Mit einem alten Schulbus ins Glück: Die Geschichte des Films "Expedition Happiness"

Expedition Happiness: Felix Starcks und Selima Taibis Reise ins Glück

Foto: Expedition Happiness

Die beiden Weltenbummler Felix Starck und Selima „Mogli“ Taibi erzählen von ihrem bisher größten Abenteuer - einer Amerika-Durchquerung im Schulbus.

Mit seiner Fahrradtour um den Globus und dem dazugehörigen FilmPedal The World“ erschuf Felix Starck eine der erfolgreichsten Dokus der vergangenen Jahre. Nun hat er sich wieder auf den Weg gemacht. Zusammen mit Freundin Selima „Mogli“ Taibi startete er ein neues Abenteuer – diesmal durch Amerika.

Der Filmemacher und die Sängerin kauften sich in den USA einen alten Schulbus, bauten diesen drei Monate lang zu einem „Loft on Wheels“ um und fuhren mit Berner Sennenhund Rudi unter dem Motto „Expedition Happiness: Auf der Suche nach dem Glück“ von Alaska bis nach Mexiko.

Auf ihrer 30.000 Kilometer langen, elf Monate andauernden Reise sahen sie majestätische Gletscher, durchquerten einsame Wüsten, lernten unzählige neue Freunde kennen und erlebten eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. 

Im Kino zu sehen ist „Expedition Happiness“ ab dem 4. Mai; zudem erscheint einen Tag danach Moglis neues Album, das auch als Soundtrack den Film untermalt.

© Youtube // Felix Starck

Während das Paar tief in den Vorbereitungen zur großen Premiere steckt, nahm sich Mogli die Zeit und erzälte The Red Bulletin, ob sie auf ihrer Reise wirklich das Glück gefunden haben, warum Mexiko eines der schönsten Länder der Welt ist und welche Tipps sie für andere Abenteurer hat.

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THE RED BULLETIN: Ihr habt da einen gewaltigen Trip zurückgelegt. Wie viel davon war geplant und was habt ihr spontan entschieden?

MOGLI: Zwischen der Idee und unserem Flug lagen nur etwa 3 Wochen. Da blieb keine Zeit zu planen, aber das ist auch gut so. Es ist viel schöner, morgens aufzuwachen, ohne zu wissen, wo man heute hinfährt. Wir haben natürlich den Bus gekauft und Flüge gebucht. Aber was man sonst noch planen könnte, fällt uns meist gar nicht ein, da wir auch im Alltag sehr spontan sind.

Ein Blick in den Bus der Expedition Happiness

Von Schulbus ist im Inneren des „Loft auf Rädern“ nichts mehr zu sehen.

Habt ihr das Glück auf der Reise gefunden?

Freude haben wir in vielen Momenten erlebt. Beim morgendlichen Kaffeetrinken auf dem Bus mit Blick auf den höchsten Berg Nordamerikas. Beim gemeinsamen Essen mit mexikanischen Freunden an einem Straßenstand oder vor den Gletschern Alaskas. Als wir einen wilden Grizzly gesehen haben, waren wir noch den ganzen Tag vor lauter Freude ganz albern.

Glück ist für uns aber eher so eine Art Grundzustand, den man nicht durch möglichst viel Spaß erreicht. Wir haben es in der Ferne, aber in uns gefunden – so esoterisch das auch klingen mag.

Was waren die schönsten Orte, die ihr besucht habt?

Mexiko ist für uns eins der schönsten Länder der Welt: mit unberührter Natur, Dschungel, Stränden, Wüste und kleinen süßen Städten mit bunten Häuschen. Besonders Tulum und San Miguel de Allende haben es uns angetan. Es gibt wahnsinnig viel Kultur – die der Ureinwohner und die Einflüsse der Kolonialisierung – und trotzdem sind die Mexikaner in Zügen sehr westlich. 

Felix und Mogli in San Miguel de Allende

Der Denali Nationalpark ist etwas ganz Besonderes, weil du dort nicht auf Pfaden bleiben musst, sondern querfeldein durch die Wildnis laufen kannst. Dort haben wir wundervolle Tage verbracht.

Und am Grand Canyon ist einfach beeindruckend zu sehen, wie die Erde überall aufgerissen ist, Schicht um Schicht farbiger Stein aufeinander gelagert ist und sich Flüsse ihren Weg durch die Schluchten bahnen.

Mogli am Grand Canyon

​„Am Grand Canyon ist einfach beeindruckend zu sehen, wie die Erde überall aufgerissen ist und sich Flüsse ihren Weg durch die Schluchten bahnen.“

Auf so einer langen Reise bleiben Tiefpunkte nicht aus. Was hat euch dabei geholfen, die schwierigen Situationen zu überstehen?

In Vancouver wurde uns auf der amerikanischen Botschaft das Visum verwehrt, weil der Beamte dachte, wir wollen illegal einwandern. Das war ein herber Schlag. Rudi war frisch operiert und wir konnten die USA mit dem Bus ja nicht überfliegen. Unsere Reise stand kurz vor dem Aus, aber bei einem erneuten Versuch wurde uns zum Glück geglaubt.

Als wir dann an der Grenze extrem schlecht behandelt wurden – sie haben Rudi in einen Zwinger in die pralle Sonne gesperrt! – war es schon schwer, nicht den Spaß an der Reise zu verlieren. Wir haben uns dann entschieden, erst mal den Trubel der Großstadt zu umgehen und in der Natur ein bisschen runter zu kommen. Das hat zum Glück gut funktioniert und wir haben uns wieder gefangen.

Welche Ausrüstung hat euch den Trip erleichtert? 

Unsere Solaranlage, Komposttoilette und Wassertanks waren unverzichtbar, weil wir durch sie komplett autark und nicht auf Campingplätze angewiesen waren. Wir hatten wirklich traumhafte Schlafplätze mitten im Nichts, direkt am Meer oder in den Bergen.

Felix und die unendlichen Weiten des Glücks

Wie habt ihr euch unterwegs ernährt, welche neuen Köstlichkeiten habt ihr für euch entdeckt?

Wir haben den Grill ziemlich oft benutzt. Ich hatte einen Kochaufsatz und habe irgendwann fast jedes Essen draußen in der Natur zubereitet. Wir kochen komplett ohne tierische Lebensmittel und versuchen, auch auswärts den Konsum zu minimieren. „Vegan“ nennen wir uns nicht, obwohl das zu 80 Prozent stimmt. Wenn wir eingeladen werden – oder gerade in einem Land wie Mexiko –, dann essen wir sogar Fleisch, weil wir die Kultur komplett kennenlernen möchten.

Die „Tacos El Pastor“ waren es wert! Ich stelle gerade einen Bildband zu unserer Reise und unseren Lieblingsrezepten von unterwegs vor. Er enthält neben unserem „Road Trip“-Essen auch gesammelte Geheimrezepte von Einheimischen.

Mogli und Rudi chillen an einem See

„Wir haben viel erlebt und viel gelernt, denn es war ein einziges Auf und Ab.“

Die Doku wimmelt von wundervollen Aufnahmen. Welches Equipment habt ihr dazu verwendet?

Wir haben fast alles mit einer Sony A7s ll gefilmt. Zusätzlich hatten wir GoPros dabei – am Bus montiert und für Unterwasseraufnahmen oder Wanderungen. Die beste Entscheidung war es, eine Drohne mitzunehmen. Mit der DJI Phantom 4 haben wir wunderbare Landschaftsaufnahmen gedreht.

Wie lautet euer Fazit – seid ihr froh, dass ihr das Abenteuer gewagt habt?

Wir werden niemals bereuen, dass wir diese Reise gemacht haben. Es war ein tolles Jahr, das wir nicht missen wollen. Wir haben viel erlebt und viel gelernt, denn es war ein einziges Auf und Ab. Jeder Rückschlag war dicht gefolgt von einem Highlight. Die schönen Tage haben auf jeden Fall überwogen. 

Hat euch die Reiselust schon wieder gepackt oder ist damit erst einmal Schluss?

Schluss wird mit der Reiserei nie sein, dafür gibt es zu viel zu entdecken in unserer Welt. Aber jetzt freuen wir uns darauf, mal anzukommen. Wenn uns langweilig wird, kann es aber immer passieren, dass wir drei Wochen später wieder unterwegs sind.

Mogli arbeite auch an einem Bildband zu "Expedition Happiness"

Welchen Ratschlag gebt ihr Gleichgesinnten, die eine ähnliche Reise planen?

Wir geben nicht gerne Tipps, weil es keine perfekte Reise gibt. Jeder muss selbst rausfinden, was ihn glücklich macht. Wenn ich einen Rat geben müsste, dann genau das: Hör nicht auf die anderen, sondern finde raus, was du willst, und dann mach es. 

Was ist eigentlich mit eurem umgebauten Bus passiert – steht er jetzt still oder fährt er noch? 

Er fährt natürlich! Wir wollten unbedingt, dass der Bus weiterreist – so schwer es war, uns von ihm zu trennen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, ihn unter unseren Fans zu verlosen. Ein Argentinier hat ihn gewonnen und will darin mit seiner Familie Südamerika bereisen.

Felix scheint das Glück im Inneren eines Berges gefunden zu haben

Ab dem 4. Mai in den Kinos: „Expedition Happiness - Unterwegs von Alaska bis Mexiko“ 

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04 2017 THE RED BULLETIN

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