Red-Bull-Air-Race-Pilot Nicolas Ivanoff im Interview

Air & Style - Rennpilot Nicolas Ivanoff im Interview

Interview: Andreas Rottenschlager
Foto: Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

Der Franzose Nicolas Ivanoff (Team Hamilton) ist die Stil-Ikone unter den Red-Bull-Air-Race-Piloten. Ein Gespräch über Flugangst, Armbanduhren und die beste Sockenfarbe für Männer.

THE RED BULLETIN: Herr Ivanoff, Sie sind Fluglehrer, Red Bull Air Race-Pilot und ehemaliger Kunstflug-Weltmeister. Können Sie verstehen, dass manche Leute Angst vor dem Fliegen haben?

NICOLAS IVANOFF:
Natürlich. Fliegen ist keine natürliche Tätigkeit für Menschen. Wenn ich als Passagier in Urlaub fliege, sitze ich auch lieber am Fenster. 

Aus Flugangst?

Nein (lacht). Weil ich alles mitbekommen will. Für mich ist Fliegen etwas Magisches. Du sitzt in einer tonnenschweren Metallröhre, die sich stundenlang in der Luft hält. Die Tragflächen vibrieren. Achttausend Meter unter dir zieht die Landschaft vorbei. Ich bin einmal von La Réunion über Afrika nach Paris geflogen und habe mir stundenlang die Wüste angesehen. Ich vergaß sogar zu essen.

Für alle, die das Fliegen nicht genießen können: Wie lautet Ihr Tipp gegen Flugangst?

Fliegen Sie an Bord eines Kleinflugzeugs mit. Dann sehen Sie, was der Pilot macht. Er kann Ihnen die Instrumente erklären. Vielleicht dürfen Sie sogar selbst ans Steuer. Man hat immer Angst vor Sachen, die man nicht kennt. In kleinen Flugzeugen versteht man besser, wie Fliegen funktioniert.

Wollten Sie schon immer Pilot werden?

Als Kind wollte ich Rennfahrer werden. Später Linienpilot.

Nicolas Ivanoff in seinem Red-Bull-Air-Race-Flugzeug

Früher wollte er Rennfahrer werden, jetzt nimmt Nicolas Ivanoff an der schnellsten Motorsportserie der Welt teil.

© Balazs Gardi/Red Bull Content Pool

Warum sitzen Sie dann heute nicht im Cockpit einer Linienmaschine?

Ich habe mit 19 meinen Pilotenschein gemacht. Zwei Jahre später den ersten Kunstflug. Dieses Erlebnis hat mich nie wieder losgelassen. Ich dachte mir: „Alles, was du vor der Kunstfliegerei gemacht hast, war Zeitverschwendung. Das hier macht einfach viel mehr Spaß.“

Wenn man Ihnen beim Red Bull Air Race oder Ihren Kunstflug-Shows zusieht, denkt man als Zuseher nicht immer an Spaß: Sie fliegen extreme Steilkurven, schießen senkrecht in den Himmel. Es müssen enorme G-Kräfte auf Ihren Körper wirken.

Mein Rekord als Pilot sind 12 G. Das ist das zwölffache meines Körpergewichts.

Wie fühlen sich 12 G an?

Wie eine unsichtbare Kraft, die dich in den Sitz drückt. Alles an dir wird schwerer. Für einige Sekunden wiege ich mehr als 800 Kilo. Mein Cockpit-Sitz muss einiges aushalten (lacht).

Wie sich G-Kräfte im Flieger anfühlen? Dieses Video gibt einen Einblick!

© YouTube // Hamilton Watch

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Sie fliegen seit zwölf Jahren Red-Bull-Air-Race-Rennen. Sind Sie noch nervös, bevor Sie starten?

Klar. Es geht um den sportlichen Wettbewerb. Ich fühle mich wie ein Schauspieler vor seinem Auftritt.

Was machen Sie gegen die Nervosität?

Man muss die richtige Balance zwischen Ruhe und Anspannung finden. Zwei Stunden vor dem Rennen versuche ich, ein wenig zu schlafen. In den letzten 15 Minuten willst du aber nur noch in die Luft. Wenn dann eine Verzögerung passiert, ist das sehr schlimm. 

Die Homepage der Rennserie nennt Sie den „am besten gekleideten Piloten, sowohl im Cockpit, wie auch auf den Partys nach dem Rennen.“ Wie haben Sie sich diesen Ruf erworben?

Ich habe einmal einen auffallenden, orangen Schal getragen, der Aufsehen erregt hat. Seither haftet mir dieses Image an. Außerdem ist da noch die Sache mit meinen Socken (zieht das rechte Hosenbein hoch)

…die sind pink!

Das ist mein Markenzeichen. Ich mag grelle Socken-Farben. 

Apropos Stil: Ihr Team-Sponsor stellt Armbanduhren her. Braucht man die überhaupt noch im Handyzeitalter?

Klar. Es gibt verschiedene Modelle. Man kann sie seinem Geschmack anpassen. Eine Armbanduhr ist immer auch ein Statement.

Sie haben außerdem mitgeholfen, eine Piloten-Uhr zu entwickeln. Wozu haben Piloten ihre Uhren früher benutzt?

Um den Treibstoffverbrauch zu berechnen oder den Winkel des Windeinfalls. Ich habe das zwar auch einmal gelernt, bin mir aber nicht sicher, ob ich es jetzt sofort hinkriegen würde (lacht).

Ihr Lieblings-Flugzeug aller Zeiten?

Keine Frage: Meine Zivko-Edge 540.

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11 2016 The Red Bulletin

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