Kandou-Bus-CEO Amin Shokrollahi

Amin Shokrollahis Rezept für den Weg durch harte Zeiten

Foto: Amin Shokrollahi

Fünf Jahre lang bangte Amin Shokrollahi Monat für Monat um sein Unternehmen. Wie der CEO von Kandou Bus durchhielt, sein Team durch diese schwierige Phase führte und für seine Behaarlichkeit belohnt wurde.

Silbergraues Haupthaar ziert den Kopf von Amin Shokrollahi. „Die sind alle in den letzten fünf Jahren gekommen“, meint der 52-Jährige. Kein Wunder, denn in diesem Zeitraum lebte er mit seinem Unternehmen von der Hand in den Mund. „Es war hart, hart, hart. Ich wusste nie, ob es uns im nächsten Monat noch geben würde“, erklärt er.

Von 2011 bis 2016 musste der Gründer und CEO von Kandou Bus, einem Hightech-Unternehmen für Chip-to-Chip-Kommunikation, auf den Durchbruch warten. „In dieser horizontalen Technologie-Branche ist es schwierig, das richtige Produkt zu kreieren, das den Markt durchdringt. Wir haben viele großartige Schritte gemacht, aber nicht alle davon gingen in die richtige Richtung. Aber das wussten wir damals noch nicht“, meint Shokrollahi rückblickend.

Viele kämen irgendwann in Versuchung, von ihrem eigentlichen Weg abzuweichen, sich in eine andere Richtung zu entwickeln. Doch in seinen Augen ist das der falsche Ansatz. Eine gewisse Flexibilität sei notwendig, aber der grundsätzliche Fokus dürfe nicht zugunsten kurzfristiger Einnahmen verloren gehen. „Halt an deinem Businessplan fest!“, rät er davon ab, sich zu verbiegen. „Die Leute sagen dir: Du bist kein guter CEO! Ein guter CEO würde sogar Taxifahren, um Einnahmen zu lukrieren. Das ist einfach nicht wahr.“ 

„Die Leute sagen dir: Du bist kein guter CEO! Ein guter CEO würde sogar Taxifahren, um Einnahmen zu lukrieren. Das ist einfach nicht wahr.“ 

Shokrollahi blieb seiner Linie treu. Trotz vieler Tiefen. Während das Geld nach und nach weniger wurde und er jeden Monat aufs Neue zitterte, musste er gleichzeitig als Boss vorangehen und sein Team durch diese schwierige Zeit führen. „Du musst sie zusammenhalten. Das ist das Härteste. Ich habe immer versucht, eine positive Einstellung zu unserem Projekt zu vermitteln, aber ich war auch überzeugt davon, dass jeder - egal was ich sagte - wusste, wie ernst die Lage war. Ich war völlig überrascht, als mir Leute später offenbarten, dass sie das nicht wussten. Es habe immer alles gut geklungen, was ich gesagt habe“, zeigt sich Shokrollahi verblüfft. 

Immer wieder erging es ihm so. Aber das Wichtigste sei, so sein Appell, die engsten Vertrauten niemals im Dunkeln tappen zu lassen: „Personen, die dir nahe stehen, das Gründerteam oder Personen in einer verantwortungsvollen Position, müssen immer wissen, was abgeht. Lüg sie nicht an. Diese Leute müssen die überzeugte Entscheidung treffen, trotz der Probleme im Unternehmen zu bleiben. Das tun sie meist, weil sie oft von Anfang an dabei waren. Sie müssen überzeugt sein und wenn sie es nicht sein sollten, dann ist es wahrscheinlich besser, sie gehen zu lassen.“

2016 dann die Erlösung. Kandou Bus zog den ersten großen Kunden an Land und generierte wenig später ein Investment in Höhe von 15 Millionen US-Dollar. Shokrollahis Beharrlichkeit hatte sich ausgezahlt und er durfte sich in seinem Unternehmertum bestätigt fühlen.

„Wenn du ein Entrepreneur bist, unterscheidest du dich schon sehr von den meisten. Du hast den Instinkt, das richtige Setup in deinem Kopf. Hör darauf!“, meint Shokrollahi.

„Was das Beste daran ist, Entrepreneur zu sein? Du bist der Herr über dein Schicksal“, sagt er. „Du musst dich nicht mit schwerfälligen Prozessen und Strukturen in einem Konzern herumschlagen, es kommt nur auf dich an. Du springst einfach ins Wasser und schwimmst.“

Mit Startup Milestones betreibt Florian Kandler, selbst mehrfacher Founder, ein Portal mit dem Ziel, Erfahrungen von Gründern aus ganz Europa weiterzugeben. Mit Amin Shokrollahi sprach er u.a. über seine Anfänge als Entrepreneur, den Unterschied zwischen Investoren in Europa und den USA sowie die Gemeinsamkeiten von Forschern und Unternehmern. 

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