Michael Strasser und Inge

Michael Strassers Blog -
Quer durch Afrika und du bist mit dabei

Fotos: Cairo2Cape/Wisser

Triathlet Michael Strasser hat sich ein Ziel gesetzt: 11.500 Kilometer mit dem Rad von der Nordküste Afrikas bis zum Kap der Guten Hoffnung - „Cairo2Cape“ eben. Wie es ihm auf der Tour, die er in weniger als 40 Tagen bewältigen will, ergeht, verrät er in seinem exklusiven Blog.
Michael Strasser
Michael Strasser, 32, Triathlet und Abenteurer

Tag 14 – „Money, money, money“ 

Wow, die ersten zwei Wochen meiner Extremtour sind vorbei. Viele Höhen und Tiefen waren bis jetzt dabei, aber ich hab meine Kraft wieder gefunden und war gestern echt schnell unterwegs. Insgesamt schafften wir 317 Kilometer.

Doch die Außeneinflüsse belasten meine Crew und mich. Ich habe schon einmal kurz erzählt, dass ich mit Steinen beworfen werde bzw. mit Stöcken von Einheimischen erwischt werde. Das wurde bis jetzt nicht besser. Ich weiß nicht warum sie das tun, denn wir sind immer freundlich und lächeln. Eine Gruppe von Kindern versuchte mich mit Steinen abzuschießen und traf mich mit einem am Kopf. Die Reaktion ihrer Mutter: sie bewarf die Kids mit Steinen! Spannende Erziehungsmethode. 

Für uns ist Äthiopien echt eine Qual, denn bei jedem Stehenbleiben mit unserem Auto respektive mit dem Rad laufen uns zig Kindern entgegen und schreien nach „Money, money, money“, weil sie meinen, wir seien eine Hilfsorganisation und brächten ihnen Geld und Lebensmittel.  

Michael Strasser im Bus

Um 6 Uhr stehe ich täglich auf, dann warten 15 Stunden am Rad auf mich.

Die Lage ist nur schwer zu beruhigen. Wir müssen ihnen dann leider erklären, dass wir nichts für sie haben und schildern ihnen unser Ziel, einen Weltrekord aufzustellen. Die Aggressionen aus den Gesichtern schwinden und ein Lächeln kommt über ihre Lippen. Aber wenn dir 16- bis 20-jährige Burschen beim Radeln mit der Faust ins Gesicht schlagen wollen, weißt du auch nicht mehr weiter. Meist ist es ein Missverständnis, da sie aufgrund unseres Autos mit Anhänger glauben, wir bringen jetzt ganz viele Lebensmittel und Wasser.

Apropos Lebensmittel: Gestern waren wir in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Dort machten wir Hamsterkäufe, damit wir die nächsten Tage wieder genug haben, denn wir kommen bald nach Kenia, wo es laut unseren Informationen heißt, keine Zeit zu verlieren, so wenig wie möglich stehen bleiben und weiterfahren. Ein unsicheres Land wartet auf uns.

Unsicher ist es derzeit auch in Äthiopien, deshalb schlafen Inge und Chris im Hotel, oft nicht einmal mit fließendem Wasser, und ich im Auto. Bei jedem Stehenbleiben haben wir eine kleine Belagerung. 

Wenn dir 16- bis 20-jährige Burschen beim Radeln mit der Faust ins Gesicht schlagen wollen, weißt du auch nicht mehr weiter.
Über die Aggressionen der Einheimischen
Michael Strasser in Äthiopien

Das Wetter und die Landschaft geben viel Kraft. Hier ein Bild von der Nilschlucht.

Am Freitag hatte ich übrigens eine Maximaltemperatur von 47 Grad Celsius auf meinem Garmin-Navi. Die Nilschlucht haben wir gut hinter uns gebracht, die tausenden Höhenmeter habe ich gut weggesteckt.

Doch es gibt echt was Positives wieder zu berichten: Wir haben die 4.000 Kilometer-Grenze passiert, mehr als ein Drittel ist also bereits absolviert, yes! Mein Auto freut es auch, denn die Höhenmeter und der schlechte Diesel machen den Rauch vom Auspuff dunkelschwarz. Ich hoffe, es hält noch lange durch.

Gestern übernachteten wir in Shashamene, 500 Kilometer von der äthiopisch-kenianischen Grenze entfernt.  Morgen gibt’s dann erneut gute News, hoffentlich.

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael!

Tag 13 – Mittagshitze mit Affen

Ihr fragt euch, warum die Überschrift „Mittagshitze mit Affen“ steht. 47 Grad auf mehr als 2.000 Meter Höhe lassen einem die Situation wie in einer Sauna erscheinen. Der Unterschied zum gemütlichen Saunieren ist hier, ich fahre volles Tempo und reize die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit aus. Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls sehr hoch, also nicht gerade optimale Bedingungen für ein gemütliches Radfahren auf der Straße. Ach ja, außerdem sahen wir am Straßenrand ein paar wildlebende Affen.

Michael Strasser - Bergetappe

Das Fahren in den Bergen von Äthiopien verlangt noch mehr Kraft.

Mein 20 Jahre altes Begleitfahrzeug ächzt ebenfalls bei so vielen Höhenmetern, aber dafür läuft es mit ihm tadellos. Sogar das Schlafen in unserem weißen Flitzer sorgt für Erholung. Nicht nur ich schaufle tausende Kalorien in mich hinein, sondern auch der Toyota verschlingt den Sprit, als gäbe es kein Nachtanken mehr. Wir würden ihn ja gerne mit gutem Diesel füttern, aber die Qualität lässt zu wünschen übrig.

Ihr glaubt gar nicht, wie viel Hunger man haben kann.
Über die tägliche Kalorienzufuhr

Ihr glaubt gar nicht, wie viel Hunger man haben kann. Das stundelange Radfahren lässt bei einem die Energie so richtig davonschwinden und so ernähre ich mich täglich mit zig Fitnessriegeln, Bananen und zwei bis drei warmen Mahlzeiten.

Am Donnerstag schafften wir 259 Kilometer und absolvierten mehr als 3.000 Höhenmeter. Eine gute Marke, wenn man bedenkt, dass bergauf fahren doppelte Kraftanstrengung bedeutet. Aber es ist wahnsinnig schön dort, denn wir fuhren durch die Nilschlucht. Ein einzigartiges Paradies für Tiere und Pflanzen. Uns blieb zwar nicht viel Zeit zum Schauen, aber solche Momente motivieren mich wieder zusätzlich. Ich liefere euch die Bilder nach. Versprochen!
 

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael! 

Tag 9 - Tag 12

Ihr fragt euch schon, warum ich mich nicht melde. Vor allem weil mein letzter Blogeintrag mit all meinen gesundheitlichen Problemen nicht gerade positiv war. Doch das Internet im Sudan und in Äthiopien funktioniert nicht so, wie wir uns das in der Planungsphase dachten. Eigentlich funktioniert gar nichts, nicht einmal ein Anruf geht durch.

Doch nun kann ich euch endlich wieder updaten, denn euer Support ist grenzenlos. Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Der Sonntag, Tag 9, verlief nach meinem vortägigen Hitzeschlag ruhig ab. Ich konnte mich ein bisschen erholen und wir fuhren langsam los, sodass wir nicht das vorzeitige Ende des Projektes riskieren. Wir wussten, wir können erst montags die Grenze nach Äthiopien überqueren, somit lief alles nach Plan. 

„Eigentlich funktioniert gar nichts, nicht einmal ein Anruf geht durch.“
Das Telefon stößt an seine Grenzen

Montags am Tag 10 wussten wir, dass das derzeitige Tempo ein bisschen erhöht werden musste, damit wir die Grenze noch erreichen. Da ich es gerne für mein Betreuerteam und euch spannend mache, schafften wir es fünf Minuten vor Grenzschließung in unser drittes Land nach Äthiopien.

Ohne Probleme für mich am Rad bzw. für das Crewauto machten wir uns Hoffnung, dass es in Äthiopien keine großen bürokratischen Zwischenfälle geben wird. Die Grenze Ägypten/Sudan brachte mich ja an den Rand der Verzweiflung: Ich hatte kein Wasser mehr, da Inge und Chris fünf Stunden warten mussten. Am Ende ließen wir heute 200 Kilometer, die enorm wichtig waren, hinter uns. Die Anzahl fiel zwar geringer aus, aber die Fahrt zum Land des Kaffees hatte bereits einige Höhenmeter mehr verpackt als die letzten Tage.

Michael Strasser Planung

Die nächsten Tage sind geplant, viele Höhenmeter warten auf mich. 

Am Tag 11, am Dienstag erlebten wir viele freundliche Menschen entlang der Strecke, die scih auch hinsichtlich des Projektes neugierig und interessiert zeigten. Wir teilen laufend unsere Folder aus, damit sie das Projekt „Cairo2Cape“ live mitverfolgen können. Doch das Land beherrscht die Armut. Viele Kinder betteln mich beim Radfahren an und rufen nach „Money, Money“. 

Ich bin gesundheitlich wieder beim alten Leistungslevel angekommen, kann also voll angreifen. Die Kraft brauche ich in Äthiopien auch, wir befinden uns bereits im Landesinneren. Viele Höhenmeter warten auf uns, die bewältigt werden. Jetzt denke ich gerne an meine unzähligen Schneetouren am Hochkönig und an meine Radausflüge in Österreichs Bergen zurück. Dort holte ich die nötige Ausdauer für das Hochland Äthiopiens. Heute legten wir 4000 Höhenmeter und 254 Kilometer zurück. Das zehrte gehörig an der Kraft, ich fahre ja gegen die Zeit.

Die Anstrengungen von mir lassen zugleich den Wasserverbrauch stark in die Höhe steigen und sauberes Wasser zu bekommen ist nicht leicht. Vor allem sind wir ja zu dritt und brauchen einfach pro Tag zig Liter davon.

„Jetzt denke ich gerne an meine unzähligen Schneetouren am Hochkönig und an meine Radausflüge auf Österreichs Bergen zurück.“
Training, das sich bezahlt macht

Die Fahrt durch Äthiopien hat aber auch ihr Gutes: die Landschaft ist beeindruckend und ich habe eine gute Aussicht auf die höchsten Berge des Landes. Die Infrastruktur ist sehr gut, Inge und Chris schliefen bis jetzt im Hotel und ich bleibe meiner Linie treu, im Auto zu übernachten. Ich bin müde genug, da ist mir egal, wo ich schlafe. Ich habe keine Ansprüche. Außerdem sind es ja nur 4-5 Stunden täglich.

Am Tag 12, am Mittwoch, starteten wir gut gelaunt in eine neue anstrengende Etappe. Der Verkehr vor Ort ist echt eine Katastrophe. Veraltete Autos verursachen einen großen Gestank auf der Straße. Ohne Filter direkt am Asphalt ist die Belastung spürbar. Als Radfahrer hat man es nicht leicht, denn große LKW’s von Hilfsorganisationen machen ein sicheres Fahren unmöglich. Vorrangregeln werden sowieso lieber missachtet. Das Begleitauto ist deshalb ganz nah hinter mir, um den Schutz zu erhöhen.

Dazu kommen verarmte Kinder, die mich bereits öfters mit Steinen und Stöcken abschießen und von mir Geld fordern. Aufmerksames Fahren ist hier ständig notwendig.

Letzten Endes schafften wir 311 Kilometer, ein echter guter Wert angesichts der vielen Höhenmeter. Morgen kommen wir hoffentlich in der Hauptstadt von Äthiopien, in Addis Abeba an und werden viel Wasser und Essen kaufen können. Ich melde mich wieder, versprochen!

 

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael!

Tag 8 – Hitzeschlag 

Wisst ihr noch, welchen Höhenflug ich gestern hatte? Zwei Tage schneller als der aktuelle Weltrekord, doch es sollte nicht so weitergehen.

Am Samstag, von Khartoum Richtung Äthiopien fahrend, verstärkte sich meine Müdigkeit und mein Drang nach Ruhe. 41 Grad Celsius und starker Gegenwind waren nicht gerade meine besten Freunde. Bei Kilometer 150 der Tagesetappe funkte ich meine Kollegen im Auto an und sagte, ich brauche eine Pause. Elf Kilometer später war für heute Endstation. Ärztin Inge diagnostizierte einen Hitzeschlag, der restliche Tag war zum Vergessen. 

 “41 Grad Celsius und starker Gegenwind waren nicht gerade meine besten Freunde.“
Die Bedingungen haben sich geändert

Mein Körper spielte verrückt, ich musste mich im Hotel in Wad Madani öfters übergeben und fühlte mich schwach. Der Hitzeschlag ist eine Reaktion auf die stundenlangen Fahrten in der Sonne ohne Schutz. Dagegen hilft viel trinken, aber auch Regeneration. Dafür blieb den restlichen Tag Zeit.

Da wir frühestens montags erst die Grenze passieren dürfen, verlieren wir nicht viel Zeit auf den Weltrekord. Ich hoffe, bald wieder ein bisschen mehr fahren zu können. Wir bleiben dran!

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael! 

Michael Strasser Räder

Meine Fahrräder im Anhänger

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