Mel Gibson im Interview über sein Regie-Comeback in "Hacksaw Ridge"

Wie sich Mel Gibson zurück in den Hollywood-Olymp gekämpft hat

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

Als Regisseur feiert Mel Gibson mit „Hacksaw Ridge” das Comeback des Jahres – Oscarnominierung inklusive. Im Gespräch zeigt der 61-Jährige, was er von dieser Erfahrung gelernt hat – und wie Salmonellen sogar einem Jesus zu schaffen machen.

THE RED BULLETIN: Sie hatten zehn Jahre lang nicht mehr Regie geführt, bevor sie „Hacksaw Ridge” drehten. Was macht man in so einer Situation?

MEL GIBSON: Sich anschnallen und loslegen.

Ist das wirklich so einfach?

In dem Fall war es das nicht. Wir hatten praktisch kein Geld, einen Film dieses Ausmaßes zu stemmen. Und nicht genügend Zeit. Aber was machst du? Du springst da rein und lässt dir nichts anmerken, sondern reißt dir den Hintern auf. Kontrolle hast du beim Filmemachen sowieso nie. Aber ich war für meinen Teil begeistert. Und die Zuschauer ließen uns ungestraft davon kommen. Die sagten: „Das ist ein Film, so wie man sie früher gemacht hat.” Die waren begeistert. 

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Nicht nur die Zuschauer, sondern auch Ihre Kollegen in Hollywood, die Sie Jahre lang geächtet hatten. Sie bekamen sogar eine Oscarnominierung. Hatten Sie das je erwartet?

Ich habe immer gesagt: Ich weiß nicht, ob mich die Showbiz-Gemeinde wieder mit offenen Armen aufnimmt. Ich hatte das Gefühl, dass man mir vergeben hat, aber mehr konnte ich nicht sagen. Wichtig ist, dass deine Filme Geld einspielen, dann kriegst du wieder eine Chance.

© Youtube // KinoCheck

Wenn man sich Ihre Filme anschaut, dann scheinen Sie es zu mögen, dass sich jemand für andere aufopfert. Warum?

Weil das der ultimative heroische Akt ist. Wenn jemand in einem gerechten Krieg oder für einen geliebten Menschen sein Leben gibt, dann baut dich das innerlich auf. Deshalb findest du dieses Thema in allen möglichen Religionen und Mythen. Und aus dem Grunde erzählen Leute wie ich Geschichten – weil wir auf die Gefühle der Menschen einwirken wollen. Nehmen Sie den Helden aus “Hacksaw Ridge”, der rettete in einer der schlimmsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs 75 Leuten das Leben, ohne nur einen Schuss abzufeuern. So etwas ist inspirierend.

„Aus dem Grunde erzählen Leute wie ich Geschichten – weil wir auf die Gefühle der Menschen einwirken wollen.“
Mel Gibson

Was braucht man, um so etwas schaffen?

Eine völlige Missachtung deines Egos, allumfassende Liebe und absolute Demut. Dieser Mensch war sogar so bescheiden, dass er eine Verfilmung seines Lebens kategorisch ablehnte. Er sagte: ‘Ich will einfach nur beten und Gemüse anbauen.’ Er vermachte dann die Rechte an seiner Biografie seiner Kirche, und die fanden, dass man aus seiner Geschichte lernen könnte. Deshalb stimmten sie auch dem Film zu.

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Was können Sie aus dieser Geschichte lernen? Wie man im Krieg Leben rettet, ohne zu töten?

Ich habe keine Ahnung, ob ich das fertig bringen würde. Aber es geht einfach darum, die Liebe für seine Mitmenschen zu entdecken. Und ich finde es auch wichtig, Verständnis für Soldaten zu entwickeln. Viele wissen nicht, was die durchmachen. Offiziell bringen sich in den USA 22 Veteranen pro Tag um. Das ist nicht akzeptabel. Unsere Gesellschaft weiß nicht, wie sie richtig mit diesen Menschen umgeht.

Sie haben ja ganz besondere Beziehung zu Jesus. Mit „Die letzte Passion Christi” drehten Sie eine der erfolgreichsten unabhängigen Produktionen aller Zeiten, jetzt planen Sie eine Fortsetzung. Hätten Sie auch mal Lust, ihn zu spielen?

Ich bekam sogar mal die Chance. Als ich noch um einiges jünger war, wollte mich Regisseur Martin Scorsese in „Die letzte Versuchung Christi” besetzen. Aber bei dem Vorsprechtermin ging es mir furchtbar. Ich hatte mir von einer Auster Salmonellen geholt, und war halb am Sterben. Und es hat dann nicht geklappt. Aber wer weiß: Vielleicht beim nächsten Mal.

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02 2017 The Red Bulletin

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