SunnyBAG-CEO Stefan Ponsold im Interview

Stefan Ponsold: „Unregelmässigkeit ist die einzige Konstante“

Interview: Christoph Kristandl
Bild: SunnyBAG/Sebastian Reich

Stefan Ponsold geht mit SunnyBAG den nächsten Schritt. Sein neues Leaf+ ist das effektivste Solarpanel für Outdoor-Enthusiasten. Mit The Red Bulletin Innovator hat der Grazer über das Leben als Erfinder und Unternehmer gesprochen.

Light is all around you – diesem Motto folg SunnyBAG um Gründer Stefan Ponsold. Das Startup nutzt die seit Urzeiten bestehende Kraft der Sonne, um moderne Mobilgeräte mit Solarpower zu füttern. Aktuell darf sich Ponsold über eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für sein SunnyBAG LEAF+, das weltweit stärkste und leichteste Solarpanel, freuen. Der Steirer weiß aber, dass das Leben als Entrepreneur nicht nur auf der Sonnenseite stattfindet. „Die einzige Konstante: dass jeder Tag anders ist“, meint er.

THE RED BULLETIN: Herr Ponsold, welche Vision trieb Sie an, sich der Solarenergie zu verschreiben?

STEFAN PONSOLD: Mobile Energieversorgung wird immer wichtiger und diesen Bedarf will ich mit meinem Team auf umweltfreundliche Art lösen. Die Sonne versorgt unseren Planeten schon so lange mit Energie, und wir wollen diesen mächtigen Stern auch für moderne Kommunikationsmittel bestmöglich anzapfen.

Das Thema alternativer Energiequellen beschäftigt die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten. Warum konnte sich Solarenergie dennoch nicht breitenwirksam durchsetzten? Warum sind beispielsweise nicht alle öffentlichen Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet?

Letzten Endes liegt es an der Wirtschaftlichkeit. Das Erste, das vom Architekten gestrichen wird, um die Gesamtkosten zu senken, ist die Photovoltaikanlage. Ihre Wirtschaftlichkeit ist nur bei längerfristiger Nutzung gegeben und steht im Wettbewerb mit beispielsweise Kohlekraftwerken, die kurzfristig gesehen profitabler sind und günstigeren Strom produzieren können. In meinem Studium habe ich mich dem Thema intensiv gewidmet und gesehen, dass Deutschland sogar teilweise Stromüberschüsse hat, die in andere Länder weitergeleitet werden müssen. Die Wirtschaftlichkeit spielt aber keine Rolle mehr, wenn ich am Berg bin und einen Notruf absetzen muss. Wenn dann der Handyakku leer ist, ist das ziemlich blöd.

© Youtube // SunnyBAG

Auch bei Ihnen dauerte es mehrere Jahre, bis Ihr Unternehmen schwarze Zahlen schrieb. Haben Sie zwischenzeitlich an Ihrem Projekt gezweifelt?

Zweifel gibt es laufend. Die Produktentwicklung lebt auch davon, dass man sich immer weiter verbessern will und mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden ist. Ansonsten würden wir ja gar keine neuen Produkte entwickeln. Die Thematik erfüllt mich und mein Team täglich mit so viel Energie, die uns in schwierigen Phasen wiederum Kraft gibt - „Light is all around you“, eben. Diese Leidenschaft brauchst du auch, um manchmal nicht aufzugeben.

SunnyBAG Leaf+

- Die Kombination von hocheffizienten Sunpowerzellen und Amorphes-Silicium-Zellen sorgt für optimale Energiegewinnung bei verschiedenen Lichtverhältnissen.

- Bei direkter Sonneneinstrahlung liefert das flexible, wasserresistente Solarpanel 6,2 Watt. Damit wird ein Smartphone in weniger als zwei Stunden von 0 auf 100 Prozent geladen.

- Das Lithium-Ionen-Akkupack speichert Energie für zeitversetztes Laden.

Ihre erste Crowdfunding-Kampagne war ein großer Erfolg, die zweite blieb hinter den Erwartungen. Nummer drei läuft aktuell wieder gut – was haben Sie anders gemacht?

Bei der zweiten Kampagne war das Produkt einfach nicht interessant genug, es hat kein wirklich schmerzhaftes Problem gelöst. Die „SmartBattery“ hat uns als Techniker fasziniert, weil sie dem User über die dazugehörige App erstmals genau darstellt, wie viel Energie produziert wird. Via Social Media kann man das Ergebnis mit seinen Freunden teilen, was ein völlig neues Bewusstsein für grüne Energie schafft.

Das neue SunnyBag Leaf+

Das Thema wurde zwar nicht angenommen, ich bin aber heilfroh, dass die Kampagne uns das aufgezeigt hat. Sonst hätten wir vielleicht viel Geld in die Produktion investiert und jetzt 5000 Stück davon auf Lager, die keiner will. Wir nehmen das so hin, als Indikator, der dir zeigt, ob ein Produkt auf dem Markt funktioniert. Der Nachteil: Du bist im Rampenlicht. Es kann immer auch voll in die Hose gehen. Und das Ergebnis kann man nicht rückgängig machen.

Was ist das Besondere am LEAF+?

Dank der neuen Komponenten bringt es doppelt so viel Leistung wie sein Vorgänger, bei gleicher Größe und gleichem Gewicht. Die Sunpowerzellen sind dieselben, die Bertrand Piccard für die Weltumrundung mit seiner „Solar Impulse“ verwendete. Sie sind bei direkter Sonneneinstrahlung enorm effektiv. Das mittlere Panel arbeitet bei diffusem Licht besser und bewahrt die von Kunden geschätzte Flexibilität. Die Kombination macht es aus. Die verschiedenen Charaktereigenschaften ermöglichen ein breites Spektrum von Anwendungsfällen im Outdoor-Bereich und ergeben das weltweit stärkste und leichteste Solarpanel dieser Größe.

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Sie hegten schon in sehr jungen Jahren den Wunsch, Erfinder bzw. Unternehmer zu werden. Woher kam diese Idee?

Ich habe ständig Dinge zerlegt. Zum Beispiel den damals brandneuen CD-Player meines Vaters. Ich wollte den Laser des Geräts sehen und habe es komplett auseinander genommen – wir konnten es nie mehr zusammensetzen. Als Volksschüler ich habe meinen Vater einmal gefragt, ob ich als Beruf auch Erfinder werden kann. Er baute mich auf und sagte: „Alles, wovon man leben kann, ist ein Beruf.“ Mich haben solche Dinge immer interessiert. Das ist bis heute so geblieben und es macht mir einfach Spaß, etwas Neues zu schaffen, mit dem Leute eine Freude haben. 

Und ist das Leben als Unternehmer so, wie Sie es sich schon als Knirps vorgestellt haben?

Meine Eltern waren beide Unternehmer. Daher habe ich mitbekommen, dass es normal ist, dass es immer auf und ab geht. Die einzige Konstante: dass jeder Tag anders ist. Prognosen und Businesspläne erfüllen sich in einem von 100 Fällen und von zehn Startups wird aus dreien etwas. Wenn du mit dieser Einstellung anfängst, hast du schon mal eine realistische Sichtweise.

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Was macht für Sie einen guten Unternehmer aus?

Dass er ein sehr breites Spektrum an Kompetenzen und Fähigkeiten abdeckt. Man muss am Anfang nicht überall der Beste sein, aber du musst in vielen Bereichen Ahnung haben. Du musst etwa mit Programmierern auf Augenhöhe über Quellcodes reden können, du musst dich aber auch gut präsentieren können und einen Überblick über die Finanzen haben. Das kann man auch durch ein interdisziplinäres Team auf mehrere Schultern aufteilen. Aber was du ebenfalls brauchst, ist das Gespür, was passen könnte. Diesen Taste können auch Managementtools und Szenarien nicht ersetzen. Und das Wichtigste ist, nicht den Spaß an der Arbeit zu verlieren. Ich denke, wir sind eine Generation, die das auch vermehrt einfordert. Es ist nicht mehr wichtig, möglichst viel zu verdienen, sondern abends nachhause zu gehen und einen Sinn in seinem Tun zu sehen.

Und wie begegnen Sie schlechten Tagen, an denen Ihnen der Spaß abhanden zu kommen droht?

Auspowern. Zum Glück habe ich hinter meiner Wohnung in Graz gleich einen kleinen Berg, den Plabutsch. Rein in die Laufschuhe und Gas geben, bis ich nicht mehr kann, das hilft. Das mache ich auch, wenn ich nervös bin. Als ich bei Barbar Stöckels „Nighttalk“ eingeladen war, wusste ich gar nicht, was ich eine Stunde lang erzählen soll. Alleine der Gedanke daran hat mir den Schweiß auf die Stirn getrieben. Aber nachdem ich mich ausgepowert hatte, war ich völlig ruhig und entspannt.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie als Erfinder und Unternehmer?

Das klingt zwar abgedroschen, aber im Moment ist das Elon Musk. Es ist unglaublich, wie er Probleme auf die physikalische Ebene herunterbricht und löst. Er sieht, dass ein 1-Kilowattstunden-Akku 600 Dollar kostet, die einzelnen Komponenten aber nur 60 Dollar, und sagt: „Dann bau‘ ich mir mit Panasonic eben ein eigenes Akku-Werk.“ Solche Leute inspirieren mich, weil sie zeigen, dass sie die ganze Industrie auf den Kopf stellen können.

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09 2016 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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