America's Cup: Die Crew und ihre Fitness

America’s Cup: Die Crew

Text: JOSH DEAN 
Fotos: Sam Greenfield / ORACLE TEAM USA

Im Juni werden sechs Teams auf Bermuda antreten, um beim 35. America’s Cup auf futuristischen Booten um die älteste Sporttrophäe der Welt zu segeln. Unsere große Reportage - Teil 3: Die Crew, die Funktionen der Segler und deren Fitness.

Beim America’s Cup 2013 in San Francisco traten auf jeder AC72-Yacht elf Segler an. 2017 auf Bermuda werden nur noch sechs Mann an Bord der AC50-Yachten sein. Die Teilnehmer sind im Schnitt um zehn Jahre jünger als 2007. 

Jeder an Bord trägt Helm und Prallschutzweste. Eine Sauerstoffflasche und ein Spezialgurt sollen nach einer Kenterung das Überleben sichern.

Erfahre hier alles darüber, wie sich die Besatzung im Laufe der Geschichte verändert hat: Von Anzahl und Alter der Männer an Bord bis hin zu ihrer Fitness.

Fahre mit dem Kursor über das Bild, um mehr über die Crew und ihre Funktionen zu erfahren.

die Fitness

Gemütliche Typen im Blazer sind out. AC50-Segler sind Hochleistungssportler.

Vor 2013 war der America’s Cup ein ganz anderer Sport. „Es war körperlich nicht besonders anspruchsvoll“, sagt Craig McFarlane, Trainer von Oracle Team USA. Grinder gab es schon immer, sie arbeiteten zwar kurzfristig sehr hart, konnten sich aber danach ausruhen. Diesmal werden die Grinder der Oracle-Crew während des ganzen 22-minütigen Rennens auf 91 bis 93 Prozent ihres Maximalpulses arbeiten. „Was Eliteradfahrer mit ihren Beinen tun müssen, leisten unsere Jungs mit den Armen“, sagt McFarlane. 

Über an den Griffen angebrachte Sensoren erfahren der Trainer und sein Team, welche Leistung jeder der Grinder bei welcher Umdrehungszahl der Kurbeltrommeln erbringt, wer am härtesten arbeitet und wer sich wie schnell erholt. McFarlane tüftelt am idealen Mix.

Jimmy Spithill

Jimmy Spithill, Skipper des Oracle Team USA, beim Ergo-Training. Diese Segler sind Hochleistungssportler.  

© Peter Hurley

Nach jetzigem Wissensstand liegt die „optimale Taktgeschwindigkeit“ seiner Meinung nach bei 85 bis 90 Umdrehungen pro Minute. „Aber wir sind mit der Feinjustierung noch nicht fertig“, sagt er. Faktoren: nicht zu hoch rauf mit dem Puls; Milchsäureaufbau im Blick behalten. 

McFarlane trainiert die Crew fünfmal die Woche, mit der Option auf eine sechste Trainingseinheit am Samstag (die die meisten nutzen). Dreimal pro Woche liegt der Schwerpunkt auf Kraft. Einen Tag lang steht Ausdauertraining ohne Gewichte im Pool auf dem Programm, und an einem weiteren Tag wird intensiv im Wasser gearbeitet: weit aufs Meer rausschwimmen und eine Kombination aus Unterwasser-Gewichtübungen und Unterwasserrennen absolvieren. Unmittelbar danach wechseln die Segler zu Übungen an Land – meistens Treppensteigen oder Bergauflaufen. „Dieses Übergangstraining verlangt einem viel ab, macht einen aber als Sportler sehr belastbar“, sagt McFarlane.

Sogar die Land-Crew (quasi das Bodenpersonal) von Oracle Team USA trainiert jeden Tag morgens um 6.30 Uhr. „Wenn sie übergewichtig oder nicht gesund sind, können sie auch ihre Arbeit nicht machen“, sagt Ernährungsberater Scott Tindal. Auch die Fitness der Land-Crew, meint er, „wird bei dieser Kampagne eine große Rolle spielen“. Über einen Zeitraum von sechs Monaten haben die acht Jungs insgesamt mehr als 40 Kilo Fett verloren. Und ein paar Mal in der Woche boxen alle auch noch mit Box-Coach Brent „Honey Badger“ Humphreys.

Starke Zahlen

525: Kilo darf die sechsköpfige Crew insgesamt maximal wiegen.

550: Kalorien verbrennt ein Grinder durchschnittlich bei einem 22-minütigen Rennen.

9: Prozent Körperfett haben die Crewmitglieder im Durchschnitt.

1440: Bio-Eier aus Pennsylvania wurden von der Oracle-Team-USA-Crew in einer einzigen Woche verbraucht.

150: Kilo schaffen die Oracle-Crewmitglieder im Durchschnitt beim Bankdrücken.

die nächste generation

Bereits acht Segler aus dem Red Bull-Nachwuchsprogramm haben es bis in den America’s Cup geschafft.

Die zweifachen österreichischen Olympiasieger (2000 und 2004) in der Tornado-Klasse, Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher, entwickelten 2013 das größte Talent-Suchprogramm der Segelwelt und führen dieses seither als Sportdirektoren an. „Wir versuchen den Jung-Seglern den Geist zu öffnen, indem wir unsere Erfahrung mit ihnen teilen. Und hoffentlich führt sie all das in die richtige Richtung für ihre Zukunft“, erklärt Hans-Peter Steinacher. 

Die kleinsten Crews der Geschichte

Die „Reliance“, das größte Boot, das den America’s Cup gewann (1903), hatte 72 Mann Besatzung. 2017 ist die Crew nur noch sechs Mann stark.

1992-2007: 17 Mann
2013: 11 Mann
2017: 6 Mann


Am Anfang steht die 2015 initiierte Red Bull Foiling Generation. Sie ist eine internationale Regattaserie für alle Nachwuchssegler im Alter von 16 bis 20 Jahren. Gesegelt wird in Zweierteams auf rund 5,5 Meter langen, bis zu 35 Knoten (65 km/h) schnellen Flying-Phantom-Katamaranen. Den nächsten Schritt auf der Karriereleiter stellt dann der Youth America’s Cup dar. Bis zu 16 nationale Jugendteams im Alter zwischen 19 und 25 Jahren kämpfen auf AC45-Foiling-Katamaranen in einer Qualifikationsserie auf den Bermudas (12. bis 16. Juni) um den Einzug in das Finale der besten acht  (20./21. Juni) – ausgetragen auf originaler America’s-Cup-Rennstrecke.

„Wir wollen durch alle Serien die weltbesten Segler ihrer Altersgruppen finden“, erklärt Skipper Roman Hagara. Der Erfolg gibt ihm recht: Vom ersten Youth America’s Cup 2013 haben es bereits acht Segler in den America’s Cup geschafft – u. a. Sieger Peter Burling, 2017 Skipper bei Emirates Team Neuseeland, oder Cooper Dressler (beide 26 Jahre alt) als Grinder bei Oracle Team USA. Wichtige Segel-Erfahrungen sammeln Jungprofis nach dem Youth America’s Cup auch in der Extreme Sailing Series, am Boot von Hagara/Steinacher.

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06 2017 The Red Bulletin

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