Santiago Lange: Das Idol von Lionel Messi

Santiago Lange - Der Sportler, von dem sich Lionel Messi ein Autogramm holte

Foto oben: Gustavo Cherro / Red Bull Content Pool
Text: Christian Eberle

Auch der beste Fußballer der Welt hat Idole. Das ist die Geschichte von Santiago Lange und seinem Tag mit Lionel Messi und Javier Mascherano beim FC Barcelona.

Stolze 54 Jahre, 10 Monate und 25 Tage. So alt war Santiago Lange, als er im Sommer 2016 seine erste Olympia-Goldmedaille gewonnen hat. Der Argentinier schrieb nicht nur als einer der ältesten Teilnehmer der Spiele und als einer der ältesten Olympiasieger aller Zeiten Schlagzeilen, sondern auch wegen seiner zuvor überstandenen Leidensgeschichte. Lange, seit 1988 bei sechs Olympischen Spielen am Start, bestritt den Wettkampf in Rio de Janeiro mit nur einem Lungenflügel. Der andere war ihm wegen einer Krebserkrankung abgenommen worden.

Nach über 30 Jahren im professionellen Segelsport, vier Weltmeistertiteln und zwei Bronze-Medaillen in der Tornado-Bootsklasse krönte der Veteran mit Gold in der Nacra-17-Klasse seine eindrucksvolle Karriere. „Mit Santi zu segeln, ist wie mit Lionel Messi Fußball zu spielen“, streute ihm Cecilia Carranza Saroli, seine Partnerin im in Brasilien siegreichen Boot, Rosen. Und genau diesen sollte Lange jetzt treffen …

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Treffen sich 3 Argentinier …

„Es war sehr speziell für mich und eine wunderschöne Erfahrung“, urteilte Lange über die Begegnung mit dem fünfmaligen Weltfußballer und ihrem gemeinsamen Landsmann Javier Mascherano. Besonders beeindruckt habe ihn dabei vor allem das Außersportliche. 

Santiago Lange: Das Idol von Lionel Messi

Verkehrte Welt: Lionel Messi bittet jemanden um ein Autogramm. In diesem Fall Santiago Lange, der ihm sein Trikot schenkt.

© German Parga/FCB / Red Bull Content Pool

„Mehr als noch die ganzen Lobesreden, die Position, die jemand bekleidet oder die Fähigkeiten, die jemand hat, weiß ich die menschliche Seite zu schätzen. Und sowohl Messi als auch Mascherano zeigten sich sehr bodenständig, freundlich, sehr zugänglich. Einmal mehr haben sie bewiesen, dass die Art, wie du dich als Person gibst, wichtiger ist als die sportlichen Erfolge.“

Den Anstoß für das Treffen der Elitesportler gab übrigens Mascherano durch einen Social-Media-Post im Sommer 2016. Via Facebook gratulierte er Lange und seiner Partnerin Saroli zur Goldmedaille. „Und für diese Glückwünsche wollte ich mich persönlich bedanken“, schildert der 54-Jährige. „Also habe ich einen Freund gefragt, ob er nicht jemanden beim Verein kennt, um ihn und Messi zu treffen.“

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Eine Mail an den Verein, eine freundliche Antwort und ein paar Wochen später stand der Olympiasieger dann in Barcelona den beiden erstmals gegenüber. (2008 in Peking, als die argentinischen Fußballer Gold und Lange Bronze gewannen, hatte man sich nämlich noch verpasst.) Und worüber wurde gesprochen? „Sie haben sich bei mir erkundigt, ob ich noch einmal bei Olympia antreten werde“, erzählt Lange. „Und als ich über die Distanz zu Tokio 2020 gesprochen habe, hat mir Mascherano nur gesagt: ‚Die Zeit vergeht so schnell. Schau uns an: Nächstes Jahr ist bereits die nächste Weltmeisterschaft.’“

Die bevorstehende Ehre, ihr Heimatland erneut zu vertreten, rang auch dem sechsmaligen Olympia-Teilnehmer Respekt ab: „Sie würden alles dafür tun, einmal die WM mit Argentinien zu gewinnen und diesen Wunsch tragen sie so tief in ihren Herzen - das war sehr schön zu hören.“

Santiago Lange: Das Idol von Lionel Messi

Die drei Ausnahme-Athleten im Gespräch über ihre bevorstehenden Ziele

© German Parga/FCB

FC Barcelona als Inspiration

Sich mit Spitzensportlern aus anderen Disziplinen zu treffen, das Umfeld eines der größten Vereine der Welt kennenzulernen - selbst für Lange keine Alltäglichkeit: „Es war unglaublich, im Rahmen des Treffens auch das Trainingsgelände zu besuchen und zu sehen, wie wissenschaftlich und durchgeplant dort gearbeitet wird. Alles, was ich vom FC Barcelona kennengelernt habe, ist äußerst professionell und auf höchstem Niveau. Vom Rasen bis hin zum Besuch auf der Ehrentribüne war alles durchdacht und geplant. Und auf der anderen Seite bleibt man dennoch einfach und bescheiden. Diese Werte miteinander zu verbinden ist sehr schwer, aber genau das macht dieses besondere Ambiente aus. Es war wirklich inspirierend.“

Welchen Vorteil das berühmte „Über-den-Tellerrand-Blicken“ bringt, weiß der Segler aus erster Hand, trainiert er doch schon seit Jahren gemeinsam mit einer argentinischen Top-Polo-Mannschaft: „Interdisziplinäres Arbeiten ist für mich faszinierend, weil du viel lernst und schnell die gemeinsamen Nenner erkennst, die sowohl in der einen als auch in der anderen Sportart von Nutzen sind.“

Santiago Lange mit seinen Söhnen beim Besuch des Spiels FC Barcelona gegen Celta Vigo (5:0)

© German Parga/FCB / Red Bull Content Pool

Ein beispielhafter Kämpfer

Auch Mascherano zeigte sich vom Treffen angetan und bezeichnete den Special Guest auf dem gemeinsamen Foto auf Facebook als „beispielhaften Kämpfer und einen wahren Champion“. Worte, die bei Lange Wirkung hinterließen. „Mascherano ist ein Elitesportler – vor allem aufgrund seines Einsatzes und seiner Art auf dem Platz. Gibt es einen Kämpfer bei Barça, der den Typus Kämpfer besser verkörpert als er? (Lacht.). Und dass gerade er diese Worte veröffentlicht, bedeutet mir viel.“

Un placer conocerte Santiago Lange. Sos un ...

Un placer conocerte Santiago Lange. Sos un ejemplo de lucha. Un verdadero campeón.

Lange hat sich durch den erfolgreichen Kampf gegen Krebs und vor allem die Art, wie er mit der Krankheit umgegangen ist, viel Respekt verdient. Er selbst sieht die vergangene Zeit überraschend locker. „Ich habe mich nie wirklich schlecht gefühlt. Und das sage ich in aller Bescheidenheit, weil ich weiß, dass andere Menschen die Krankheit ganz anders sehen. Aber ich habe es einfach als Tatsache hingenommen und durchaus positiv gesehen“, so Lange, der dennoch eingesteht, auch Momente erlebt zu haben, „in denen ich mich kraftlos gefühlt habe und in denen ich mich gefragt habe, warum gerade mir das passiert.“

Auf das Warum hat er aber mittlerweile eine gute Antwort gefunden: Weil negative Nachrichten manchmal positive Folgen haben können. „Nach der Operation habe ich viel Zeit mit meinen Kindern verbracht. Wir haben gemeinsam trainiert, dabei tiefgründige Gespräche geführt. Die gemeinsam erlebten schwierigen Momente haben uns richtig zusammengeschweißt. Aus einer vermeintlich schlechten Tatsache können also gute Dinge entstehen.“

Santiago Lange, ein beispielhafter Kämpfer. Nicht nur für ein paar der besten Fußballer der Welt.

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03 2017 The Red Bulletin

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