Mad Mike Whiddett im Interview über Driften und Angst

Mad Mike Whidett über das Driften und dessen Gefahren

Fotos: Tyrone Bradley/Red Bull Content Pool
Text: Jazz Kuschke

Furcht, Fokus und die nächste Kurve. Einer der besten Drifter der Welt lässt tief blicken. „Mad“ Mike Whidett im Interview.

THE RED BULLETIN: Wenn ein „normaler“ Fahrer mit dem Auto die Bodenhaftung verliert, versucht er panisch gegenzulenken. Du aber lässt die Reifen durchdrehen, stimmt’s?

MIKE WHIDETT: Driften ist eine einzigartige Form des Fahrens, das Auto geht an die Grenzen der Traktion – für Laien sieht es deshalb so aus, als ob du die Kontrolle verlierst. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um eine völlig neue Stufe oder, sagen wir, um eine andere Dimension der Kontrolle. Drifter lernen, das Auto zu kontrollieren, wenn es außer Kontrolle ist. 

Wie kommt man überhaupt dazu, so etwas zu lernen?

Als ich anfing, wurden Autos nicht so stabil gebaut. Die Motoren waren sehr laut und sehr stark, es war nicht allzu schwer, den Grip zu verlieren. Heute ist es anders. Der Mazda RX-8 hat enorme Power – über 800 PS am Hinterrad –, und die ist auch nötig, um die Nitto-Reifen, mit denen wir fahren, durchdrehen zu lassen. Wir haben Reifen mit viel Grip für dynamische und präzise Turns, und starke Motoren, um das Auto zum Driften zu bringen. 

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Lange dürften das die Reifen nicht aushalten …

Tun sie auch nicht! Für den Franschhoek Pass tauschten wir die Nitto NT05R, unsere üblichen Rennreifen, gegen die NT555R mit härterer Gummimischung, extrem leistungsfähige Gürtelreifen. Dank der Mischung schaffen wir pro Reifenset nicht nur drei oder vier Kurven, wie bei einem Contest, sondern um die zehn.

„Mad“ Mike über Furcht, Fokus und die nächste Kurve.

Mike Whiddett und sein BADBUL, ein speziell getunter Mazda SP3 RX-8, hinterlassen Spuren in Südafrika.

Auf Projekte wie den Franschhoek Pass muss man sich also extrem gut vorbereiten …

Unbedingt! Natürlich das Auto und das gesamte Equipment, aber die mentale Vorbereitung ist genauso entscheidend. Ich muss konzentriert, aufmerksam, ganz ruhig bleiben. Sobald du über die Gefahren und alles, was schiefgehen könnte, nachdenkst, geht in der Regel auch etwas schief. Als ich in meiner Jugend Freestyle-Motocross fuhr, ließ ich mich oft von solchen Gedanken ablenken. Das Ergebnis: jede Menge Unfälle, Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen.

„hinter dem Steuer darfst du keine Angst haben. Du musst zu 100 Prozent zuversichtlich und fokussiert sein, weil schon der kleinste Fehler das Ende bedeuten kann.“

Und jetzt hast du keine Angst mehr?

Dinge wie Sportpsychologie – mit deren Hilfe ich mein Gehirn trainierte und lernte, mich zu fokussieren – halfen mir auch, meine Angst zu überwinden. Klar kriege ich ein mulmiges Gefühl, aber hinter dem Steuer darfst du keine Angst haben. Du musst zu 100 Prozent zuversichtlich und fokussiert sein, weil schon der kleinste Fehler das Ende bedeuten kann – nicht nur für mein Auto. Ein weiteres Element beim Driften: Kaum fährst du in eine Kurve und konzentrierst dich, dass alles klappt, musst du das Auto auch schon auf die nächste einstellen.

Mad Mike's Daughter

Nachwuchsarbeit: Tochter Jett, 1, wird sanft ans Driften herangeführt.

Was hast du als Nächstes vor?

Weitermachen, mich weiter-entwickeln. Kurven schneller und mit noch größerem Driftwinkel nehmen. Daran arbeiten wir. 
 

„Conquer the Cape“, der Kurzfilm über das Drift-­Spektakel am Franschhoek Pass, gibt’s auf redbull.com

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03 2017 The Red Bulletin

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