Frank Thelen, der Geek unter den Startup-Investoren

Frank Thelen - Gründer, Investor, Geek

Interview: Christoph Kristandl
Foto: VOX/Benno Kraehahn

Er ist einer der gefragtesten Männer der deutschen Startup-Szene, Star der Show „Die Höhle der Löwen“ und süchtig nach der allerneuesten Technik. Frank Thelen im Gespräch über seine Karriere, Rückschläge und den Reiz seines Berufs.

Stillstand heißt Rückschritt, das gilt für Frank Thelen auch bei unserem Interview. Unsere Fragen beantwortet der bekannteste Startup-Investor Deutschlands während er sich zwischen zwei Terminen seinen Weg durch ein Bürogebäude bahnt. Natürlich mit den neuesten Wireless-Kopfhörern im Ohr (nicht die aktuellsten Gadgets zu haben macht ihn wahnsinnig) und standesgemäß per Videotelefonie. Immerhin sorgte letztere Technologie dafür, dass Thelen sich überhaupt mit dem „Unternehmervirus“ infizierte und seine Karriere als Serien-Gründer und Investor startete.

Im The Red Bulletin Innovator-Interview spricht der selbsternannte Geek über …

  • seine Faszination für Technik
  • seinen schlimmsten Pitch
  • den Umgang mit Rückschlägen
  • das Schönste an seinem Beruf
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THE RED BULLETIN INNOVATOR: Herr Thelen, Sie bezeichnen sich selbst als Geek. Wie geeky sind Sie?

FRANK THELEN: Ich brauche immer die neueste Hard- und Software und wenn irgendetwas in diesem Universum nicht perfekt ist, dann drehe ich durch. Ein Beispiel: Ich habe vier Jahre lang auf 5k-Monitore von Apple gewartet – und dann sind sie nicht richtig gegenüber WI-FI-Signalen abgeschirmt. Deswegen habe ich heute Morgen alle Monitore in meinem Büro umgetauscht und warte jetzt auf die neue Version mit dem entsprechenden Shield. So etwas interessiert einen normalen Manager natürlich nicht, aber es macht mich genauso wahnsinnig, wie nicht die besten Bluetooth-Kopfhörer zu haben. Und meinen Tesla habe ich gerade zum vierten Mal umgetauscht, weil es ständig neue Hardware-Features gibt - die brauche ich dann einfach. Bei Autos ist das zugegeben relativ teuer. Da ich mich in der glücklichen Lage befinde, mir das finanziell erlauben zu können, überwiegt aber die technische Neugier. Nicht auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein, macht mich fertig.

© Youtube // Startup TV

Woher kommt dieses enorme Interesse an Technik?

Mich hat es in meiner Jugend fasziniert, dass man Games cracken konnte. Ich konnte mir die Spiele damals nicht leisten und habe deswegen gelernt zu programmieren. Damals war das relativ trivial, du bist bei der Passwortabfrage einfach mit einem Assembler-Befehl in die nächste Code-Zeile gesprungen. Aber es hat mich begeistert, wie man auf diese Weise eine Maschine unter Kontrolle bekommt. Von da an habe ich immer mehr in diese Richtung ausprobiert und gesehen, dass ich so als einfacher Mensch auf einmal etwas verändern konnte.

Heute unterstützen Sie viele andere Menschen dabei, etwas zu verändern. Was motiviert Sie, immer wieder in neue Startups zu investieren?

Wenn du einmal begriffen hast, dass du die Welt beeinflussen kannst, indem du ein Problem erkennst und es löst, dann kannst du nicht mehr damit aufhören – zumindest konnte ich es nicht. Das ist der „Unternehmervirus“. Und wenn ich heute gute Gründer sehe, die auch diesen Spirit in sich haben, dann sagt mir meine innerste Stimme: „Du musst denen jetzt helfen und das mitaufbauen!“ 

„Das Schönste ist für mich, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die besser sind als ich.“

Wann genau haben Sie sich mit diesem „Virus“ infiziert?

Da war ich 16 und Teil eines fünfköpfigen Teams in Bonn. Wir haben damals ein Bildschirmtelefon entwickelt, das nicht über das Internet funktionierte, sondern über ISDN, die erste schnellere Telefonleitung. So etwas gab es zu dieser Zeit in der Masse noch nicht, wir konnten damit aber schon 1990 Videotelefonie realisieren. Das war ein unglaublich starkes Gefühl.

Mit 16, das klingt wirklich recht geeky. Muss man sich den jungen Frank Thelen in etwa wie einen der Charaktere in The Big Bang Theory vorstellen?

Die Jungs sind ja nicht ganz so Software-getrieben wie ich, … aber irgendwie kommt das schon hin. Keine Partys und wenig Mädels, so sah meine Jugend auch aus. Nur dass ich mich mehr mit Programmieren und dem Erschaffen von Produkten als mit Forschung beschäftigt habe, ich habe ja auch nie studiert.

Als Investor haben Sie natürlich schon tausende Präsentationen von Ideen und Produkten gesehen. Aber wie liefen eigentlich Ihre ersten Pitches?

Ich kann Ihnen vom „Highlight“ meiner Präsentationskarriere erzählen: Ich hatte damals eine Software zum Managen von Logistikkonzernen entwickelt. Als ich sie einem Unternehmen vorgestellt habe, habe ich es so technisch präsentiert, dass der Chef kein Wort verstanden hat. Er verließ den Raum mit den Worten: „Das war die schlechteste Präsentation, die ich je gesehen habe, den möchte ich hier nicht mehr sehen.“

Das muss man erst einmal verdauen.

Aber das ist Teil des Unternehmergens – das Aufstehen und Weitermachen. Wenn man kein Typ ist, der es verträgt, auch mal richtig böse hinzufallen, dann sollte man nicht gründen. Ich habe eine Menge Kram an den Kopf geworfen bekommen und bin richtig heftig hingefallen, aber mein Instinkt forderte, immer wieder aufzustehen. 

Aber was bewegt einen nach solch einem Rückschlag dazu, trotzdem weiterzumachen?

Die Motivation der Technik. Mir ging es immer um das Produkt, das wollte ich bauen und verkaufen. Über Niederlagen habe ich dabei nie nachgedacht, sondern mich vom Produkt führen lassen. Wenn man gründet, nur um zu gründen, wird das nicht funktionieren. Man muss sein Produkt unbedingt herstellen wollen, man braucht diese unbändige Motivation, dass man nicht damit leben kann, solange dieses Produkt nicht fertig ist. Nur dann kann man Erfolg haben, denn man wird Rückschläge haben. Deswegen muss man so von der Wichtigkeit seines Produktes überzeugt sein, dass sie einem egal sind. 

Was macht für Sie Ihren Beruf als Entrepreneur und Investor aus?

Das Schönste ist für mich, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die besser sind als ich. Menschen, die mich staunen lassen und die mir zeigen, dass ich vielleicht doch nicht auf dem neuesten Stand bin und von denen ich noch viel lernen kann. Diesen Menschen helfen zu dürfen, ist jeden Tag eine große Freude und Ehre. 

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04 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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