Star Wars Hologramme

Aus neuen Winkeln: „Star Wars“-Hologramme

Illustration: HERI IRAWAN

Tristan Duke entwickelt „Star Wars“-Hologramme. Auf Schallplatten. Mit seiner Geisteskraft.
Tristan Duke
Tristan Duke, 35

Der Kopf dahinter 
Dukes Hologramm-Muster werden in Schallplatten graviert. Trifft Licht auf die sich drehende Scheibe, erscheinen 3D-Bilder des Millennium Falken oder des TIE-Jägers.

 

 

„Helft mir, Obi-Wan Kenobi, Ihr seid meine letzte Hoffnung.“ – Diese „Star Wars“-Szene machte Hologramme 1977 weltberühmt. „‚Star Wars‘ machte das Hologramm zum Alltagsbegriff“, sagt der Künstler Tristan Duke.

Für seine handgravierte Special Edition einer Schallplatte mit dem Soundtrack von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – beim Abspielen erscheinen 3D-realistische Hologramme – erhielten Walt Disney Records und er den renommierten Clio Award

Erfahre im Artikel, …

  • wie die Idee von Hologrammen auf Schallplatten entstand
  • welche Rolle die „White Stripes“ spielten
  • wieso „Star Wars“ unrealistische Erwartungen weckt
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Vinyl mit Hologramm? Wie kommt man auf diese Idee?

Durch den amerikanischen Hobby-Wissenschaftler William Beaty. Er stieß in den 90ern auf einem Parkplatz auf ein zufälliges Hologramm, Licht in Form einer Hand über einer Motorhaube. Wahrscheinlich hatte jemand beim Polieren den Lack zerkratzt. Als Sonnenstrahlen auf die Kratzer trafen, formte ein Teil des reflektierten Lichts eine Hand. Die Sache ging mir nicht aus dem Kopf: Fotografie verhält sich zu Zeichnen wie Holographie zu … wozu? So kam ich zum „holographischen Zeichnen“, wie ich es nenne, dem Eingravieren von Mikroreflektoren und Rillen in eine Platte, über der somit durch Reflexion Hologramme erscheinen.

Du kratzt zur Tonspur eine Lichtspur in die Platte?

Könnte man so sagen. Jack White (Sänger der 2011 aufgelösten Rockband The White Stripes; Anm.) war der Erste, der diese Möglichkeit erkannte. Er rief mich an und sagte: „Ich brauche so ein Hologramm auf meinem nächsten Album!“ Ich entwickelte also für „Lazaretto“ das Hologramm eines rotierenden Engels, der beim Abspielen der Platte erscheint.

Ein kurzer Blick auf die speziellen „Star Wars“-Vinyls.

© YouTube // disneymusic

Herkömmliche Hologramme entstehen durch Beschuss eines Objekts mit Laserlicht, die Reflexion wird auf hochauflösenden holographischen Film gebannt. 

So wurden die „Star Wars“-Leute auf dich aufmerksam?

Genau. Als sie mich kontaktierten, war ich total aufgeregt. Weil ich wusste, wie perfekt Hologramme in die „Star Wars“-Welt passen. Das Schwarz des Vinyls ist auch der ideale Hintergrund, weil es wie der Weltraum wirkt. Bei „Lazaretto“ wirkten die Hologramme noch sehr zweidimensional, bei „Star Wars“ sieht es zum ersten Mal so aus, als würden tatsächlich dreidimensionale Objekte über der Platte schweben.

Wie transferierst du reale 3D-Objekte auf eine zweidimensionale Unterlage?

Erster Schritt sind Skizzen aus verschiedensten, auch sehr ungewöhnlichen Blickwinkeln. Ich muss die Objekte vor meinem geistigen Auge abstrahieren. Und ich muss ziemlich gut in Geometrie sein, nur so können dreidimensionale holographische Zeichnungen gelingen.

Und wieso sehen die echten Hologramme nicht so gut aus wie die im Film?

„Star Wars“ hat Erwartungen geweckt, die die Möglichkeiten der Holographie dramatisch übersteigen. Beim Fotografieren kriegst du ein unscharfes Bild, wenn die Kamera wackelt. Bei durch Laser erzeugten Hologrammen reichen mikroskopisch kleine Verschiebungen, und du hast gar kein Bild. Außerdem musst du Objekte im Maßstab 1:1 umsetzen: Wenn du den Eiffelturm projizieren willst, brauchst du also eine genauso große Platte fürs Hologramm. Das ist das Schöne am holographischen Zeichnen: Ich muss nicht erst Objekte finden, sondern kann alles zeichnen, was ich mir vorstellen kann.


Mehr über das Projekt: infinitylightscience.com

 

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12 2016 The Red Bulletin

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