Sophia Flörsch Interview

Wie Sophia Flörsch in die Formel 1 kommen will

Interview: Holger Potye
Foto: Koch Media

Sie fährt in der Formel 4 den Konkurrenten um die Ohren und ist Deutschlands schnellste Frau. Ihr Ziel: die Formel 1! Der Weg dahin im Interview.

Sie ist jung, sie ist fesch und sie ist schnell. Wenn man mit der deutschen Rennfahrerin Sophia Flörsch mithalten will, führt man ein Leben auf der Überholspur. Auch während des Interviews.

THE RED BULLETIN: Sophia, du hast als erste Frau in der deutschen Formel-4-Meisterschaft Punkte erzielt und bist mit 15 Jahren Deutschlands schnellste Frau – und das ganz ohne Führerschein. 

SOPHIA FLÖRSCH: Motorsport ist eine der wenigen Sportarten, die nicht zwischen Männern und Frauen trennen. Ich muss gut sein und mich gegen meine Konkurrenz behaupten, egal ob Männer oder Frauen. Unterm Strich zählt die Leistung. Das ist auch mein ehrlicher Anspruch an mich selbst: Unter gleichen Voraussetzungen an der Leistung gemessen werden!

Dein Rennauto in der Ginetta Junior Championship Season 2015 hieß Paul. Beim Wechsel in die Formula 4 hast du deinem Auto den Namen Hugo gegeben. Was für eine Geschichte steckt da dahinter?

Letztes Jahr hieß mein Auto Paul wegen Paul Walker. Dieses Jahr hat mein Mechaniker den Namen ausgesucht. Ich fand Hugo gut. Er passte einfach zu meinem bunten Auto.

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Du startest in der Formel 4 gegen Mick Schumacher, den Sohn von Rennsportlegende Michael Schumacher. Du konntest ihn in niedrigeren Klassen auch schon mehrmals schlagen. Wie ist dein Verhältnis zu ihm? 

Wir kennen uns seit sechs Jahren, von daher reden wir schon miteinander, wenn wir uns sehen und sind auch befreundet. Auf der Strecke ist Mick für mich aber ein Fahrer und Konkurrent.

Die britische Presse hat dir den Spitznamen The German Blondie gegeben. Bist du happy damit oder fühlst du dich dadurch auf dein Äußeres reduziert?

Warum sollte ich? Ich bin doch ein German Blondie. Die Presse hatte das damals im Zusammenhang mit meinem Doppelsieg in Thruxton geschrieben. Es ist mein Spitzname geworden. In England weiß das jeder und auch in Deutschland werde ich immer öfter darauf angesprochen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf mein Äußeres reduziert werde.

Deine Vorbilder sind Lewis Hamilton, Niki Lauda und Sebastian Vettel. Was schätzt du an ihnen? Was haben sie mit dir gemeinsam?

Alle drei sind bzw. waren sehr schnell! Hamilton ist ein super Typ, der mir gefällt und sein aggressiver Fahrstil ist toll. Lauda ist eine Legende im Motorsport. Vettel ist schon seit mehreren Jahren mein Vorbild. Ich mag seine freche, witzige Art und denke, dass er ein Teamtyp ist. 

© YouTube // münchen.tv

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„Lewis Hamilton ist ein super Typ, der mir gefällt und sein aggressiver Fahrstil ist toll.“

In zwei Jahren willst du in der Formel 1 starten und sagst selbst, „Qualität ist wichtiger als das Alter“. Max Verstappen war mit 17 Jahren der erste minderjährige Fahrer in der Formel 1. Steht ihr in Kontakt?

Wir schreiben ab und zu und sind gut befreundet. Natürlich will ich immer Tipps bekommen. 

Die Schottin Susie Wolff hat lange versucht, in der Formel 1 Fuß zu fassen, hat aber schließlich aufgegeben. Was willst du anders machen, wenn du die Formel 1 erreichst?

Ich vergleiche mich eigentlich nicht mit anderen. Ich werde einfach versuchen, mit absolutem Willen, Trainingseinsatz und Leistung nach ganz oben zu kommen. Es gehört sehr, sehr viel Glück dazu und man muss einfach die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennen. Susie Wolff hatte keine Möglichkeit, als Stammfahrer einen Platz zu bekommen und ist aus dem aktiven Motorsport zurückgetreten. Sie gibt nun ihre Erfahrungen weiter und unterstützt junge Mädchen beim Einstieg in den Motorsport. Das gefällt mir.

Ellen Lohr, die erfolgreichste deutsche Rennfahrerin, rät dir zu einer zweiten Formel-4-Saison. Sie sagt: „Ich denke, Sophia kann erst dann zeigen, ob das was wird mit ihr oder nicht. Selbst Mick Schumacher fährt ein zweites Jahr Formel 4.“ Wie stehst du zu dieser Aussage?

Es stimmt. Die Fahrer in der Formel 4 sind nah beieinander und es gehört so viel Glück und Erfahrung dazu. Je mehr Erfahrung man hat, umso weiter vorne steht man. Bis jetzt war jeder in seiner zweiten Saison besser. Ich bin erst 15 Jahre alt, werde also auch bei einem zweiten Jahr Formel 4 dann 2018 noch jünger für den nächsten Schritt im Motorsport sein - sei es in der FIA Formel 3 oder der GP3. Ich kann zweifelsfrei in der Formel 4 noch dazulernen und mich als Rennfahrer verbessern.

KZ2 training with Gerhard Lucky Lindinger at ...

KZ2 training with Gerhard Lucky Lindinger at Ampfing. To be honest, its my 2nd day ever in a KZ2 kart. Big fun!!! Tough laps!!! Thx Lucky

Wie realistisch ist es für dich, tatsächlich einmal in der F1 zu fahren? Bisher haben nur wenige Frauen an einem Rennen teilgenommen. 

Es gab sehr wohl Frauen in der F1. Maria Teresa de Filipis, Lella Lombardi und Giovanna Amati sind wohl die bekanntesten. Ich denke auch nicht, dass Frauen grundsätzlich nicht gut genug für die F1 sind. Das Problem ist viel mehr, dass sehr wenige junge Mädchen sich überhaupt für den Motorsport interessieren, weil sie keine Vorbilder haben. Auf dem Weg vom Kart bis in die Königklasse wird die Luft immer dünner. Nur die besten kommen weiter. Wenn es mehr junge Mädchen gäbe, die mit dem Kartsport beginnen, würde es auch mehr erfolgreiche Frauen im professionellen Motorsport geben. Auch für mich ist es noch ein sehr langer Weg bis dorthin. 

Sophia Flörsch spielt F1 2016

Bist du überzeugt davon, dass du mit den männlichen Fahrern mithalten kannst? Carmen Jordá muss sich diesbezüglich viel Häme gefallen lassen. Hast du Angst vor der Kritik, eines Tages einen F1-Job zu bekommen, einfach nur wegen deinem hübschen Äußeren und dem dadurch erzielbaren Werbewert für Sponsoren?

Wenn ich nicht überzeugt davon wäre, könnte ich es gleich lassen. Ich denke schon, dass ich als Frau noch härter trainieren und mir einen gewissen Respekt erfahren muss. Aber das gehört dazu und spornt mich an. Nein, Angst habe ich deswegen keine. Ich will versuchen, mit Erfolg und Talent in die Formel 1 zu kommen. Gute Sponsoren wollen im Übrigen auch Leistung sehen und nicht nur ein hübsches Gesicht.

Hast du einen Plan B, falls das mit der Motorsportkarriere nicht klappen sollte?

Motorsport ist klar Plan A. Ich denke, ich habe auch noch Zeit, einen Plan B zu entwerfen. Ich bin gerade mal 16 Jahre und gehe aufs Gymnasium. Es ist mir wichtig, das Abitur zu machen. Ich lerne sehr viel und meine Leistungen stimmen. Momentan setze ich alles daran, Plan A erfolgreich umzusetzen.

„Ich denke, dass ich als Frau noch härter trainieren und mir einen gewissen Respekt erfahren muss.“

Die F1 steht oft in der Kritik. Es heißt, sie wird immer langweiliger. Wie siehst du das? 

Die Autos haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Sie sind viel sicherer geworden, was meiner Meinung nach sehr gut ist. Dass die Autos jetzt zu leise sind und die Rennen zu unspektakulär, weiß die Formel 1 und sie will das ja auch wieder ändern. 

Hättest du Verbesserungsvorschläge? Wie kann man die F1 wieder attraktiver machen?

Lautere Autos. Ausgeglichene Performance bei den Herstellern und Teams. Mehr Rad-an-Rad-Zweikämpfe. Spannendere Rennen. Bessere Atmosphäre für die Fans.

Sophia Flörsch Interview

The Red Bulletin hat mit Deutschlands schnellster Rennfahrerin anlässlich der Präsentation des neuen Formel-1-Games „F1 2016“ in München gesprochen.

Sophia, du kennst das Renngeschäft aus erster Hand. Wie realistisch ist die Umsetzung des neuesten F1-Games deiner Meinung nach geworden? 

Das „F1 2016“-Game ist sehr gelungen. Die Strecken sind nahe an der Realität und es macht wirklich sehr viel Spaß. Natürlich ist das nichts im Vergleich zur Realität, aber jeder Fan kann dort einen guten Einblick erhalten und seinen Kick bekommen. 

Welche Vorschläge hättest du an die Entwickler für nächstes Jahr? Kann man noch etwas optimieren? 

Ich finde, das Spiel ist sehr gut so. Leider konnte ich es erst ein bis zwei Mal spielen und war dabei von den Möglichkeiten und der Realitätsnähe beeindruckt. Der Unterschied zu meinen Rennsimulatoren liegt wohl überwiegend an der eingesetzten Hardware wie etwa Pedale und Lenkrad. 

Auf deinem Boliden prangt ein Aufkleber: „Sex – Breakfast of Champions.“ Den Spruch haben wir James Hunt zu verdanken. Hübsch frech für so eine junge Dame. Wie tickt Sophia Flörsch eigentlich privat? 

Sophia Flörsch privat hat genauso viel Humor wie Sophia Flörsch im Rennalltag. Frech ist sie auch manchmal. Beides hilft ungemein.  ;-)

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09 2016 The Red Bulletin

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