Alex Soojung-Kim Pang: Effizienter arbeiten

Alex Soojung-Kim Pang:
Wie man effizienter arbeitet

Text: Florian Obkircher
Foto: SAROYAN HUMPHREY

Alex Soojung-Kim Pang ist Zukunftsforscher. Hier erklärt er, wie man seine Produktivität steigert. Sein Credo: Weniger arbeiten, mehr erreichen.

Im Silicon Valley wird er als Querdenker gefeiert: Alex Soojung-Kim Pang, wissenschaftlicher Leiter am dortigen Institute for the Future, bringt gestressten Managern bei, wie man effizienter arbeitet. Seine verblüffende Botschaft: „Tu weniger, erreiche mehr.“ Wie man diesen Ansatz auf das eigene Berufsleben ­anwendet, verrät der US-Bestsellerautor im Interview.
 

THE RED BULLETIN: Herr Pang, in Ihrem neuen Buch „Pause“ behaupten Sie, dass man mehr erledigt bekommt, indem man weniger arbeitet. Wie soll das gehen?

ALEX SOOJUNG-KIM PANG: Der Schlüssel liegt in der ­Freizeitgestaltung.

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Was meinen Sie damit?

Schauen Sie sich Charles ­Darwin an. Der Mann schrieb in seinem Leben mehr als zwanzig Bücher. Dabei arbeitete er konsequent maximal vier Stunden pro Tag. Mit ­dieser Einstellung würde er heute in jeder Firma gefeuert werden. Weil wir an einen direkten Zusammenhang ­zwischen Arbeitszeit und ­Produktivität glauben. 

Klingt doch schlüssig, oder?

Ich halte Vorträge in aller Welt. Wissen Sie, was fast alle meine Zuhörer eint?

Verraten Sie es mir!

Sie antworten auf die Frage nach ihrer Verfassung mit „Ich bin gestresst“. Wir glauben, dass etwas nicht mit uns stimmt, wenn wir nicht überarbeitet sind. Das ist verrückt!

Bei Darwin war das anders?

Wenn Charles Darwin nicht am Schreibtisch saß, ging er stundenlang spazieren. Genau wie Friedrich Nietzsche. Der meinte: „Ich würde nur einem Gedanken trauen, der mindestens zehn Kilometer gewandert ist.“ Weil beiden klar war, dass sich Arbeit und Freizeit gegenseitig befruchten.

Alex Soojung-Kim Pang über „Pause“ (ab 03:40)

© youtube // DLDconference

Inwiefern?

Neurowissenschaftliche ­Forschungsergebnisse zeigen, dass unser Gehirn auch aktiv ist, wenn wir scheinbar nichts tun. Mehr noch: Das Unterbewusstsein ist offenbar beim Problemlösen besser als das Bewusstsein! Deshalb kommen einem die besten Ideen oft gerade dann, wenn man nicht am Schreibtisch sitzt.

„Charles Darwin arbeitete nur vier Stunden am Tag. Mit dieser Einstellung würde er heute gefeuert werden.“
ALEX SOOJUNG-KIM PANG

Gut, aber wie komme ich als Nicht-Genie beim Aus­ruhen zu Geistesblitzen?

Natürlich werden Sie kein physikalisches Aha-Erlebnis haben, wenn Sie kein Physiker sind. Sie müssen sich intensiv­ mit Ihrem Arbeitsgebiet beschäftigen, um Ihr Unter­bewusstsein zu stimulieren. 

Weniger Arbeit macht nicht automatisch produktiver?

Genau wie Sportler, die bewusst pausieren, kann man auch beim Rasten besser werden. Voraussetzung für richtiges Rasten ist, dass Sie sich bewusst dazu entscheiden. 

Produktiv sein abseits deines Schreibtischs - Lass dich von dieser Playlist inspirieren!

Wie rastet man richtig?

Fangen Sie klein an: Gönnen Sie sich jeden Tag zehn Minu­ten, in denen Sie bewusst an nichts denken. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen, greifen Sie nicht ein. Tun Sie das im Freien. Machen Sie eine ­Routine daraus. Gehen Sie jeden Tag spazieren. Und: Nehmen Sie ein Notizbuch mit – um Ihre vielen neuen Ideen niederzuschreiben.

Wie kann ich Arbeitsphasen produktiver gestalten?

Setzen Sie sich ein gewisses Arbeitspensum und arbeiten Sie konzentriert, lassen Sie sich nicht ablenken.

The UK edition of REST, published by Penguin as

The UK edition of REST, published by Penguin as part of its Penguin Life series.

Nicht immer einfach in ­einem Großraumbüro …

Eine perfekte Lösung für dieses Problem gibt es nicht. Was hilft: Besorgen Sie sich geräuschmindernde Kopf­hörer, nutzen Sie leerstehende Meetingräume, arbeiten Sie tageweise von daheim aus.

Klingt gut. Aber wie erkläre ich meinem Chef, dass er davon profitiert, wenn ich mich weniger blicken lasse?

Knifflig! Aber selbst im Silicon Valley findet derzeit ein Umdenkprozess statt, ausgelöst vom Samsung-Skandal. Das ­Management hatte angeblich den Befehl ausgegeben: „Für die nächsten sechs Monate verlässt niemand das Büro, bis das Galaxy S7 fertig ist!“ Heraus kam ein Handy, das beim Aufladen explodieren kann. 

Die Lehre daraus?

Es bringt nichts, sich als Überstundenmärtyrer hervorzutun oder seine Mitarbeiter darauf zu drillen. Mein Rat: Schalten Sie Ihr Smartphone aus, verlassen Sie Ihren Schreibtisch – und gehen Sie raus an die frische Luft.

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03 2017 The Red Bulletin

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