noch nervös. Es ist keine Nervosität, die man nicht aushalten kann, aber eine gewisse Anspannung, weil es doch eine andere Situation ist. Bei einem schnellen Spielzug hast du keine Zeit, zu überlegen, du musst schnell handeln. Bei einem Elfmeter geht es nur um dich und den Torwart und du hast viel Zeit. Du schnappst den Ball, der Torhüter blickt dich an oder hüpft herum, du gehst im Kopf die Möglichkeiten durch, ob du jetzt nach links oder rechts schießt. Was passiert, wenn ich verschieße? Ja, manchmal können Elfmeter ungemütlich sein.

Hast du vor irgendetwas Angst?

Sicher nicht vor schwarzen Katzen oder davor, dass Salz verschüttet wird. An diese Sachen glaube ich, wie gesagt, nicht. Aber logischerweise sorge ich mich um meine Familie, Freunde und Menschen, die mir nahe sind. Wenn meine Frau zum Beispiel ins Flugzeug steigt, bitte ich sie, mir eine Nachricht zu schreiben, wenn das Flugzeug sich schon bewegt. Ansonsten hat sie auf der Startbahn noch Verspätung, ich weiß von nichts, beginne zu rechnen und mache mir dann Sorgen, wenn sie noch nicht angerufen hat. Sobald sie dann gelandet ist, muss sie sich wieder melden, selbst wenn es da eigentlich noch verboten ist.

„Bei Elfmetern bin ich immer noch nervös.“
Jonatan Soriano

Wer ist dein liebster Superheld?

Puh. Ich halte nicht viel von diesen Comics oder Filmen und war nie einer von den Hulk-Fans oder ähnlichem.

Und wenn du ein Superheld wärst, was würdest du gerne können?

Fliegen. Ich will fliegen. Das wäre der Wahnsinn.

Wohin fliegst du dann?

Nirgendwohin. (lacht) Ich würde es einfach lieben zu fliegen. Wenn ich ein Superheld sein müsste, dann wäre ich Superman, weil er fliegen kann. Du willst nach Salzburg, schnappst deine Sachen und fliegst einfach - herrlich!

Jonatan Soriano gegen Grödig

Dem Traum vom Fliegen kommt Jonatan Soriano beim Kopfball noch am nächsten.

© GEPA pictures/ Felix Roittner

 Aber du würdest den Menschen als Superheld schon auch helfen?

Natürlich. Solange es im Bereich meiner Möglichkeiten liegt, jederzeit.

Wenn dir keine Superhelden-Filme gefallen, welche Filme bevorzugst du dann?

Jede Art von Komödien. Mir gefallen spanische Filme, weil ich die Schauspieler schon aus dem Fernsehen kenne. Aber um ein Beispiel eines Hollywood-Films zu nennen: American Pie. Ich mag diese Art von Humor, diese Blödelei. Aber mir gefallen auch Actionfilme. „The Expendables“ finde ich super, oder auch „The Fast and the Furious“. Ich weiß, viele sagen, die Szenen sind unrealistisch und Autos können nicht so springen. Aber für mich ist es realistischer als etwa „Fantastic 4“ oder diese Superhelden-Filme.

Schaust du dir viele Filme an?

Ich schaue meistens, wenn ich im Mannschaftsbus unterwegs bin. An jedem Spieltag schaffe ich so zwei Filme. Mit der Familie zuhause sehe ich mir andere Filme an, romantische Komödien und so etwas in der Art. Manchmal finde ich in der Online-Videothek gar keinen Film, weil ich schon so viele gesehen habe. Nur keine Horrorfilme. Damit fange ich überhaupt nichts an. Ein einziges Mal habe ich mir einen Horrorfilm im Kino angeschaut und da bin ich vorzeitig aus dem Kino.

Was machst du unmittelbar nach dem nach Hause kommen?

Wenn meine Familie daheim und noch wach ist, schnappe ich mir ein Getränk aus dem Kühlschrank, setze mich aufs Sofa und erzähle ihr ein wenig vom Spiel. Ich fasse aber nur kurz die wichtigsten Spielszenen und Tore zusammen und versuche ansonsten, den Fußball in den eigenen vier Wänden zu vergessen.

Und was bringt dir nach Niederlagen die größte Freude?

Am meisten Freude habe ich eigentlich mit dem Heimkommen. Dort ist schnell alles vergessen, weil meine Töchter gar nicht verstehen, warum ich jetzt nach einem verlorenen Spiel traurig bin. Wenn ich die Tür aufmache, ist es, wie in einen Vergnügungspark einzutreten. Meine Töchter wollen nur spielen oder bei mir am Sofa sitzen und das hilft mir, alles zu vergessen.

Jonatan Soriano mit seinen Töchtern

Family First: Jonatan Soriano mit seinen Töchtern Daniela, Adriana und Abril.

© GEPA pictures/ Felix Roittner

Was hat dich das letzte Mal zum Weinen gebracht?

Meine Tochter, weil sie irgendetwas wegen des Urlaubs gesagt hat. Dass sie traurig ist, ihn nicht mit mir gemeinsam verbringen zu können und mich vermissen wird.

Und wann hast du das letzte Mal gelogen?

Auch da müssen wieder meine Töchter herhalten: Als eine mich gefragt hat, ob es mir gut geht und ich mit ja geantwortet habe, obwohl es nicht so war. Sie war gerade auf Urlaub, am Strand und überglücklich. Und um sie nicht zu beunruhigen, habe ich eben „eh gut“ gesagt.

Welche 3 Dinge würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?

Das I-Pad…ein I-Pad-Ladegerät (lacht), weil wenn ich dann keinen Akku mehr habe, stehe ich blöd da…und – warte, wir reden eh von Objekten und keinen Personen, oder? Weil wenn ich nur drei Personen mitnehmen kann, muss jemand da bleiben, entweder eines der Mädchen oder meine Frau (lacht) – Also sage ich I-Pad, Ladegerät und Handy.

Mit wem würdest du gerne essen gehen?

Pep Guardiola. Ich habe schon einige Male mit ihm gesprochen und bei jedem Mal, bei jedem Wort, das er sagt, lernst du dazu. Jedes Gespräch mit ihm ist eine Lehrstunde, er ist ein Weiser. Ich habe das Privileg, mit ihm befreundet zu sein und bin doch stets aufs Neue überrascht. Auch ihm selbst sage ich immer wieder, wie sehr er mich beeindruckt. Für mich ist er ein absolutes Vorbild.

Bei jedem Wort, das er sagt, lernst du dazu. Jedes Gespräch mit ihm ist eine Lehrstunde, er ist ein Weiser.
Jonatan Soriano über Pep Guardiola

 Was war dein schlechtester Einkauf?

Kleidung, die mir irgendwann einmal gefallen hat und jetzt noch immer mit dem Etikett im Schrank hängt. Meistens Hosen, das passiert mir oft.

Und von welchem Kleidungsstück willst du dich nicht trennen?

Sicher auch von einer meiner Hosen. Vielleicht meine roten Jeans, die im Winter ein bisschen Farbe bringen. Ich mag Mode, aber es gefällt mir nicht, irgendwelchen Trends zu folgen. Getreu dem Motto: Das ist jetzt in und weg mit dem Rest. Zum Beispiel diese abgetragenen Jeans mit Flicken, wo die Leute sofort wissen, dass sie von vor zwei Jahren sind. Ich mache das nicht mit. Wenn mir die Hose gefällt, trage ich sie, bis es nicht mehr geht.

Jonatan Soriano am Flughafen

Elegant auf dem Fußballfeld, elegant im Anzug: der Kapitän zeigt es vor.

© GEPA pictures/ Felix Roittner

Wer hat in Salzburg am meisten Stil? Valentino Lazaro?

Das muss man relativ sehen. Eine Sache ist es, Stil zu haben, eine andere, mit der Mode zu gehen. Tino stehen zum Beispiel seine speziellen Hosen, die Nietenschuhe und die Kappe. Wenn ich das trage, schauen mich alle komisch an. Aber klar, er ist 19, ich 30. Unsere Stile sind total verschieden. Valon (Berisha, Anm.) ist derselbe. Natürlich ziehen wir sie deswegen auch auf. Die Jungen folgen einem anderen Rhythmus, ich eher den traditionellen Normen.

3 Lieder, die du uns empfehlen kannst:

  1. 1) Juan Mangan – „He llorado“
  2. 2) Enrique Iglesias – „El Perdón“
  3. 3) DJ Flex – „Te quiero“

„Das sind alles Bachatas, Lieder mit viel Rhythmus, Party-Musik. In erster Linie ist es Musik, die mich aufbaut und positiv stimmt. An trüben Tagen, an denen du nicht weißt, was du tun sollt, verbessern diese Lieder deine Stimmung sofort.“

Deine Trainer waren ja auch stets modebewusst.

Roger Schmidts Stil hat mir sehr gefallen. Für sein Alter war er sehr gut angezogen. 

Und Pep Guardiola?

Roger kam oft in einem jugendlichen Outfit. Guardiola ist absolut perfekt. (lacht über sich selbst) Ich kann einfach nichts Schlechtes über ihn sagen. Und dass mir in meiner Gegenwart auch niemand schlecht über ihn spricht! Er weiß einfach immer, was er tragen muss. Ob das nun ein Anzug ist oder einfache Jeans. Als er einmal nach Salzburg gekommen ist, trug er Sportschuhe, Jeans und ein Polo, aber es hat perfekt gepasst. Auch weil er es sich bei seinem Körper leisten kann. Wenn du ein kleines Bäuchlein hast, sieht das schon wieder anders aus.

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07 2015 Redbulletin.com

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