Ricky Ma mit seinem Scarlett-Johansson-Roboter

Wie sich Ricky Ma seine eigene Scarlett Johansson baute

Interview: Christoph Kristandl
Foto: Ricky Ma

Jede Menge Zeit und Geld investierte Ricky Ma in den Bau seines Roboters, der wie Scarlett Johansson aussieht. Der Look spielt aber gar keine so große Rolle, meint Ma im Interview.

Roboter begeistern Ricky Ma schon seit seiner Kindheit und deshalb fasste er 2015 den Entschluss, sich einen Traum zu erfüllen: den Bau seines eigenen Roboters. Doch die Kreation des Grafik- und Produktdesigners aus Hong Kong ist kein kantiger Blechkammerad. „Mark 1“, wie Ma ihn nennt, sieht aus wie Hollywoodstar Scarlett Johansson. Und die blonde Schönheit aus Silikon, Plastik und viel Technik soll nur der Anfang sein, wie Ma im Interview verrät. Erfahre …

  • welche Motivation Ricky Ma antreibt
  • wie viel Zeit und Geld ihn das Projekt kostet
  • was hinter dem Aussehen des Roboters steckt
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THE RED BULLETIN INNOVATOR: Herr Ma, warum baut man sich einen Roboter, der wie Scarlett Johansson aussieht?

RICKY MA: Tatsächlich spielt das Gesicht meines Roboters keine große Rolle. Es gefiel mir einfach, einen attraktiven und speziellen Charakter aus dem Film und Fernsehen dafür zu verwenden. Und ehrlich gesagt denke ich, dass ein hübsches Gesicht meinem Roboter mehr Aufmerksamkeit verschafft.

Das heißt, es geht Ihnen primär um den Roboter an sich. Woher kommt diese Begeisterung?

Als ich noch ein Kind war, habe ich es geliebt, Roboter-Comics zu lesen oder -Filme zu sehen. Roboter konnten einfach alles und haben den Menschen geholfen. Außerdem förderten sie immer meine Vorstellungskraft, weshalb ich mich bis heute stets mit diesem Feld beschäftige. 

© Youtube // Ricky Ma

Aber warum trafen Sie die Entscheidung, sich selbst einen zu bauen?

Vor zwei Jahren dachte ich: „Was ist eigentlich das eine große Ding, das ich designen möchte?“ Da kamen mir meine Kindheitsgedanken wieder in den Kopf, der Traum meiner Jugend war ein eigener Roboter, daher fragte ich mich, ob ich selbst einen solchen Roboter bauen könnte? Im Jänner 2015 begann ich dann einfach damit.

… und beantworteten die Frage mit „Ja“. Sie haben alles bei sich zuhause in Ihrer Wohnung gebaut?

Ja, auf gut 30 Quadratmetern. Die Produktion war eine richtige Herausforderung, aber auch ein Erlebnis.

„Ich will Roboter bauen, aber in meinem Leben will ich kein Roboter sein!“

Woher haben Sie das technische Know-How dafür?

Ich habe schon als Kind viel über Technik gelernt, als mich mein Vater oft in Fabriken mitgenommen hat. Zudem habe ich es schon immer geliebt, kaputte Dinge auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen. Und meine 24 Studien- und Arbeitsjahre im Grafik- und Produktdesign-Sektor kamen mir natürlich auch zugute. Aber ich muss noch viel lernen, denn es gibt komplizierte Fragen, die ich noch lösen muss. Etwa welche elektrische Spannung passend für die Vorgänge an meinem Roboter ist, wie das Programm-Skript geschrieben werden muss und wie man die Komponenten zusammenfügt. Während des Produktionsprozesses gab es viele, viele Rückschläge, aber ich denke, meine Leidenschaft verhilft mir zum Erfolg.

Wie reagierte eigentlich Ihr Umfeld auf Ihre ungewöhnliche Idee?

Ich habe mich dazu entschlossen, mich voll und ganz auf das Projekt zu konzentrieren, keine anderen Aufträge anzunehmen und dazu auch meine Ersparnisse anzuzapfen. Anfangs fragten mich meine Freunde, ob ich wirklich bereit sei, dieses Risiko einzugehen. Sie meinten, ich wäre verrückt und würde Zeit und Geld verschwenden. Natürlich sind viele Menschen der Ansicht, es habe Priorität, einen guten Job zu finden, eine Familie zu gründen, sich ein Eigenheim zu kaufen und ein stabiles Leben zu führen. Aber das würde nicht meinem wahren Ich entsprechen! Ich will Roboter bauen, aber in meinem Leben will ich kein Roboter sein!

Die Bedeutung des Namens „Mark 1“

„Er beinhaltet meinen Nachnamen.“

„Das M und das K stehen für Mong Kok, der Stadtteil in Hong Kong, in dem ich lebe.“

„Mein Lieblings-Bibelvers ist Mark (Engl. für Markus, Anm.) 9,23: ‚Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.‘“

Wie viel Zeit und Geld haben Sie bislang in das Projekt investiert?

Ich verbringe den ganzen Tag damit, an meinem Roboter zu bauen. Vom Morgen an bis Mitternacht. An jedem Tag der letzten eineinhalb Jahre. Die Kosten für 3D-Drucker, Vakuum-Gießmaschine, flüssiges Silikon, das Motherboard, Computer, Motor, Metall, etc. schätze ich auf rund 50.000 US-Dollar. Und die zahlreichen Schäden haben natürlich auch einiges gekostet. Ein Beispiel: Bei einem Test der beweglichen Beine krachte es ordentlich. Da wusste ich: „Oh, ich habe schon wieder ein paar tausend Dollar verloren!“

© Youtube // Ricky Ma

Welche Schritte planen Sie als nächstes?

Mark 1 ist ein Prototyp, ich möchte ihn noch erweitern, um ihn stärker auf das menschliche Umfeld anzupassen. Um ihn auf die nächste Stufe zu heben, muss ich auch mit einem Ingenieur für künstliche Intelligenz zusammenarbeiten. Momentan verwende ich nur so etwas wie eine Spielzeug-Platine. Der Roboter kann sprechen, Farben erkennen und hat einen Servomotor. Unglücklicherweise ist es in Hong Kong aber nicht sonderlich populär, Innovationen zu fördern, auch bei der Regierung nicht. Die Finanzierung solcher Projekte bringt die Bürger auf die Palme. Deshalb suche ich nach einem Investor, der meinen Roboter kauft und mir damit die Möglichkeit gibt, weitere zu bauen.

Und Sie möchten auch ein Buch schreiben?

Es soll ein Handbuch werden, in dem ich meine Erfahrungen und mein technisches Wissen teilen werde und das durch Crowd Funding finanziert werden soll. Ich hoffe, dass es durch dieses Buch für Roboter-Fans einfacher wird, die ersten Bauschritte zu unternehmen. Dadurch können viele Menschen bestimmt noch mehr Anwendungen entwickeln, die unsere Zukunft bereichern werden. 

Was glauben Sie, wie werden Menschen und Roboter in den nächsten Jahren zusammenleben?

Menschliche Roboter, wie meiner, könnten als Rezeptionisten tätig sein. Ich denke auch, dass sie 24-Stunden-Services und die Arbeit in Einkaufshäusern effizienter gestalten können. Großes Potenzial sehe ich bei der Unterstützung in der Altenpflege und der Betreuung von Kindern, gerade für berufstätige Paare. Auch den Einsatz als mobile Security-Roboter kann ich mir gut vorstellen. Die globale Welt blickt jedenfalls genau auf den Robotersektor, weil er einen Reindustrialisierungstrend auslösen und die Wirtschaft mancher Länder beleben könnte. Roboter sind aber auch in der Kultur und Bildung ein heißes Thema, das ist auch der Bereich, für den ich meine gerne bauen würde. Ich denke, die Gesellschaft wird das Zusammenleben mit humanoiden Robotern innerhalb der nächsten zehn Jahre akzeptiert haben.

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01 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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