The Fourth Phase, Travis Rices Snowboardfilm

Wie Travis Rice den ultimativen Snowboard-Film schuf

Text: Andreas Tzortzis 
Fotos: Scott Serfas, Tim Zimmerman

Travis Rice ist der Mann hinter den größten Snowboardfilmen, die es gibt – und er hat den Ehrgeiz, dass es noch eine Weile dabei bleibt. In seinem neuen Streifen „The Fourth Phase“ definiert Rice Extreme neu. 
Tim Zimmerman
Tim Zimmerman

Photograph Tim Zimmerman, Teil des „The Fourth Phase“-Teams, dem wir diese atemberaubenden Bilder verdanken

Travis Rice ist seit fast zwei Jahrzehnten ein Synonym für fette Backcountry-­Action. Er fährt Lines, die seine Kollegen fürchten. Und er benötigte nur zwei ­Filme, um ­unsere Erwartungen an Sportdokumentationen für immer zu verändern. Mit „That’s It, That’s All“ (2008) und „The Art of Flight“ (2011) gelang es, die Faszination des Snowboardens einem Mainstream-­Publikum nahezubringen, das sein Popcorn sonst eher zu Dingen wie „The Fast and the Furious“ mampft. 

Travis Rice selbst blieb dabei im Hinter­grund. Er ist ein nachdenklicher junger Mann, der zuerst überlegt, bevor er etwas sagt, und lieber Freunden den Vortritt lässt. In „The Fourth Phase“ – Premiere am 2. Oktober auf Red Bull TV – rückt Rice ­allerdings in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Nordpazifikwirbel, dem er dreieinhalb Jahre lang folgte:

  • von Tahiti
  • über ­Japan,
  • Russland
  • und Alaska
  • bis zu sich nach Hause in Wyoming

Zugleich ist der Film aber auch eine Geschichte über Rice, den Besessenen, der sein Leben lang Grenzen überschritt und jetzt zu akzeptieren lernt, dass es selbst für ihn Limits gibt.

© Youtube // Red Bull

THE RED BULLETIN: Du bist in Jackson Hole aufgewachsen – einem Tal, das wir aus deinen Filmen kennen. Wintersport muss von Anfang an selbstverständlich für dich gewesen sein.

TRAVIS RICE: Mein Vater war bei der Bergrettung. Meine Mutter stellte mich mit zwei auf Skier. Ich fuhr, bis ich zwölf, dreizehn war, dann wollte ich boarden. Es sah nach Spaß aus, und es war neu.

Dein Vater war sein Leben lang ein ­begeisterter Skifahrer …

Er hat es nie angesprochen, aber ich ­spürte dieses „Bist du sicher, dass du das tun willst?“. Es musste schon ein besonders fetter Powdertag sein, damit mir das Skifahren Spaß machte. Als ich mit dem Snowboarden anfing, waren da wieder dieser Genuss und diese Spannung, eine Kurve möglichst perfekt zu fahren. Boarden ist asymmetrisch, ganz anders als Skifahren. Es ist ein bisschen schwerfälliger und vor allem zu Beginn fordernder, aber mit der Zeit kannst du so viel Ausdruck in jede einzelne Kurve legen.

Nordpazifikwirbel

Der Nordpazifikwirbel

Das Narrativ im Film folgt dem Nordpazifikwirbel, dem größten Ökosystem der Erde. Die Reise der Crew beginnt im Südpazifik, führt in die Japanischen Alpen, über die vulkanische Halbinsel Kamtschatka und Russlands Kurilen durch die Alaska-Kette bei Anchorage, bevor sie in Rice’ Heimat Jackson Hole zu Ende geht – unterwegs wird nach den schönsten und abgelegensten Spots der Welt gesucht.

Du sprichst übers Snowboarden wie ein Musiker über seine Kunst. 

Diese Analogie passt zu hundert Prozent. Das Schöne daran, deinen Schwüngen einen Rhythmus zu geben, ist Folgendes: Denk an einen Song im Viervierteltakt, er hat etwas sehr Gleichmäßiges. Nur hält sich Mutter Natur nicht daran. Am Berg bekommst du ein Gefühl für den richtigen Rhythmus, fährst kurze Schwünge im steilen und lange im flachen Gelände. ­So weit das Prinzip. Der Takt kann sich allerdings jederzeit ändern, dann musst du dich anpassen, die Übergänge gut ­erwischen. Du spielst also mit der Topographie der Landschaft, machst ­einen auf Jazz-Musiker und wechselst, wenn nötig, den Takt.

Travis Rice, portrait

Travis Rice

Gehört zu den besten Big-Mountain-Ridern seiner Generation. Er wuchs in Jackson Hole, Wyoming, auf, in einem Tal, das ausführlich in seinen drei Filmen gezeigt wird. Schon als Teenager ein Big-Air-Held, setzt er nun vor allem im Backcountry neue Standards.

Bleiben wir im Bild und gehen wir auf die ganz großen Berge. Muss man ihre Topographie im Gedächtnis haben, um sie gut „spielen“ zu können?

Ja. Man wird richtig gut darin, auf bestimmte Dinge zu achten. Und jeder Fehler erinnert dich daran, dass du es das nächste Mal besser machen musst. Betrachtet man seine Line aus der Ferne, geht es darum, Orientierungspunkte zu setzen. Bei einer Abfahrt gibt es viele kaum einsehbare Stellen – du siehst gerade mal ein paar Meter weit, alles dahinter ist weiß, und der Talboden in der Ferne ist auch keine große Hilfe bei der Orientierung. Also fokussierst du dich auf Teilbereiche. Und so weißt du, diese nicht einsehbare Stelle ist ein Orientierungspunkt. Den musst du dir merken, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass du im Kopf keine Kapazitäten für Angst frei hast. 

Aber wir sprechen von Bergen mit Drops von über 30 Metern, von Schneewechten und Klippen. Wie kannst du da so schnell reagieren? 

Das ist die Schönheit, nach der wir dort oben suchen: Menschen wollen diesen Flow, bei dem du nicht alles bis ins letzte Detail berechnen kannst. Alles besteht nur noch aus Aktion und Reaktion. 

Ganz oben, wie nervös ist man da? Ist Angst wirklich kein Thema? 

Angst ist ja nichts Schlechtes, sie hält uns am Leben. Diese Urangst gibt es aus einem guten Grund. Ich liebe sie, man muss sie einfach lieben. Sie ist wie ein alter Freund, den man wieder umarmt. Ich bin ganz sicher nicht furchtlos. Meine Angst und ich haben eine tolle Beziehung.

„Du gehst die Sache immer wieder im Kopf durch, überzeugst dich, dass du es kannst.“
Travis Rice

Der Einsatz der neuesten GoPro-Kameras ermöglichte dem Film-Team vielfältige Möglichkeiten.

© YouTube // GoPro

Und wie nimmst du den Mut zusammen für den Drop?

Du gehst die Sache immer wieder im Kopf durch, überzeugst dich, dass du es kannst. So lange, bis du es wirklich glaubst (lacht). Gib dem Zweifel keine Chance. Ich muss mich von allem frei machen können. Noch zehn, fünfzehn Sekunden vor dem Drop denke ich, analysiere ich, rechne ich im Kopf alles durch, aber dann muss ich das abstellen. Mit den letzten Atemzügen drückst du die Angst von ­deinem Schädel tief in deinen Magen. Da ist sie besser aufgehoben. 

„The Fourth Phase“ zeigt dich als ­Suchenden, immer auf die nächste ­große Challenge in unberührtem ­Gebiet aus. Wann hat das begonnen?

Schon ganz früh. Mein Vater arbeitete im Sommer als Fliegenfisch- und Back­packing-Guide, Abenteuer kenne ich von klein auf. Als ich älter wurde, half ich ihm im Sommer und kam bei Ausflügen mit. Ich war der Lama-Junge. Ich führte den ­Lama-Zug, kümmerte mich um die Tiere. Ich werde diesen Job nie vergessen. Es war so einfach: Du warst verantwortlich für diese schönen, majestätischen, ehrwürdigen, stinkenden Kreaturen, die dir ins Gesicht spucken. 

The Fourth Phase, Jackson Hole, Wyoming

Jackson Hole, Wyoming

Rice’ Spielplatz von klein auf. Nirgendwo im Film ist der Powder so pulvrig wie hier.

Vielleicht drücken Lamas ihre Zu­neigung ja durch Spucken aus.

Am Ende des Trips wussten sie immerhin, dass ich für Nahrung und Wasser zuständig war. Dann haben sie andere ­angespuckt (lacht).  

Wonach sucht ihr jetzt, da draußen im Backcountry? 

Wir suchen nach diesen geologischen Seltsamkeiten. Wir wollen schräge Dinge. Die sind das Beste, aber wirklich Schräges ist selten. Du verbringst viel Zeit in den Bergen auf der Suche nach diesen besonderen bizarren Features zum Spielen. Es geht darum, diese topographischen Einzigartigkeiten in Verbindung mit der richtigen Schneemenge, der richtigen Temperatur zu finden, manchmal müssen sie windgeschützt sein … die Faktoren müssen zusammenspielen. 

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The Fourth Phase, Hakuba, Japan Nachts

hakuba, japan

Die Waldsessions in den Japanischen Alpen gehören zu den visuell beeindruckendsten Szenen im Film. Local Shin ­Biyajima entdeckt die Nacht.

Geht es darum, den Berg als Erster zu befahren? Oder geht es einfach nur um die Abgeschiedenheit? 

Es geht darum, dass du als Boarder kreativ ausdrückst, wie man diesen Berg befahren kann. Wenn ein flaches, wunderschönes Face vor dir liegt, kannst du an Nuancen deiner Schwünge arbeiten. Aber du musst umso mehr interpretieren, je schräger es wird. Du musst diese Perversionen der Landschaft wie spezielle Puzzleteile zusammensetzen. Das macht es so besonders. Was die Abgeschiedenheit betrifft: Darum geht jeder gern ins Backcountry. Abgeschiedenheit isoliert dich und deine Freunde, und diese Isolation bringt euch zusammen, lässt euch gemeinsam Probleme lösen und neue Wege finden. Es ist eine Magie, abgeschieden zu sein und mit Verbündeten in der Abgeschiedenheit Erlebnisse zu teilen.

The Fourth Phase, Hakuba, Japan

Hakuba, Japan

Mikkel Bang auf Höhe mit den Baumwipfeln

Es gibt ein großartiges Zitat von dir im Film: „Es hat etwas Magisches, wenn man mit jemandem an einem Ort ist, an dem zu sein er sich nie hätte vorstellen können.“ Erzähl mehr darüber. 

Ich glaube, es geht darum, gemeinsam zu wachsen. Jeder von uns ist ständig mit Dingen konfrontiert, die er gerne vermeiden würde. Es ist einfach, wegzulaufen und zu sagen: „Passt schon, ist nicht mein Ding.“ Denn tief in uns drinnen ist diese Angst, Dinge falsch zu machen und wie ein Idiot auszusehen. Aber wenn du es ­zumindest versuchst, wird es nie umsonst sein, selbst wenn die Erfahrung im ersten Moment negativ sein mag. Ich weiß, wovon ich spreche, ich habe ganze Tage in der „uncomfort zone“ verbracht. Und genau darum bin ich ein guter Boarder. Ich war tausend Mal an diesem Ort. Ich finde es großartig, wenn man sieht, wie jemand diesen Schritt macht. Wenn er sagt: „Scheiß drauf“, wenn er es einfach versucht.

Mit fliegenden Fahnen unterzugehen …  

… ist doch großartig! Und von mir aus gleich eine Million Mal! Jeder kennt diese Dinge, von denen er glaubt, dass er sie ein Leben lang nicht schaffen wird. Und ich sage: Scheiß drauf. Probier es. Scheitere! Und du wirst dich wundern, wie oft du gar nicht scheiterst. Mein Leben ist voll von Erfahrungen mit Freunden, ­denen ich Dinge zugetraut habe, die sie einfach nur nicht wahrgenommen haben. Für mich gibt es fast nichts Geileres, als einen Freund an einen Ort zu bringen, den er für unerreichbar hielt. 

The Fourth Phase, Kamtchatka, Russland

Kamtschatka, Russland

Eine vulkanische Halbinsel, die ­immer wieder Asche in den Pazifik spuckt. Nicht vorhersehbare Bedingungen bedeuten Drehpausen, aber es lassen sich kreative Zeitvertreibe finden.

Das ist auch einer der Stränge im Film. Du bringst Leute auf diese einzigartigen Berge, weil du es ihnen zutraust – nicht, weil sie es sich zutrauen. 

Ja, wenn du mich fragst, dann dreht sich dieser Film gar nicht um mich, sondern um meine Leute, meine Mitstreiter, um die Jungs, mit denen ich boarde. Aber es ist schwierig, wenn der Film sich zum Finale erzählerisch zuspitzt und du immer hörst: „Oh, Travis, du bist unser roter ­Faden.“

„Das Ziel ist doch, dass wir es interessant halten. Dafür muss es dieses ,Noch ein kleines bisschen mehr, noch einen Grad schwieriger‘ haben.“

Verdammt, nein! Dieser Film ist genau das nicht. Dieser Film, das sind die Plätze, die wir besuchen, und die Leute, mit denen wir das tun. 

Du glaubst nicht, dass dein Leben ­genug Stoff für einen Film bietet?

Ich bin die falsche Person, um diese Frage zu beantworten. Wenn ich das entscheiden könnte, wäre der Film ausgeglichener, aber dann müsste er auch länger sein. Ich entwarf diese Reise, hatte die Idee dazu. Es ist ein Privileg, die Jungs auf ­diese Trips mitzunehmen, und ich mache das, weil ich großartig finde, was sie draufhaben. Sie sind alle einzigartig, ­dafür liebe ich sie. Aber vielleicht gehört das ins nächste Kapitel.

Diese Jungs sagen auch, dass du dich erst dann zufriedengibst, wenn du bekommst, was du willst. Was willst du? 

Ich möchte eine Idee, die aus dem Nichts etwas erschafft. Ist das nicht der Grund, warum wir überhaupt hier sind?

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„Ich glaube, an einem Punkt habe ich gemerkt, dass meine anfänglich unschuldige, weltoffene, offenherzige Expedition immer mehr zu einem Ausstieg wurde.“

Hört sich anstrengend an. 

In erster Linie ist es unglaublich befriedigend. Aber irgendwann merkst du, dass es kein Ende gibt. Du machst einfach ­immer weiter, bis du diesen einen Punkt erreichst, an dem du dich fragst: „Warum mache ich das Ganze eigentlich?“ So wie Forrest Gump. Irgendwann hat er einfach aufgehört zu laufen.

Absolut, aber du suchst diese Ideen auf 4000 Meter hohen Gipfeln und Bergrücken mit tödlichen Abgründen. 

Ich habe mich da herangetastet. Ich mach das schon so lange, mit der Routine wird es irgendwann normal. Dann möchte man es steigern … Das Ziel ist doch, dass wir es interessant halten. Dafür muss es dieses „Noch ein kleines bisschen mehr, noch einen Grad schwieriger“ haben. Für mich ist das eine Willensfrage: Will ich mich weiterentwickeln? Ja, unbedingt. 

Tordrillo Mountains, Alaska

Tordrillo Mountains, alaska

Fotograf Tim ­Zimmerman zeigt Respekt vor dem Steilhang. 

Wann erreichst du deinen Forrest-Gump-Punkt? 

Keine Ahnung. Ich weiß nur, ich bin noch nicht am Ziel. Die Sache beschäftigt mich schon lange, ich suche schon ein halbes Leben. Ich glaube, an einem Punkt habe ich gemerkt, dass meine anfänglich unschuldige, weltoffene, offenherzige Expedition immer mehr zu einem ­Ausstieg wurde.

Tordrillo Mountains, alaska

Tordrillo Mountains, alaska

Den berüchtigten „Crack“ erstbefuhr Rice 2014, kurz danach ging Skifahrer Cody Townsend mit einem Point-of-View-Video viral. 

 Konntest du dir jemals ein Leben mit einem normalen Nine-to-five-Job vorstellen?

Ich habe lange nicht richtig kapiert, dass das Snowboarden mein Ding ist. Ich arbeitete im Sommer am Bau, mit dem Geld konnte ich im Winter reisen. Davon abgesehen hab ich mich immer für alles interessiert, was mit Natur zu tun hatte. Um nicht zu sagen: Alles andere Interessierte mich kaum. 

Wenn man mit deinen Freunden über dich spricht, betonen sie das immer wieder. Sie meinen, dass du die Natur nicht nur respektierst, sondern geradezu verehrst. Ist es deine Art, der Natur näher zu kommen, dass du einen Berg runterfährst?

Das Snowboarden ist nur ein Mittel, Zeit draußen zu verbringen. Zeit, um die Natur nicht nur von einem bequemen Sessel aus wahrzunehmen, sondern mittendrin zu sein und zu spüren, wie unmittelbar Natur sein kann. 

Die direkteste Form der Natur, wenn man das so sagen will, sind in deinem Fall Lawinen. Du hattest schon einige Erfahrungen. Hat dich das geprägt?

Sehr. Lawinen verkörpern diese schreckliche Schönheit der Naturgewalten, die mein ständiger Begleiter sind. Wir haben eine große Crew, wir haben viele Leute am Berg, vor allem wenn wir ein Camp aufschlagen. Jeder ist ständig exponiert, dieses Bewusstsein muss man immer im Kopf behalten. Für mich ist das Wichtigste, dass wir jeden wieder gesund nach Hause bringen. Wenn ich das schaffe, dann wird diese Erfahrung zum größten Geschenk, das man sich vorstellen kann. Alles andere ist da nebensächlich. 

The Fourth Phase, Lawine in den Tordrillo Mountains

Tordrillo Mountains, alaska

Lawinen fallen unter das Berufsrisiko.

Du beginnst deine Reise in der Nähe von Französisch-Polynesien, am Beginn des Wasserkreislaufs, dem du fortan folgst. Dort wirkst du ruhiger als oben in den Bergen. 

Du wirst zur Langsamkeit gezwungen. Daran liegt’s. Du musst Eindrücke verarbeiten, das Boot auf Kurs halten, du kannst dich nicht einfach verpissen. Der Wind ändert sich, das Wetter, und du bist nur eine unbedeutende Variable in diesem riesigen Meer. Die Sache hat etwas wunderschön Einfaches.

In deinen letzten zwei Filmen ging es darum, das Spektakel auf dem Berg einzufangen – habt ihr euch dieses Mal ­bewusst anders entschieden?

Diese beiden Filme hatten eine starke Bildsprache, unglaubliche Locations … krasse Aerials, die haben die Zuseher perfekt für diesen Ride abgeholt. Nach „The Art of Flight“ hatte ich das Gefühl, in dieser Art von Film alles gesagt zu haben. Unsere Crew war bereit für eine größere Herausforderung. Der dokumentarische Stil hat uns alles abverlangt, wir wussten nicht, wohin uns das Ende des Films führt. Wir haben zum Beispiel nicht damit gerechnet, dass wir den Campingtrip in Alaska streichen müssen. Und wir dachten, drei Jahre seien genug Zeit für das ganze Projekt.

Tordrillo Mountains, Alaska

tordrillo mountains, Alaska

Die Tordrillo Mountains in Alaska sind einer der abgelegensten und zugleich schönsten Backcountry-Spots der Welt. Darum sieht man die Region nicht nur in Rice’ ­Filmen, sondern auch in denen von anderen Boardern und Skifahrern. Hier fliegt Rice formvollendet über eine Kuppe.

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Welche Rolle spielt das Publikum in dem Prozess? Machst du den Film für ein Publikum? Oder geht es dir allein darum, etwas zu schaffen, mit dem du selbst zufrieden bist? 

Wir verschwenden nicht allzu viele ­Gedanken daran, wie die Außenwelt den Film wahrnehmen könnte. Wir machen einen Film, den wir selbst gerne sehen würden. Aber es bleibt natürlich ein Snowboard-Film. 

Kleine Kameras, große Sprünge

Drei Jahre lang filmten Rice und Regisseur Jon Klaczkiewicz an „The Fourth Phase“. Eine Reihe technischer Neuerungen beim Equipment ermöglichte der Crew Aufnahmen in atemberaubender Qualität.

Etwa eine GoPro auf einem ­Gyro-stabilisierten Stick, mit der Rice einem Rider einen Bergrücken hinunter folgte und damit „den Eindruck eines Videospiels erzeugte“, so Klaczkiewicz. Oder neue, stabilere Drohnen, die erstmals mit Superzeitlupenkameras bestückt werden konnten und ihre 4000 Bilder pro Sekunde ganz ohne Helikopter schossen.

„Es ist verrückt, welchen Sprung die Technik gemacht hat, und ­allmählich wird das Equipment leistbar“, sagt Klaczkiewicz. „Vorne dabei ist nur, wer kreative Lösungen findet und beim Storytelling überzeugen kann.“

… bei dem du aber über den Tellerrand hinausblickst.​ 

Das ist nötig. Ich sehe mir Snowboard-­Videos an, seit ich zwölf bin. Ich bin schon so lange dabei, dass ich etwas Neues brauche. Trotzdem vergesse ich nie, was einen Snowboard-Film ausmacht. Man darf das nicht kleinreden. Wenn jemand sagt, Snowboard-Filme seien nur harte Musik und Action, dann hat er nicht verstanden, worum es geht. Die Filme vermitteln ein Gefühl. Die Leute schätzen die Einfachheit der Filme, gute Musik, gute Lines, gute Sprünge. Daran ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. 

Dennoch hebst du dich jetzt bewusst davon ab. 

Das Ding sollte ehrlich sein, so bin ich an das Projekt herangegangen. Und das war natürlich ein anstrengender Prozess. So schön die Orte auch waren, es war ziemlich schwer, daraus etwas in sich ­Geschlossenes zu machen. 

„Der Film soll einfach zeigen, was Snowboarden für mich bedeutet. Freunde gehen in die Berge und teilen beim Boarden persönliche Momente.“

Ist der Film eine Art Vermächtnis?

Der Film soll einfach zeigen, was Snowboarden für mich bedeutet. Snowboarden ist so viel mehr als Triple Corks bei Olympischen Spielen. Es ist auch viel mehr als wir und das Backcountry, unser Kampf mit dem Wetter, fette Jumps und heftige Lines. Es geht um etwas viel Einfacheres: Freunde gehen in die Berge und teilen beim Boarden persönliche Momente. Das ist der Grund, warum ich boarden gehe! Dieses Gefühl will ich vermitteln. Weißt du, Snowboarding hat mir so viel gegeben. Wenn ich mit meinen Filmen jemanden inspirieren kann, rauszugehen und zu boarden, dann habe ich alles erreicht, was ich wollte. Selbst wenn es nicht mal Snowboarden ist, selbst wenn er nur raus in die Natur geht, habe ich gewonnen.

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10 2016 The Red Bulletin 

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