Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers

Flea: „Such dir einen Reibebaum!“

Text: Marcel Anders
Foto: Jay L. Clendenin / Contour by Getty Images  

Flea ist ein Rock-Titan. Hier erklärt der Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist, warum Konflikte mit Bandkollegen kreativer Treibstoff sind.

Sie sind neben Mick Jagger und Keith Richards das berüchtigtste Paar der Rock-Welt: ­Anthony Kiedis und Michael Balzary alias Flea. Mit ihrer Gruppe Red Hot Chili Peppers haben sie in 33 gemeinsamen Jahren 80 Millionen Platten verkauft und sich einen Platz in der Rock and Roll Hall of Fame erspielt.

Dennoch: Die Bandgeschichte ist geprägt von vielen Personalwechseln und – bis in die späten 1990er Jahre – ausufernden Drogenexzessen. Wie man bei solchen Stressfaktoren die Kreativität bewahrt? Indem man Konflikte auslebt, erklärt Flea im Interview.

Erfahre zudem, …

  • wieso ihn eine Schlägerei zum Erfolg führte
  • warum er Anthony Kiedis‘ Biografie nicht gelesen hat
  • wie er reagierte, als sein bester Freund mit seiner Schwester schlief

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© YouTube // Red Hot Chili Peppers

THE RED BULLETIN: Mit ­Anthony Kiedis verbindet Sie eine vierzigjährige Freundschaft und eine bereits 33 Jahre währende Karriere. Streiten Sie sich eigentlich?

FLEA: Ständig! Über jede verdammte Kleinigkeit. Worüber streiten wir eigentlich nicht? 

Sie nehmen mich auf den Arm.

Gar nicht. Aber zugegeben: Wir streiten heute anders als früher. In unseren Zwanzigern waren wir oft so sauer aufeinander, dass wir tagelang nicht miteinander redeten. Heute sind wir vernünftiger. Wir nehmen Dinge nicht mehr so persönlich. Weil wir wissen, dass wir füreinander da sind, wenn’s hart auf hart kommt.

Beeinträchtigen die vielen Spannungen nicht Ihr Arbeitsverhältnis?

Im Gegenteil. Wenn wir zusammen Musik machen, dann verspüren wir immer ein unglaubliches High. Und ich glaube, die Grundlage dafür sind Frust und Wut.

Inwiefern? 

Es ist leicht, jemandem etwas zu sagen, von dem du weißt, dass es ihn glücklich macht. Einen Freund zu kritisieren ist unangenehm – aber umso wichtiger, um sich gegenseitig voranzubringen. 

Was macht eine befruchtende Kreativbeziehung aus?

Es muss knistern und rauchen. Schau dir die großen Pop-Partnerschaften an: Lennon und McCartney, Jagger und Richards – jeder für sich ein Exzentriker, zusammen schufen sie geniale Musik.

When Eddie, Stewart, and i threw ...

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Was bedeutet, dass, wer erfolgreich sein will, sich einen Gegenpol suchen muss?

Genau. Such dir einen Reibebaum! Und wichtig: Lebt eure Gegensätze aus. Denn um das Beste aus dir und deinem Partner herauszuholen, darf sich keiner anpassen oder unterordnen. Sonst wird es schnell langweilig. Genau wie in einer Ehe.

Gut, aber wie finde ich meinen Gegenpol?

Planen kann man das nicht. Wollen Sie wissen, wie ich Anthony kennenlernte?

Klar!

Bei einer Schlägerei. Ich war vierzehn und vermöbelte einen nervigen Schulkollegen. Plötzlich tauchte Anthony auf und bellte mich an: „Lass den Typ los!“ Das lief auf einen heftigen Streit zwischen uns beiden hinaus, der damit endete, dass wir uns lachend in den Armen lagen. Kurz darauf wurden wir jedenfalls Freunde.

“Wenn wir zusammen Musik machen, dann verspüren wir immer ein unglaubliches High. Und ich glaube, die Grundlage dafür sind Frust und Wut.”
Flea

In seiner Autobiografie „Scar Tissue“ bezeichnet Kiedis Sie sogar als seinen Seelenfreund. Wie sehen Sie das?

Stimmt. Wir erlebten so viele erste Male gemeinsam: klauen, mit Mädchen rummachen, Acid nehmen. Wenn wir zusammen sind, verfügen wir über eine Energie, die alles möglich macht. Aber um ehrlich zu sein, ich habe sein Buch nie gelesen. Weil ich Angst davor hatte.

Das müssen Sie erklären.

Ich blätterte ein paar Mal darin. Es gab Stellen, die mir schmeichelten. Aber auch welche, über die ich mich richtig ärgerte: „Das stimmt doch gar nicht!“ Jeder erinnert sich anders, das ist klar. Aber ich wollte nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet.

Stießen Sie auch auf die Passage über Ihre Schwester?

Sie meinen, dass er mit ihr Sex hatte? Das wusste ich bereits. Ich war in besagter Nacht im Nebenzimmer.

Männerfreundschaften sind schon wegen weniger gravierender Dinge zugrunde gegangen …

Wenn meine Schwester mit jemandem vögelt, dann doch am liebsten mit meinem besten Freund. Es hat mich irgendwie sogar gefreut. Also dass sie ihn genauso toll fand wie ich.

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09 2016 The Red Bulletin

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