"The Magicians"-Stars Stella Maeve und Jason Ralph im Interview

„The Magicians“ - Wo „Harry Potter“ auf „Girls“ trifft

Interview: Holger Potye
Foto: Getty Images

The Red Bulletin bat Stella Maeve und Jason Ralph, die Stars aus der Hit-Serie „The Magicians“, uns zu zeigen, wie hinter den Kulissen der Hitshow gezaubert wird. 

Die Fantasy-SerieThe Magicians“ basiert auf Lev Grossmans gleichnamigem Bestseller-Roman. Nach einer erfolgreichen ersten Staffel wurde grünes Licht für weitere 13 Folgen voller Magie, Drama und Finger-Tricks gegeben. Für Stella Maeve und Jason Ralph also die perfekte Gelegenheit, noch tiefer in die „zauberhafte“ Welt einzutauchen und dem Alltag zu entfliehen.

 

THE RED BULLETIN: Jason, könnten Sie mittlerweile auch als professioneller Zauberer ihr Geld verdienen?

JASON RALPH: Ich beherrsche einige Tricks, weil mein Charakter Quentin (Coldwater, Anm.) in der Serie als Straßenzauberer beginnt und eine Menge Taschenspielertricks drauf hat. Wir hatten einige Zauberer am Set, die mir ihre Tricks gezeigt haben. Ich bin ganz gut mit Spielkarten. Damit kann man die Leute schnell beeindrucken. Du musst nur wissen, wie du dein Kartendeck hältst und kannst mit ein paar einfachen Tricks die Leute verzaubern. Es ist alles nur Illusion. Aber wir Menschen lieben nun mal Illusionen!

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Stella, wie steht’s um Ihre magischen Fähigkeiten?

STELLA MAEVE: Was meine Fingerfertigkeit betrifft, habe ich mich ziemlich gesteigert. Mein Serien-Charakter Julia ist am Anfang der Show darin ja ziemlich schlecht. Gegen Ende beherrscht sie dann einige Moves recht gut. Es ist fast so, als würdest du deine Hände tanzen lassen. Wir haben einen Coach am Set, der uns dabei hilft. Es macht echt Spaß.

JASON RALPH: Stella hat aber auch die perfekten Hände für den Job. Ich hingegen habe diese großen Wurstfinger, mit denen man kaum etwas anstellen kann. Ich hab‘ mir letztes Jahr an Weihnachten den Mittelfinger gebrochen. Er ist noch nicht ganz fit. (Lacht) Wahrscheinlich müssen sie ihn mit Digitaleffekten überziehen. Ich werde ein kleines grünes Fingerkäppchen tragen. Die CGI erledigt den Rest.


Wie schwierig war es, diese Fingertrick-Moves, die für die Serie essentiell sind, zu erlernen?

JASON RALPH: Wir nennen es „Finger tugging“. Es ist, als ob du Breakdance mit deinen Händen machen würdest. Im Web ist das mittlerweile der Hit. Es gibt schon eine Menge Fingertrick-Breakdancer, die ganz erstaunliche Moves drauf haben.

STELLA MAEVE: Es ist, wie wenn du Pop & Lock-Moves machst, aber eben mit deinen Fingern. 

JASON RALPH: In Lev Grossmans Roman steht, dass die Magie mit speziellen Finger-Gesten entfacht wird. Von dieser Idee sind wir ausgegangen und haben dann noch ein bisschen Finger-Zaubern hinzugefügt. Daraus ist dann „Finger-tugging“ entstanden. Unser Choreograph ist übrigens Breakdancer. Er gibt uns Finger-Tänze vor und wir können sie dann mit kleinen Spezial-Moves an unseren Charakter anpassen. Jeder von uns hat seinen eigenen Stil. Eliot (er wird von Hale Appleman gespielt, Anm.) lässt sich bei seinen Moves gerne auf die Finger schauen, während ich, also Quentin, meine Tricks eher im Verborgenen mache und so meine Gegner überrasche.

STELLA MAEVE: Ich liebe es, dass mein Charakter Julia (Wicker, Anm.) sehr direkt ist. Du bekommst also, was du siehst.

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The Magicians wird gerne als „Hogwarts trifft auf Gossip Girl“ beschrieben. Würden Sie dem zustimmen?

STELLA: „Gossip Girl“ passt für mich nicht ganz.

JASON: Ich würde „Gossip Girl“ durch die Serie „Girls“ ersetzen. Sie ist geerdeter und mutiger in Sachen Storytelling.

STELLA: „Girls“ ist sperrig und realer als „Gossip Girl“.

JASON: Und gleichzeitig auch ein bisschen …

STELLA: … skurril!

JASON: Und egozentrisch. 

Jason, Sie haben in „Peter And The Starcatcher“ am Broadway gespielt. Da ist Magie ebenfalls ein Thema …

JASON: Peter Pan und Quentin haben einiges gemeinsam. Sie sind beide Kids, die nicht erwachsen werden wollen. Das hat etwas sehr Romantisches und zugleich Tragisches. Sie wollen sich beide weiterentwickeln, ihre alte Haut ablegen, fühlen sich dazu aber außerstande.

Quentin flüchtet sich in der Serie gerne in die Fantasiewelten von Büchern. Flüchtet unsere junge Generation durch Magie und Superhelden in Film und TV vor der tristen Realität des Alltags?

JASON: Da bin ich mir nicht sicher. Amerika hat niemals Fabeln oder Märchen hervorgebracht. Das amerikanische Pendant dazu sind Comics. Und jetzt bietet sich uns zum ersten Mal die Gelegenheit, unsere Art von Märchen ins Kino oder Fernsehen zu übertragen. Ich persönlich finde das aufregend und betrachte es nicht als Flucht. Vielmehr kann man etwas über sich und die Welt dazulernen, hat dabei aber immer ein Sicherheitsnetz mit an Bord.

„Wirklich gute Fantasy schafft es, über die Welt des Phantastischen sehr menschliche Dinge aufzuzeigen.“
Jason Ralph

STELLA: Ich verstehe schon, warum die Menschen immer öfter unserer realen Welt entfliehen wollen und sich dafür in fiktive Welten begeben. Es passieren viele schlimme Dinge in unserer Welt. Da ist diese Art von Eskapismus nachvollziehbar.

JASON: Wirklich gute Fantasy schafft es, über die Welt des Phantastischen sehr menschliche Dinge aufzuzeigen. Dieses Ziel verfolgen wir auch bei „The Magicians“. Eine Menge guter Superhelden-Filme tun das ebenso. Oft muss man mit einem großen, groben Pinsel malen, um etwas sehr Einfaches zum Vorschein zu bringen. Um ein kleines Körnchen Wahrheit über das Menschsein an sich zu lernen. Ich denke also, dass diese amerikanischen Märchen sehr wichtig sind, nicht bloß eine Ablenkung oder Flucht in eine andere Welt. 

STELLA: Ich bin nicht ganz dieser Meinung. Ich fand Christian Bale als Batman großartig, bin aber generell kein großer Superhero-Fan. Ich wünschte, wir könnten all diese Superhelden-Blockbuster hinter uns lassen und zurück in die 80er-Jahre reisen, als an erster Stelle das Geschichtenerzählen stand, nicht die Spezialeffekte. Für mich ist unsere Serie aber anders. Wir erzählen keine Superhelden-Geschichte, wir erzählen Fantasy.

Wenn Sie einen Tag lang tatsächlich zaubern könnten, wofür würden Sie Ihre Fähigkeiten einsetzen?

JASON: Ich hoffe, ich würde die Magie für den Weltfrieden einsetzen. Vielleicht könnte ich ja Regenbogen der Liebe aus meinen Händen schießen lassen - so wie Captain Planet es mit den Herzen machte.

STELLA: Woodstock. Wir könnten Woodstock wieder auferstehen lassen.

JASON: Eine magische Gitarre wäre auch groovy.

STELLA: Wenn man mit Magie auf einmal alle Waffen verschwinden lassen könnte. Das wäre tatsächlich genial.

Haben Sie die Romane gelesen?

JASON: Ich denke, die meisten von uns Schauspielern haben die Romane für sich entdeckt, als wir zum Casting für die Serie eingeladen wurden. Wir waren alle rasch Fans der Bücher.

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STELLA: Das Coole daran ist, dass Lev Grossman genau wusste, dass seine fantastischen Welten gut beim Publikum ankommen würden. Es passt perfekt in unsere Zeit und Kultur. Es bot uns eine Möglichkeit, Spaß zu haben und sich gleichzeitig auch nicht zu ernst zu nehmen. Wenn du die Romane gelesen hast, findest du da Sätze a la „Dann lief ein Elf durch den Wald.“ Und du denkst dir:“Wirklich jetzt? Ein verdammter Elf läuft durch den Wald?“ Ich mag diese Verrücktheit, diesen Spirit. Alles ist möglich.

Wie genau hält sich die TV-Serie an die Buchvorlagen?

JASON: Wir folgen den zentralen Punkten der Geschichte. Dazwischen ist aber jede Menge Platz für eigene Interpretationen. In den Romanen wird die Geschichte nur aus Quentins Perspektive erzählt. In der TV-Serie können wir sie aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Wir bereichern also die Buchwelt, wenn man so will. Wir schmücken sie aus.

STELLA: Wir haben uns natürlich mit Lev Grossman abgesprochen und uns seinen Segen geholt.

Eine 2. Staffel wurde bereits bestätigt. Mit wie vielen Staffeln von The Magicians dürfen wir rechnen, nachdem es nur drei Romane gibt?

JASON: Ich glaube, sie wollen fünf oder sechs machen. Zumindest haben unsere Drehbuchautoren in diese Richtung gearbeitet. Wir haben bisher einige Teile aus dem ersten Buch verwendet und einige aus dem zweiten. Im zweiten Roman dreht sich alles um Julias Geschichte. Es gibt da jede Menge Flashbacks.

STELLA: Julia kommt im ersten Roman überhaupt nicht vor. Wir haben also Story-Parts von verschiedenen Romanen verwoben, um die Charaktere zusammenzubringen. Ich glaube, unsere Showrunner wollen die Geschichte nicht unnötig auf 7-8 Staffeln strecken. Ich denke, man kann sie auch in fünf oder sechs Saisonen erzählen.
 

Die erste Staffel hatte 13 Episoden. Bringt das nicht Unglück?

STELLA: Da muss ich widersprechen. 13 ist eine Glückszahl. Das hat mir meine Mutter immer wieder erklärt.

Sie sind beide auf Social Media unterwegs. Kann man als Schauspieler heute überhaupt noch darauf verzichten?

JASON: Mittlerweile steht in deinem Lebenslauf ja schon, wie viele Follower du auf Twitter hast. Aber gleichzeitig ist es eine gute Gelegenheit, mit deinen Fans zu kommunizieren.

STELLA: Anfangs dachte ich, dass Social Media dich total isolieren würde. Ich mochte es nicht besonders. Aber jetzt habe ich mich den Gesetzen der schönen, neuen Welt unterworfen und bin fleißig auf Twitter & Co unterwegs. Man kann das alles ja auch einsetzen, um sinnvolle Dinge zu tun.

JASON: Wenn ich viele Twitter-Follower habe, kann ich vielleicht auch viele unter ihnen dazu bewegen, sich für eine gute Sache einzusetzen.

Social Media und Spoiler sind ja so eine Sache …

JASON: Ich rege mich über Spoiler nicht so auf so. Es würde mich nicht davon abhalten, eine Serie anzuschauen. Es wäre nicht der Weltuntergang, wenn mir jetzt jemand das große Geheimnis hinter Game Of Thrones verraten würde.

STELLA: ‚Open the door!‘ Heißt es: ‚Open the door!‘? ‚Don’t go through the door!‘

JASON: Nein, es heißt ..‘Hold the door!‘

STELLA: ‚Hold the dooooor!‘

JASON: Hör auf, Stella! Bitte, hör auf. (Lacht)


The Red Bulletin hat Stella und Jason beim TV Festival in Monte Carlo getroffen.

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09 2016 The Red Bulletin

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