Emil Forsberg RB Leipzig

Emil Forsberg: „Vor dem ersten Treffen mit Zlatan war ich wirklich nervös“

Interview: Vereinsmagazin KLUB
Foto: motivio/Florian Eisele

Von wegen Alter Schwede. Emil Forsberg, 24, hat noch viel vor. Ein Interview mit dem Techniker von RB Leipzig über Erfolgshunger, Familienvorbilder, Stereotypen und geile Typen à la Klopp und Zlatan.

Wow“, sagt Emil Forsberg überrascht, als wir ihm den Cover-Entwurf des aktuellen KLUB-Magazins zeigen. „Es ist schon eine Auszeichnung, wenn man vorn drauf ist, oder?“, fragt der 24-Jährige verlegen. Das ist es durchaus. Denn der schwedische Nationalspieler, der im Januar 2015 zu den Roten Bullen wechselte, entwickelte sich im Laufe des Jahres zu einem unverzichtbaren Leistungsträger. Im Interview erzählt er von seiner fußballverrückten Familie und Freundin, seiner möglichen zweiten Karriere sowie seinem wahr gewordenen Traum von der Europameisterschaft 2016.

Eisig auf dem Cover und seit dieser Saison auch eiskalt vor dem Tor. Du spielst mittlerweile wie befreit auf. ­Woran liegt das?

Emil Forsberg: Das ist schwer zu erklären. Jetzt landen die Bälle eben im Netz, die in der Vorsaison nicht reingehen wollten. Ich bin momentan auch häufig zur richtigen Zeit an der richtigen Position. Aber es gibt so viele Faktoren, um zu treffen. Am Ende ist es vielleicht auch einfach so, dass ich zurzeit mehr Glück habe als zuvor.

Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment?

Das nicht, aber es ist der Effekt eingetreten, den ich in der vorigen Saison in einem Mediengespräch angekündigt hatte: Wenn ich einmal treffe, wird es wie bei einer Ketchup-Flasche sein – dann läuft es plötzlich, und alles kommt raus. Und ein wenig ist es ja jetzt so.

Liegt deine Effektivität auch an einer neuen Rolle auf dem Spielfeld?

Emil Forsberg RB Leipzig Fotoshooting

Angekommen

In Markkleeberg, am Pier 1 des Cospudener Sees, entdeckte der Schwede sogar ein ­wenig Heimat.

© motivio/Florian Eisele

Ja, sicher auch! Vorige Saison habe ich noch etwas zentraler als Nummer 10 gespielt, in dieser Spielzeit gebe ich doch eher eine Nummer 10 auf der linken Seite. Offensiv habe ich viele Freiheiten und kann quasi machen, was ich will. Für mich ist das eine perfekte Rolle. Die Trainer reden viel mit uns und prüfen, welche Position für jeden Einzelnen am besten passt. Es ist sehr wichtig, dass wir darüber diskutieren. Denn wir haben viele junge Spieler, mich inbegriffen, die von unserem erfahrenen Trainerteam noch sehr viel lernen können.

Gab es in den Besprechungen einen speziellen Tipp, der dir geholfen hat?

Triff! (Lacht.)

Du hast in deinem ersten Jahr in Deutschland unter ­anderem drei Trainer erlebt. Warst du überrascht, als Ralf Rangnick im Sommer auch den Cheftrainerposten übernommen hat?

So funktioniert Fußball, da kann alles passieren, und als Spieler musst du diese neuen Situationen annehmen. Ich mochte Alexander Zorniger und mag Achim Beierlorzer und Ralf Rangnick. Für mich waren die Trainerwechsel kein Problem, ich denke darüber auch nicht so viel nach und nehme den Fußball, wie er ist. 

Wie tief sitzt angesichts der Herbstform der Ärger, dass es nicht schon im Sommer mit dem Aufstieg geklappt hat?

Der ist recht schnell verflogen. Wir hatten eine annehmbare Saison gespielt, aber es ist eine harte Liga – da entscheiden letztlich Kleinigkeiten. Drei Spieltage vor Schluss stand fest, dass es wohl nicht mit dem Aufstieg klappen wird. Ab diesem Zeitpunkt ging es darum, sich auf die Zukunft und die neue Saison zu fokussieren. Und nun läuft es ordentlich, wir haben nicht immer klasse gespielt, aber gut gepunktet und sind an der Spitze dabei. Die neuen Spieler konnten sich schnell integrieren, und wenn wir erst mal bei einhundert Prozent sind, können wir jede Mannschaft der Liga schlagen.

„Es ist eingetreten, was ich in der vorigen Saison angekündigt hatte: Wenn ich einmal treffe, wird es wie bei einer Ketchup-Flasche sein – dann läuft es plötzlich.“
Emil Forsberg über seine Leistungsexplosion

Hattest du die 2. Bundesliga so erwartet? 

Ich habe schon häufiger gesagt, dass die zweite deutsche Liga besser ist als die erste schwedische, in nahezu jedem Punkt. Die Allsvenskan ist eine gute Liga für junge Talente, es gibt auch dort Qualität, Malmö hat sich zum Beispiel zwei Jahre in Folge für die Champions League qualifiziert. Aber in der 2. Bundesliga ist alles eine Nummer größer, einen Schritt weiter: individuell, mannschaftlich und auch in Sachen Publikum. 20.000 Zuschauer im Schnitt in einer zweiten Spielklasse sind beeindruckend.

Bevor du nach Deutschland gewechselt bist, hattest du sicher Vorurteile. Wurden diese bestätigt?

Oh ja, besonders punkto deutscher Disziplin! Das war im Grunde neu für mich. Ich hatte davon gehört, war mir aber nicht sicher, ob die Menschen hier tatsächlich so diszipliniert sind. Doch das kann ich nun bestätigen – und finde diese Eigenschaft gar nicht schlecht.

Stellst du den Disziplin-Drang nur im alltäglichen Leben oder auch im Verein fest?

Ich bin jeden Tag im Trainingszentrum und sehe, wie die Leute arbeiten. Es folgt alles einem punktgenauen Plan, und ich kann mir gut vorstellen, dass das in anderen Bereichen genauso ist. Ich fühle mich damit bereits recht wohl und mag diese Art – vielleicht brauche ich diese gewisse Disziplin um mich herum sogar (lacht).

Emil Forsberg RB Leipzig Fotoshooting

Blick zurück und Blick voraus! 2015 war am Ende ein erfolgreiches Jahr für den Schweden, 2016 peilt Emil Forsberg den Bundesliga-Aufstieg und die Europameisterschaft an.

© motivio/Florian Eisele

Ist das wirklich so ein großer Unterschied zu Schweden?

In Schweden sind wir eher abwartend und kompromissbereit. Wir sagen zum Beispiel: „Okay, wir können es so oder so tun.“ In Deutschland geht es häufig strikter zu: „Wir machen das so!“ (Schlägt einen Befehlston an.) Wenn hier jemand sagt, du bist morgen um acht Uhr da, erwartet er, dass du um Punkt acht Uhr da bist. In Schweden könntest du auch eine Viertelstunde später kommen.

Hast du schon Lieblingsplätze in Leipzig?

Im Sommer liebe ich es, durch die Parks zu gehen. Meine Freundin Shanga und ich haben einen Hund, Roffe, einen Golden Retriever, und sind deshalb auch im Herbst und Winter oft draußen. Es ist perfekt, um an der frischen Luft zu sein und mal nicht über Fußball nachzudenken. Ansonsten schlendere ich gern mal durch die Stadt, gehe Sushi oder ein gutes Steak essen. 

Also bist du eher jemand fürs Grüne als für den Strand?

Na ja, Roffe findet es eigentlich am Wasser besser, liebt es, stundenlang zu baden. Am Anfang wussten wir aber auch noch nicht so viel über Leipzig und mussten die Stadt und Seen erst einmal entdecken.

„Ich bin kein typischer schwedischer Natur­bursche, habe nur ein paar Cousins, die jagen. Ich war immer mehr das Fußball spielende Stadtkind.“
Emil Forsberg über Stereotypen

Habt ihr eine Tour mit den roten City-Bussen gemacht?

Nein, aber als meine Schwester zu Besuch war, hat sie Leipzig mit einer solchen Tour erkundet. Sie weiß jetzt mehr über die Stadt als ich. Meine Freundin und ich haben auch schon öfter darüber nachgedacht, aber es bisher noch nicht geschafft. Und das, obwohl ich die roten Busse ständig durch die Gegend fahren sehe, sogar an unserem Apartment vorbei.

Also wird an dieser Stelle bald mit durchgesagt: „Hier wohnt RBL-Star Emil Forsberg!“

(Lacht laut.) Vielleicht! Mein Hund steht meistens am Fenster, daran könnte man aus den Bussen heraus sogar meine Wohnung erkennen.

Emil Forsberg RB Leipzig

Schon früh übte sich Emil im Nationaltrikot (li.), sein Vater Leif spielte in der Olympiaauswahl. Die Sommer verbringt er nach wie vor im Ferienhaus seiner Eltern.

© privat

Auf dem Cover vereist, jetzt etwas fröstelnd am See, zudem zieht hier ein tückischer Wind durch. Bei welcher Temperatur fühlst du dich eigentlich am wohlsten?

25 Grad und Sonne sind toll. Auf dem Fußballplatz mag ich es hingegen eher etwas kälter. Herbstlich, so um die 15 Grad.

Also schwedisches Wetter?

Nein, das ist noch kälter. In meiner Heimatstadt Sundsvall fängt es schon Anfang November an zu schneien. Ich mag die schwedischen Winter. Ich würde nicht sagen, dass ich als Fußballer den Schnee vermisse, aber es ist schön, nach Hause zu kommen und sich dann auch wie zu Hause zu fühlen.

Dann hattest du im Januar 2015 mit dem Wintertrainingslager in Oberwiesenthal ja einen „heimischen“ Beginn!

Richtig! Ich hatte meinen Vertrag gerade unterschrieben, und die erste Trainingseinheit führte mich in die Berge zum Skifahren. Es ging für mich an diesem Tag schon um acht Uhr mit Lauftests in Leipzig los, dann nach Oberwiesenthal, dort um elf Uhr auf die Skier und nachmittags wieder laufen. Ich war am Ende des Tages total kaputt.

Bist du eher ein Langlauf- oder Alpin-Typ?

Wenn ich abfahre, dann eher auf dem Snowboard – das ist mein Ding. Das Skigebiet in Åre ist nur zwei Stunden von meinem Heimatort entfernt. Wir sind dort auch oft mit meinen alten Vereinen Sundsvall oder Malmö zum Teambuilding hingefahren. Erst etwas trinken und dann Ski fahren und dann wieder etwas trinken. Natürlich nur Tee und Wasser (lacht).

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In Markkleeberg, vor der „Sauna im See“ am Cospudener See, fühlte sich Emil Forsberg auch an seine Kindheit in Schweden erinnert. Damals firmierte der Junge aus Sundsvall mitunter auch als Emil aus Lönneberga.

© motivio/Florian Eisele

Fährst du manchmal auch ganz hoch in den Norden nach Lappland?

Nicht oft und nicht zum Skifahren. In meiner Kindheit, als ich neben Fußball auch noch Floorball gespielt habe, ging es oft in den Norden zu Auswärtsspielen. Sechs Stunden im Bus, hin und zurück. Aber was mich mal reizen würde, sind Schneewanderungen. In Sachen Outdoor bin ich allerdings ziemlich unbegabt, hätte schon Probleme, allein ein Zelt aufzubauen.

Klingt weniger nach dem typischen Schweden, der Kanu fährt, wandert und klettert und ständig draußen in der Natur ist!

So ein Typ bin ich wirklich nicht. Meine ganze Familie ist nicht so, wir gehen lieber Bowling spielen. Ich habe nur ein paar Cousins, die jagen und wirklich sehr schwedisch sind. Aber ich war schon immer mehr das Fußball spielende Stadtkind.

Du hast gerade erwähnt, dass du auch lange Floorball – oder Innebandy, wie ihr in Schweden sagt – gespielt hast. Hätte das eine zweite Karriere werden können?

Ja, am Anfang wollte ich sogar nur Innebandy spielen, weil ich im Fußball nicht gut genug war. Ich sollte dann mal an einem Probetraining in Sundsvall teilnehmen und zwei Wochen mittrainieren und wollte das erst gar nicht richtig, weil es beim Innebandy gut lief. Aber mein Vater riet mir, es zu probieren. Und dann lief es auch im Fußball ziemlich gut …

„Ich war Sportler durch und durch, schon in meiner Kindheit. Sport generell und Fußball spielen in meinem Leben bis heute eine sehr große Rolle, ich schaue mir fast jeden Tag Fußball oder Eishockey an.“
Ein Tag ohne Sport ist für Forsberg ein verlorener Tag

Die Doppelbelastung war sicher immens groß, oder?

Es war schon anstrengend. Bis 17 habe ich auch auf hohem Niveau Innebandy gespielt. Zusammen mit den Fußballeinheiten habe ich zehnmal in der Woche trainiert, jeden Tag 16.30 Uhr Fußball, 20.00 Uhr Innebandy. Mein Vater kam dann oft mit einem Hotdog zum Fußballtraining, so dass ich zwischen den Einheiten noch kurz was essen konnte, und dann ging es direkt zum Innebandy. Die Trainingsstätten waren zum Glück nur knapp 200 Meter voneinander entfernt. Aber ich liebe Sport, deshalb war das alles für mich gar keine große Belastung im Sinne von Stress.

Schwedens Fußball-Legende Henrik Larsson hat nach seiner aktiven Zeit als Fußballprofi noch ein paar Jahre professionell Innebandy gespielt! Ist das auch für dich denkbar?

Emil Forsberg RB Leipzig

Von Januar bis Dezember hat Emil Forsberg über 30 Spiele für die Roten Bullen bestritten, am 3. August platzte gegen Fürth sein Torknoten mit einem fulminanten Linksschuss, weitere Treffer folgten!

© PICTURE POINT/Leipzig

Eine Überlegung ist es auf jeden Fall wert. Ich habe vor kurzem auch mit meiner Freundin darüber gesprochen. Hier in Leipzig gibt es ja auch eine gute Floorball-Mannschaft. Jemand schrieb mich vor kurzem auf Facebook an, erzählte, dass sie sogar in der ersten Liga spielen, und fragte, ob ich nicht vorbeischauen möchte. Das werde ich versuchen bald mal einzurichten.

Hast du noch andere Sportarten ausprobiert?

Klar, als Kind viel Eishockey, aber weil mich niemand zum Training bringen konnte, musste ich aufhören. Auch den Tennisschläger habe ich mal kurz geschwungen. Ich war Sportler durch und durch, schon in meiner Kindheit. Sport generell und Fußball spielen in meinem Leben bis heute eine sehr große Rolle, ich schaue mir fast jeden Tag Fußball oder Eishockey an.

Es gibt idyllische Fotos von dir vor einer Hütte am See. Ist das dein Rückzugsort?

In gewisser Weise schon. Es ist das Ferienhaus meiner Eltern und steht auf einer kleinen Insel eines Sees, ungefähr 20 Minuten von Sundsvall entfernt. Es ist wirklich wunderschön. Immer, wenn ich nach Hause komme, verbringe ich dort viel Zeit. Das Häuschen liegt auf einem kleinen Hügel und man kann direkt auf den See schauen. Nur eine Sauna am See haben wir noch nicht, wir dürfen aber die vom Nachbarn benutzen. Mein Vater will vielleicht auch selbst noch eine bauen. Das wäre ein Traum: gemütlich in der Sauna sitzen und einfach aufs Wasser schauen.

Du hast deinen Vater schon erwähnt. Er war nicht nur derjenige, der dich zum Training gebracht, sondern dir auch sonst viel mitgegeben hat. Dein Spitzname „Mini-­Foppa“ hat mit ihm zu tun, oder?

Oh ja, das ist eine witzige Familiengeschichte. Bereits mein Großvater Lennart war professioneller Fußballer und wurde „Foppa“ genannt – eine Abkürzung für Forsberg. Als mein Vater Leif dann ebenfalls für Sundsvall spielte, nannten ihn die Leute „Lill-Foppa“ – kleiner Forsberg. Und nun werde ich eben „Mini-Foppa“ genannt. Wir hatten unser Debüt für Sundsvall alle drei mit 17 Jahren, es gibt also so etwas wie das „Forsberg-Gen“. Auf eine gewisse Weise haben sie vielleicht auch erwartet, dass ich in ihre Fußstapfen trete, und nun sind sie sehr stolz. Für meinen 86-jährigen Großvater ist es wohl am schönsten, zu sehen, wie sich alles entwickelt hat. Er verfolgt meine Karriere sehr intensiv, und ich telefoniere regelmäßig mit ihm.

Emil Forsberg Zlatan Ibrahimovic Schweden EURO 2016 Quali

Seite an Seite mit dem schwedischen Superstar: In den Playoff-Spielen gegen Dänemark war Emil Forsberg mit einem Treffer sowie je einem herausgeholten Straf- und Freistoß neben Zlatan Ibrahimović der Wegbereiter der schwedischen Qualifikation!

© Imago

Und wer von euch ist nun der beste Fußballer?

Mein Vater ist eine große Legende bei uns zu Hause, denn er hat ungefähr 500 Partien für Sundsvall bestritten. Seine Trikotnummer 10 wird ihm zu Ehren dort nicht mehr vergeben. Aber wenn ich irgendwann wieder nach Hause komme, nehme ich sie mir einfach (lacht). Er war wirklich ein großartiger Fußballer. Ich habe noch einige Videos von ihm, die ich mir ab und zu anschaue. Wir sind nicht dieselben Spielertypen, er war eher der klassische Vollstrecker, sehr schnell und direkt. Ich bin ja eher der Techniker.

Sicher gab und gibt es den einen oder anderen väter­lichen Tipp!

Klar, mein Vater hat mir mit seiner Erfahrung schon viel geholfen. Ich denke auch jetzt noch oft daran, was er mir früher vermittelt hat. Aber ich würde ihn nicht mit den ehrgeizigen Eltern anderer Nachwuchsfußballer vergleichen. Ich war als Kind in manchen Situationen ziemlich stur, und wenn er mich dann im Spiel von der Seitenlinie aus angebrüllt hätte, wäre ich wahrscheinlich wütend vom Platz gegangen. Das wusste er und hat sich dementsprechend zurückgehalten.

Wie war das für deine Mutter, als auch du den Weg zum Profifußballer eingeschlagen hast?

Sie hat mich immer unterstützt. Eigentlich war sie nie so sehr am Fußball interessiert, aber sie ist mit meinem Vater verheiratet und muss sich zwangsläufig damit auseinandersetzen.

„Vor dem ersten Treffen war ich wirklich nervös, aber eigentlich gab es dafür keinen Grund. Zlatan ist ein netter Typ, der gerne lacht und viele Witze reißt.“
Formberg über Schweden-Legende Ibrahimovic

Und deine Freundin?

Shanga liebt Fußball, war auch selbst aktiv. Zuerst in Sundsvall, dann in Malmö – wie ich also. Sie war eine richtig gute Fußballerin und hat auch für die U19-Nationalmannschaft gespielt. Leider kam dann eine Knieverletzung dazwischen, und sie musste aufhören. In Leipzig kickt sie jetzt wieder in ihrer Freizeit und geht regelmäßig zum Training. Das tut ihr gut, denn so lernt sie Leute kennen und hat Spaß. Wir schauen oft auch gemeinsam Spiele der Champions League oder der Allsvenskan. Auch wenn ich nicht da bin, sieht sie sich die Partien an, sie kennt sich sehr gut aus.

Und ihr habt Großes vor …

Ja! Wir kennen uns schon lange, sind jetzt schon sieben Jahre zusammen und seit kurzem verlobt. Im kommenden Sommer werden wir dann heiraten! Aber es ist gar nicht so einfach, als Fußballprofi einen geeigneten Termin zu finden. Shanga plant schon ziemlich viel, fährt immer wieder nach Schweden, um geeignete Lokalitäten für die Feier zu finden. Ich überlasse ihr da aber auch gern das Feld.

Emil Forsberg RB Leipzig

Geburtstagsständchen: Am 23. Oktober traf Emil an seinem 24. Geburtstag gegen Fortuna Düsseldorf (2:1) und wurde von tausenden Fans nach Schlusspfiff gebührend gefeiert: „Das war fantastisch, unvergesslich!“

© Picture Point/Leipzig

Jugendliebe – Verlobung – Hochzeit: Das klingt alles sehr romantisch. 

Shanga ist wundervoll und mein größtes Glück. Es passt einfach. Die Verlobung war leider gar nicht so, wie man sich das vielleicht denkt. Sie ist ja extra meinetwegen mit nach Deutschland gegangen, und ich dachte, das wäre ein guter Zeitpunkt. Also habe ich sie ziemlich unromantisch an einem Abend in unserer Wohnung gefragt, ob sie meine Frau werden will. Ohne besondere Vorkehrungen oder Höhe­punkte – und trotzdem hat sie „Ja“ gesagt (lacht). Aber kürzlich hatte ich doch noch eine Überraschung für sie. Shanga ist großer Cristiano-Ronaldo-Fan, und als Malmö in der Champions League zu Hause gegen Madrid spielte, hat mein Berater für sie ein Treffen mit Ronaldo arrangiert. Ich konnte leider nicht dabei sein, aber für sie war es ein riesiger Moment.

Du verfolgst noch intensiv, was bei deinen schwedischen Vereinen passiert. Entwickeln sich im Fußball auch richtige Freundschaften?

Ja, einer meiner besten Freunde spielt auch in Deutschland, bei Hannover 96, Miiko Albornoz. Und auch andere ehemalige Mitspieler aus Malmö wie Robin Olsen oder Simon Thern sind echte Kumpels, auch wenn sie jetzt in Thessaloniki und Heerenveen spielen. Im Fußballgeschäft gehört es dazu, dass sich Wege trennen, weil jeder stetig weiterzieht. Wir spielen zum Beispiel regelmäßig online Fußball-Videospiele gegeneinander, so richtig mit Headsets und Mikrofonen. Das ist unsere Kommunikation und unsere Art, in Kontakt zu bleiben.

Und du spielst dann mit RB Leipzig und deine Kumpels mit ihren aktuellen Klubs?

Ja, so läuft es meistens. Und ich sehe ziemlich gut aus mit den Roten Bullen!

Family back together❤️😊

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Familien-Glück: Im Sommer 2016 wird Emil seine Shanga heiraten.

Hast du sonst noch einen Lieblingsverein? 

Den FC Liverpool! In Schweden wachsen wir mit der Premier ­League auf, weshalb eigentlich alle meine Freunde einen englischen Lieblingsverein haben, und bei mir ist das eben Liverpool, es ist ein großartiger Klub.

Der nun mit Jürgen Klopp einen deutschen Trainer hat. Was hältst du von „Kloppo“?

Er ist einer der Besten, ein überragender Trainer und der richtige Mann für diese Aufgabe. Ich glaube sogar, dass Liverpool jetzt um den Titel mitspielen kann.

Hast du auch einen Lieblingsspieler?

Ja, und auch das hat mit Liverpool zu tun. Heute ist das vielleicht schwer vorstellbar, aber als der Niederländer Ryan Babel 2007 von Amsterdam nach Liverpool wechselte, wurde er zu meinem Vorbild. Auch wenn seine Karriere später nicht so grandios verlief, war er zu seiner Zeit in England großartig. Aber natürlich gehört auch Zlatan Ibrahimović dazu. Er ist ein großer Spieler, schon seit meiner Kindheit. Babel und Ibrahimović – beide bewundere ich sehr.

Wie ist es denn für dich, mit Zlatan in einer Mannschaft zu spielen?

Vor dem ersten Treffen war ich wirklich nervös, aber es gab dafür eigentlich keinen Grund. Zlatan ist ein cooler und netter Typ, der gern lacht und viele Witze reißt. Wenn aber Spiel ist, ist Spiel – und dann zählt für ihn nur der Sieg. Ich glaube, das ist es auch, was ihn zu einem so exzellenten Spieler macht – diese Mentalität, und natürlich seine Qualität. Er ist der beste Fußballer Schwedens, und es ist ein Privileg, mit ihm zusammenzuspielen.

„Ich bin schon ein emotionaler Spieler, besonders wenn etwas meiner Meinung nach ungerecht oder unfair läuft.“
Forsberg kann auch mal laut werden

Gerade hat er Schweden in den Playoffs gegen Dänemark zur Europameisterschaft 2016 nach Frankreich geschossen. Auch du hattest großen Anteil, vor allem am 2:1-Hinspielsieg, als dir ein Tor und eine Vorlage gelangen.

Ich bin einfach überglücklich, dass wir das EM-Ticket gelöst haben – vor allem weil es in der Gruppenphase nicht rund lief. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Es waren zwei sehr intensive Spiele gegen Dänemark, bei denen wir alles geben mussten. Dass mir gerade in so einer wichtigen Partie und vor den eigenen Fans mein erstes Länderspieltor gelungen ist, war fantastisch, ein Traum. Natürlich ist es für mich als jüngeren Spieler wichtig, Einsatzzeit zu bekommen und dann auch zu zeigen, was ich kann. Daran arbeite ich immer wieder, und ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Aber man darf sich deswegen nicht zurücklehnen, sondern muss weiter hart arbeiten und an sich glauben.

Yussuf Poulsen verpasste hingegen den Sprung zur EM-Endrunde!

Das tut mir extrem leid, aber es war am Ende klar, dass nur einer von uns nach Frankreich kann. In meiner Anfangszeit in Leipzig hat mir gerade Yussi viel geholfen, die Stadt gezeigt und erklärt, wo man was herbekommt oder unternehmen kann. Und er hat vor allem viel übersetzt. 

Steckbrief

Name: Emil Forsberg

Nationalität: Schweden

Geburtsdatum: 23. Oktober 1991

Alter: 24 Jahre

Geburtsort: Sundsvall (Schweden)

Rückennummer: 10

Grösse: 1,75 Meter

Gewicht: 74 Kilogramm

Position: offensives Mittelfeld

Starker Fuß: rechts

Im Verein seit: 7. Januar 2015

Bisherige Vereine: GIF Sundsvall, Medskogsbron BK (Leihe), Malmö FF

Spiele für Schweden: 12 | 1 Tor ­(Debüt: 17. 01. 2014 gegen Moldawien)

Als Offensivspieler werden sowohl Yussuf als auch du an Toren gemessen. Bei dir wollte die Kugel in der Vorsaison nicht reingehen, Yussi tut sich in dieser Spielzeit etwas schwer. Sprecht ihr darüber?

Nein, das ist kein Thema. Jeder geht in seiner Karriere mal durch so eine Phase, und mit der Zeit wird sich das auch wieder geben. Yussuf trainiert sehr hart und reibt sich in jedem Spiel auf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder regelmäßig trifft.

In deiner torlosen Phase hast du in einer hitzigen Partie in Kaiserslautern sogar Gelb-Rot gesehen. War das auch etwas Frust?

Wieder nein. Ich bin schon ein emotionaler Spieler, besonders wenn etwas meiner Meinung nach ungerecht oder unfair läuft. In Sundsvall habe ich mal einen Mitspieler beschützen wollen und dabei einen anderen Spieler geschubst. Der hat sich dann in die Zunge gebissen und so stark geblutet, dass ich Rot bekommen habe und zwei Spiele aussetzen musste. Es war also der zweite Platzverweis in meiner Karriere, und beide waren etwas unglücklich.

Viele Leute meinen ja, ihr Schweden seid besonders boden­ständig, entspannt und eher ruhig. 

Das stimmt schon, bin ich privat sonst auch, aber manchmal kann man das eben verlieren.

Hast du dafür noch ein Beispiel?

Es gibt ja die Geschichten von Astrid Lindgren, etwa die von Emil aus Lönneberga, der in Deutschland Michel heißt. Wenn er etwas ausgefressen hatte, rief sein Vater dann immer lang gezogen „Eeeeeemiiil“. In meiner Kindheit wurde ich oft mit ihm verglichen, und einige Jungs riefen mich dann genauso mit einem langen Eeeeeemiiil, das mochte ich überhaupt nicht und habe das auch deutlich zum Ausdruck gebracht (lacht). Heute kann ich aber zumindest andere Lindgren-Geschichten wieder leiden, das ist dann ja auch typisch schwedisch.

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12 2015 KLUB

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