Amanda Cerny über ihre Social-Media-Karriere

Amanda Cerny: Vom Playmate zum Social-Media-Star

Text: John Gaudiosi
Fotos: ZVG von Amanda Cerny             

Amanda Cerny ist eine der führenden Frauen in der Social-Media-Welt und Teil eines neuen Zeitalters des Ruhmes. Mit The Red Bulletin spricht sie über ihren Aufstieg und erklärt, wieso ihr Job bei Playboy nach hinten losging.

Amanda Cerny ist ein bekannter Name für Millionen Follower aus der Generation Y und Z – und nicht, weil sie Playboys Miss Oktober 2011 war. Genau genommen wissen die meisten Fans nicht einmal etwas davon. 

Das liegt daran, dass die 24-Jährige die letzten sechs Jahre damit verbracht hat, nach einer erfolgreichen Modelkarriere (angezogen) in Los Angeles, auch in den Sozialen Netzwerken Karriere zu machen. Auf Vine hat sie über 4,7 Millionen Follower die über 2,2 Milliarden Vine Loops angesehen haben, mehr als 5,2 Millionen Fans auf Facebook, 8,7 Millionen Follower auf Instagram, und über 622.000 auf Twitter. Außerdem ist sie selbsternannte „Snapchat-Königin“.

Amanda spielt nun auch in ihrem ersten Film, „Internet Famous“, mit – eine Parodie über Online-Fame, mit realen YouTube- und Social-Media-Stars wie Shane Dawson, Christian Delgrosso, Steve Greene und Wendy McColm

Im Interview spricht Amanda Cenry mit The Red Bulletin über ihr Ziel, über ihren Ruhm im Internet hinaus nun auch auf eine TV-Karriere anzustreben.

© YouTube // New Movie Trailers

THE RED BULLETIN: Hat Ihnen die Erfahrung vor der Kamera aus Ihren Vine- und YouTube-Videos beim Auftritt in „Internet Famous“ geholfen?

AMANDA CERNY: Für meine Vine- und Instagram-Videos spiele ich die Rolle dieses schusseligen, hirnlosen Mädchens. Beim Casting für Amber aus dem Film musste ich praktisch einfach nur einen Charakter, den ich selbst schon in meinen Sketchen gespielt hatte, darstellen, da sie auch total schusselig ist und in ihrer eigenen Welt lebt. Das hat auch beim eigentlichen Filmdreh sehr viel vereinfacht.

Amanda Cerny

So wie die Charaktere im Film können auch Sie sich bestimmt eine Zukunft in Hollywood vorstellen. Wonach streben Sie dabei?

Ich habe einen Vertrag bei CAA (Creative Artists Agency, Anm.) unterzeichnet. Sie vertreten mich überall, aber meine eigentliche Intention war es, größere und traditionellere Film- und TV-Rollen zu erhalten. Es ist komisch „traditionell“ zu sagen, weil soziale Netzwerke heutzutage schon so mit der traditionellen Welt zusammenhängen, dass alles irgendwie nur noch eine Welt ist. Ich möchte einfach mehr Filme machen. Das war mein erster und es gibt ein paar weitere Dinge, an denen ich gerade arbeite. Ich hab einige TV-Shows, unter anderem eine Virtual-Reality-Show, gemacht. Es ergibt sich also mehr und mehr und das sind definitiv alles kleine Schritte in Richtung einer größeren Karriere im Filmbusiness.

Welche Virtual-Reality-Show?

Es ist eine TV-Serie, Zuschauer setzen ihre Goggles auf und treten in die Welt einer TV-Show ein. Du kannst im ganzen Set herumschauen. Und die Art, wie wir filmen, hebt sich unglaublich stark von irgendeiner anderen TV- oder Film-Produktion ab, weil es wie bei einem Theaterstück gemacht werden muss. Niemand sonst darf im selben Raum wie du sein, ansonsten sehen die Zuschauer ja die Licht- und Tontechniker. Wir drehen in einem geschlossenen Raum, der Regisseur ist draußen und hofft, dass du das Skript so umsetzt, wie es gedacht ist.

Was passiert, wenn jemand seinen Text falsch spricht? Müssen dann alle wieder von vorne anfangen?

Ja, so ziemlich. Manchmal bewegen sie zwischendurch die Kamera, damit die Zuschauer aus einem anderen Winkel in den Raum kommen. Dann ist das wie ein Gedächtnis-Training, weil du dir als Schauspielerin merken musst, wer, wann und wo gestanden ist, und wo im Raum du dich gerade befinden solltest. Es hat alles eine ganz genaue Reihenfolge, also kannst du nicht improvisieren. Jeder Schnitt muss so sein wie der erste, damit man alles gut miteinander verbinden kann. 

Amanda Cerny

Wie reagiert Hollywood auf den Einfluss aus sozialen Netzwerken?

Ich habe eine große Veränderung bemerkt. Regisseure und Produzenten erweitern ihre Interessen und arbeiten nun mehr mit Social-Media-Persönlichkeiten zusammen. Am interessantesten sind für sie diejenigen, die ihre eigenen Comedysketche machen.

Was genau hat sich verändert?

Ursprünglich hieß es immer: „Nur weil du in den Sozialen Medien einflussreich bist, heißt das nicht, dass du Talent zum Schauspiel hast. Du kannst da nicht mitmachen.“ Aber viele von uns wollten eigentlich auch schauspielen, hatten aber nie eine Agency oder sonst jemanden, der sie vertritt. Sie hatten einfach nur Spaß und wurden mit ihren Sketchen online immer einflussreicher. Manche haben sogar Schauspiel-Hintergrund, also realisieren nun einige Regisseure, dass hier sehr wohl auch Potential steckt.

Sie schauen sich jetzt nicht mehr nur die Zahlen an. Früher haben sie das so gemacht, Zahlen waren alles, was relevant war. Aber es muss auch Talent dahinter stecken.

Es ist ganz einfach. Wenn du eine Person hast, die einen Blog nach dem anderen schreibt, aber überhaupt kein Interesse an Schauspiel hat, wird es auch nicht funktionieren, sie in einen Action-Film zu stecken. Das macht keinen Sinn. Also haben die Regisseure endlich mehr den Hintergrund der Social-Media-Persönlichkeiten in Betracht gezogen. Sie haben nicht nur danach geurteilt, wer die meisten Follower hat, sondern vor allem auch in Betracht gezogen, wer tatsächlich die Castings schaffen könnte. Das ist definitiv ein gutes Sprungbrett für viele von uns. Wenn du jetzt in den Raum trittst, stehen nicht mehr diese typischen Vorurteile über Social-Media-Stars im Vordergrund. Du darfst tatsächlich zeigen, was du drauf hast und wirst dabei ernst genommen.

Amanda Cerny

Inwiefern hat Ihr Auftritt im Playboy den Aufbau Ihres Social-Media-Imperiums beeinflusst? 

Das ging nach hinten los. Ein Playmate zu sein, hat mich zwar aus L.A. raus bekommen, was ich nicht bereue, aber nicht viel mehr. Es ist eine großartige Plattform, auf der man aufbauen kann. Ich hatte eine kleine Gemeinschaft an Instagram-Follower, allerdings waren die nur deswegen Fans, weil sie Fotos von mir im Bikini sehen wollten. Sie waren nicht sonderlich loyal. Als ich anfing, Vines zu machen, wurde mein Publikum deutlich jünger. Auch durch die Comedysketche bekam ich viele Shares und etliche Videos wurden viral und erreichten eine Menge Menschen. Somit wurde ich bekannt als Komödiantin, nicht wegen des Playboy-Shootings. Es ist trotzdem lustig, weil viele Kinder gar nicht wissen, was der Playboy ist. 

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10 2016 The Red Bulletin

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