Sieber Brothers

Sieber Brothers: „Ohne Harmonie geht nichts“

Interview: Ulrich Corazza
Foto oben: Rasmus Kaessmann/Red Bull Content Pool

Die österreichischen Ruder-Olympiahoffnungen über Familienleben, Rollenverteilung, Abhängigkeit und Konfliktbewältigung unter Brüdern.

Erfolgreiche Sportlerfamilien sind keine Seltenheit. Doch die wenigsten sitzen tatsächlich im selben Boot – so wie die Brüder Bernhard und Paul Sieber. In Rio wollen die Wiener 2016 zu Olympia-Gold rudern.

THE RED BULLETIN: Welchen Vorteil zieht ihr aus der Familiensituation?

BERNHARD: Bis vor zwei Jahren wohnten wir bei den Eltern. Da hatten wir uns rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Nicht immer einfach, es erleichterte aber vor allem die Trainingskoordination.

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Paul und Bernhard Sieber in Wien (2013).

© Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Entspricht die Rollen­verteilung im Boot eurem Naturell?

PAUL: Eigentlich nicht. Berni ist der Ehrgeizige, Detail­verliebte und gibt im Training den Ton an. Im Rennen ist es aber genau umgekehrt.

BERNHARD: Da hat Paul das Kommando, denn er hat das Hirn einen Tick mehr eingeschaltet. Ich kümmere mich vorne nur um den Schlagrhythmus.

Ihr begebt euch als Team natürlich auch in eine Abhängigkeit voneinander…

BERNHARD: … gerade das ist die Einzigartigkeit beim Rudern. Das Boot ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Wenn dein Partner bei 1000 Metern eingeht, kannst du machen, was du willst. Da bist du aufgeschmissen.

PAUL: Ohne Harmonie, vor allem bei der Technik, geht nichts. Man agiert wie ein verbundenes Pendel. Schwingt es gemeinsam, hat es die zehnfache Kraft.

Eure letzte Reiberei? 

BERNHARD: Auffassungsunterschiede in der Trainingswahrnehmung. Ich bin Perfektionist! 

PAUL: Stimmt, und das kann im ersten Moment nervig sein. Wenn von 500 Ruderzügen 497 perfekt sind, sieht Berni die drei schlechten. Andererseits weiß ich, dass uns genau das weiterbringt, wenn beim nächsten Mal 498 passen. 

Wie sieht Konfliktbewältigung unter Brüdern aus? 

BERNHARD: Unsere Methode im Streitfall: Abstand nehmen, Zeit mit sich selbst verbringen, sich später noch mal zusammensetzen und kurz darüber reden. Im Endeffekt haben wir ja das gleiche Ziel.

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Bernhard (re.), 25, und Paul Sieber, 22, Ruderbrüder: „Ich bin Perfektionist.“ – „Das kann nervig sein.“

© Rasmus Kaessmann/Red Bull Content Pool

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06 2015 The Red Bulletin

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