Weltmeisterschaft im Eisschwimmen: Fotograf Shamil Tanna hinter den Kulissen

Eiskalt erwischt:
Fotograf Shamil Tanna über die Eisschwimm-WM

Text: Ruth Morgan
Fotos: Shamil Tanna

Der Fotograf Shamil Tanna ist bereit für jede Herausforderung. Er hat bereits alle möglichen Stars fotografiert, von Lady Gaga bis David Cameron. Aber als er nach Russland gereist ist, um die Weltmeisterschaft im Eisschwimmen für The Red Bulletin zu fotografieren, musste er sich dem bisher extremsten Auftrag stellen.

THE RED BULLETIN: Also, wie sieht die Welt der internationalen Eisschwimmer aus? 

SHAMIL TANNA: Seltsam. Und kalt, sehr sehr kalt.

Hast du es auch selbst ausprobiert?

Nein, wirklich nicht. Auf gar keinen Fall. Ich glaube, die, die das machen, müssen schon ein wenig verrückt sein. Es war schon kalt genug außerhalb des Wassers.

Wie kalt war es denn?

Die Wassertemperatur lag etwa zwischen 0°C und 1°C, die Lufttemperatur bei -5°C. Aber es war sehr windig und dadurch fühlte es sich eher nach -20°C an. Ich bin vor dem Pool, der aus dem Eis herausgeschnitten wurde, auf meinem Bauch gelegen und hatte die meiste Zeit des Tages keine Handschuhe an. Also glaub mir, ich weiß wovon ich spreche. Aber das war einfach noch nichts gegen die Badehosenträger im Wasser.

ice Swimming

Die Wassertemperatur lag etwa zwischen 0°C und 1°C, die Lufttemperatur bei -5°C. Angefühlt hat es sich aber eher nach -20°C an.

Waren die geringen Temperaturen (und die nicht vorhandenen Handschuhe) die größte Herausforderung für dich als Fotograf?

Von einer fotografischen Sichtweise war es schon sehr herausfordernd, aber nicht auf die Art, wie du vielleicht denkst. Es waren eigentlich Hitze und Feuchtigkeit, die mich wirklich auf die Probe stellten. Die Schwimmer erholten sich in verschiedenen Umgebungen. Sie hatten ein beheiztes Zelt, eine heiße Umkleide und eine große Sauna. Kameras laufen bei verschiedenen Temperaturen an und es dauert oft bis zu drei oder vier Stunden, bis sie sich an eine Temperatur gewöhnen. Um das zu vermeiden, habe ich letztendlich verschiedene Kameras in verschiedenen Umgebungen einfach stehen gelassen und dann immer die jeweilige benutzt. Die Kamera in der Sauna war durchnässt, es ist schon Wasser von ihr herunter geronnen. Man bringt seine Kameras in Extremsituationen, aber zum Glück sind alle noch heil.

Shamil Tanna and Ice Swimming

Shamil in Position am Eis, und das ohne Handschuhe

Ist Eisschwimmen so, wie du es dir vorgestellt hattest?

Ich bin dort hingefahren, ohne wirklich etwas über den Sport zu wissen. Es stellte sich als einer der seltsamsten aber auch interessantesten Shoots heraus, den ich je gemacht hatte. Es ist einfach so extrem. In geläufigeren Extremsportarten gibt es auch immer das Potential dass du dich verletzen kannst oder Schmerz aushalten musst. Aber in diesem Sport ist es eine absolute Sicherheit, dass das passiert. Ich denke, das ist fast einzigartig. Es ist ein bisschen wie Boxen, aber selbst da gibt es keine Garantie, dass du einen Schlag einstecken musst. Beim Eisschwimmen hast du danach Schmerzen, ohne Zweifel. Und währenddessen. Und es ist ein extremer Schmerz. Die Schwimmer definieren Schmerzgrenzen im Sport ganz neu.

Klingt wirklich extrem in jeder Hinsicht! War es schwierig, zuzusehen?

Ja schon, aber gleichzeitig sind alle Schwimmer so leidenschaftlich dabei. Sie alle nehmen etwas mit, das ihr Leben bereichert und das hat mich sehr fasziniert. 

ice Swimming

Denkst du, Eisschwimmen könnte eine Disziplin in den nächsten Olympischen Spielen werden?

Ich würde nicht mein Geld auf die nächsten Spiele wetten, aber wer weiß, was in der Zukunft noch passiert? Es ist auf jeden Fall sehr beliebt in Russland. Die Weltmeisterschaften haben eigentlich die ganze Stadt für sich eingenommen, ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut organisiert sind. Die Gastfreundschaft der Russen war unglaublich. Die Abschlusszeremonie fand am Hauptplatz in Murmansk statt und war unglaublich groß. Es gab ein Feuerwerk, Feuertänzer, 100 Meter hohe Projektionen und Kinder, die Tauben aus Papiermaché in der Hand hielten … es war verrückt.

Hast du vom Rand aus zugesehen?

Nein, ich wurde tatsächlich Ehrenmitglied des Teams aus Großbritannien und durfte bei der Parade der Athleten mitmachen. Ich hielt eine Union-Jack-Flagge in der Hand und durfte der Menge winken. Es war zwar nicht die erste Parade, an der ich teilgenommen habe, aber die erste, bei der ich eigentlich gar nicht dazugehörte. Hoffentlich nicht die letzte.

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11 2015 The Red Bulletin

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