Christian Graber Blog Pirat

Captain Graybeards verrückte „As High as Possible“-Tour - Woche 2

Fotos: Christian Graber

Christian Graber aka. Captain Graybeard ist auf dem Weg vom niedrigsten zum höchsten Punkt Europas. Nur mit Rad und Kajak. Wieso Deutschland fahrradunfreundlich ist und die „Strömung“ auch an Land Probleme bereitet, verrät ein Blick in das (B)Logbuch des Kapitäns.

Ahoi! Nach den Problemen in der ersten Woche musste ich mir also etwas einfallen lassen. Der Sturkopf war nun besiegt, doch schien er ab und zu wieder zu Wort zu kommen. Mit Einfällen wie: „Geh doch mit dem Kajak zu Fuß nach Kelheim - dort beginnt die Donau und du kannst dich wieder in die Fluten stürzen!“

Abermals musste ich mir selbst widersprechen. Zuerst kämpft sich der Captain knapp 100km vom Hobie-Kayak-Europe-Hauptquartier bis zur Stadt Zaltbommel gegen den Strom des Rheindeltas und nun kommt nichts Besseres? Genug Zeit um nachzudenken hatte ich ja.

Ich erinnerte mich, dass im selben Jahre - 2016 war es - ein neues Flaggschiff die Graybeard’sche Flotte bereicherte. Ein Schiff, mit dem man den Landweg nutzen kann, weil es ja eigentlich ein Triathlonrad ist. Stromlinienförmig und wunderschön - genannt die Black Pearl.

Christian Graber Fahrrad

Das Triathlon-Bike des Captains - die „Black Pearl“

Zu diesem Zeitpunkt trennte mich allerdings so einiges von dieser Perle. Ich war schließlich gerade auf einem niederländischen Strand mit einem knapp fünf Meter langem Kajak gestrandet, welches ich dann erst wieder in Kelheim, Deutschland, benötigen würde. Das klingt nach einer Menge organisatiorischem Aufwand, welcher vom Captain persönlich gemacht werden sollte.

Bei einem Brainstorming-Kaffee in Bommels Bakhuys ging dann alles recht schnell. Ich konnte mein Kajak ins Luuc van Boort - einem wahnsinnig noblen Weinkeller - unterbringen, bis sich ein Weg auftut, wie es nach Kelheim befördert werden kann. Währenddessen begab ich mich kurzzeitig zurück nach Österreich und holte die Black Pearl.  

Christian Graber Blog - Kajak

„Fiona“ gut behütet - sicher transportiert

Ein paar Tage später war ich auch schon wieder zurück. Der Zufall meinte es mal wieder gut mit mir und ich lernte beim Start mit dem Kajak vor knapp einer Woche jemanden kennen, der wiederum eine Mitfahrgelegenheit für Fiona (mein Kajak) auftreiben konnte. Die Alpha Barging Rotterdam BV verschluckte kurzerhand meine gelbe Riesin und bringt sie an die Donaumündung.

Zeitgleich setze ich die Segel der Black Pearl und folge zunächst der Waal, welche dann stromaufwärts sehr bald zum Rhein wird. Mit vervielfachtem Tempo gehts nun mal Richtung Osten, zufälligerweise auch die Richtung, von wo der Wind herkommt - und in den Niederlanden gibt es genug davon.

Auf Radwege verbannt, konnte ich es kaum erwarten endlich nach Deutschland zu gelangen, wo dem Radwegwahnsinn ein Ende gesetzt wird. Von meiner „Home before Christmas - Tour“ weiß ich ja noch, dass ich auf normalen Straßen auch geduldet werde.

Christian Graber Blog - Wind

Gegen die Strömung muss man auch an Land kämpfen - nur dort nennt man sie Wind

Doch auch in Deutschland werde ich gleich einmal mit Hupen begrüßt, was mein Herz nur wenig erfreut. Dennoch schaffte ich es, mich bis südlich von Duisburg durchzukämpfen, wo ich dann kurz vor dem Campingplatz auch schon auf den ersten anderen Radreisenden traf.

Luis fährt von Großbritannien in die Schweiz. Ein ganz schön harter Brocken, vor allem für die erste Tour dieser Art. Wir campierten gemeinsam am Rheinufer und tauschten Seemannsgarn aus.

Christian Graber Blog - Tour

Der Pirat trifft überall auf Sportskanonen.

Es war diese eine Nacht, wo ein treuer Kumpane meiner Ausrüstung seine Dienste kündigte - meine Luftmatratze. Eigentlich geliebt, da man beim Aufblasen sich nur auf das Ausatmen konzentriert und man dadurch entspannt und „ready for stretching“ wird. Doch ist es zu viel, wenn man dies im Zweistundentakt wiederholen muss. Nach einer Nacht auf dem etwas kälteren Boden versuchten Luis und ich gemeinsam die Matratze zu flicken, doch wie sich am nächsten Abend herausstellte - vergeblich. 

Christian Graber Blog - Essen

Mahlzeit!

Um 07:30 Uhr überholte mich Fiona im Bauch des größeren Schiffes. Die Aufholjagd kann nun beginnen. Nach einem diätologisch für „sehr geil“ befundenem Frühstück, konnte ich um 11:12 Uhr auch meinen Hintern in den Sattel schwingen und die ersten 45 Kilometer herunterspulen.

Reibungslos und mit super Geschwindigkeit folgte ich weiter dem Rhein, bis mich die Stadt Köln dann knapp 1,5 Stunden meines Lebens kostete. Meine beiden Navis waren zu diesem Zeitpunkt auch keine große Hilfe, da die meisten Straßen auf einmal wieder für Fahrräder verboten waren. Lediglich mein innerer Kompass war vernünftig genug nicht auf die Autostraße aufzufahren, da das in Deutschland sehr schnell mal teuer werden kann.

Christian Graber Blog - Bike

Wohl durchdachte Pausen müssen sein.

Doch auch dieser Alptraum hatte einmal ein Ende und nach weiteren Stunden der Suche nach dem richtigen Weg entlang des Rheins wurde mir klar: Hier grenzt eine Großstadt an die andere und ein Pirat gehört nicht in die Stadt - vorallem nicht dann, wenn jede gut befahrbare Straße aufgrund der hohen Verkehrsdichte für Radfahrer verboten wird.

Eigentlich wollte ich noch ein bisschen weitersegeln, doch es kam, wie es kommen musste … Die Kette fiel vom Kettenblatt und wurde dabei so beschädigt, dass eine Reparatur unumgänglich war.

Das große Glück des Tages: Dies geschah ganz in der Nähe eines Campingplatzes. Bei strömenden Regen ankerte einen knappen Kilometer entfernt auch das Schiff mit dem Kajak im Bauch. Ein krönender Abschluss eines nicht allzu positiven Tages. Die ganze Flotte ist sozusagen vereint, aber so kann es nicht weitergehen.

Zwischen gefährlichen Langsamradwegen und verbotenen Straßen herumzunavigieren nimmt Fahrfreude und verlangt erneutes Umdenken. Und so wurde auch der Logbucheintrag mit folgenden Worten beendet: „LMAA und gute Nacht“.

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06 2016 The Red Bulletin

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