Vendée Globe Regatta - Die Schiffe und ihre Besonderheiten

Vendée Globe: Das Boot

Text: Alexander Macheck, Arkadiusz Piatek and justin hynes
Foto: VINCENT CURUTCHET/DARK FRAME 

Reduziert auf maximalen Speed und das Überleben auf hoher See. So funktionieren die Boote der Solo-Segler.

Die Yacht der Vendée Globe ist eine „Open 60“. Die Zahl im Namen bezieht sich auf die Länge des Schiffs, gemessen in Fuß, das entspricht 18,29 Metern. An seiner breitesten Stelle misst das Boot 5,85 Meter. Der Racer hat einen Tiefgang von 4,50 Metern. Sein Mast ist 28,10 Meter hoch.

Die Open 60 erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 30 Knoten (rund 55 km/h; Anm.), was für Segelfahrzeuge enorm hoch ist. Dieser Speed soll heuer sogar noch getoppt werden, weil erstmals sogenannte Foils erlaubt sind. Das sind spezielle Tragflächen, die den Rumpf ab einem gewissen Tempo aus dem Wasser heben und damit die Reibung extrem reduzieren.

Vendée Globe - Bauweise des Schiffs

© Oliver Michon/Gitana SA

WIE KANN MAN ALLEIN EIN SO GROSSES BOOT SEGELN?

 

Sämtliche Leinen, mit denen die Segel bedient werden, sind nach hinten ins Cockpit geführt. Für die meisten Manöver muss der Skipper also seinen Haupt-Arbeitsplatz im hinteren Teil des Schiffs nicht verlassen.

Um Segel zu bergen, muss er allerdings in die Mitte oder auch auf den vorderen Bereich des Boots. Dann übernimmt der Autopilot vorübergehend die Steuerung.

Vendée Globe Yacht - „Solo“: Pro Schiff ist nur eine Person erlaubt!

„Solo“: Pro Schiff ist eine Person erlaubt. Einzige Ausnahme: Du gewährst einem schiffbrüchigen Konkurrenten Unterkunft – bis ihn das Rettungsschiff übernimmt.

© B. Carlin/SMAO

Der Lebensraum unter Deck ist auf ein Minimum reduziert. Er ist an die zwei Meter lang und wird „Überlebenszelle“ beziehungsweise „Navigationszelle“ genannt. Nur dieser Bereich sowie der Motorraum sind frei zugänglich. Der Rest des Rumpfs ist in sechs sogenannte Kollisionseinheiten unterteilt, die mit wasserdichten Einstiegsluken ausgestattet sind.

Wenn das Boot kentert oder im Falle eines Lecks nach einem Zusammenstoß (etwa mit einem Eisberg) sorgen die unbeschädigten Einheiten dafür, dass die Yacht nicht sinkt. Sollte es hingegen zu einem Mastbruch kommen, kann der Segler die Motorplombe entfernen und an Land tuckern.

 

Alessandro Di Benedetto schlafend

Alessandro Di Benedetto (ITA) bei einem typischen 10- bis 30-minütigen Powernap

© OLIVIER BLANCHET/DPPI

Die Bauweise

Achillesfersen
Vendée-Globe-Yachten sind trotz Hightech verwundbar. Häufigste Ausfallsgründe: Mast-, Materialbruch und Kollisionen mit „Unknown Floating Objects“.

 

Keine Tricks​
Eine Plombe blockiert die Verbindung zwischen Motor und Schiffsschraube. Ist die Plombe beschädigt, bist du aus dem Rennen. Der Motor dient somit nur der Stromerzeugung.

 

Rekord in Gefahr
Erstmals im Einsatz: bootsbeschleunigende „Foils“. Eine Weltumsegelung in unter 78 Tagen (François Gabarts Rekord 2012/13) ist 2016/17 denkbar.

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11 2016 The Red Bulletin

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