‘Mad’ Mike Whiddett über das Driften in Südafrika

Die Kunst, die Kontrolle zu verlieren:
‘Mad’ Mike Whiddett

Text: Jazz Kuschke
Foto: Craig kolesky/red bull content pool

Der Neuseeländer „Mad“ Mike Whiddett ist König des Drifts. Weil er Dinge tut, wie mit knapp 250 km/h über den spektakulären Franschhoek Pass in Südafrika zu wirbeln. „Mach deinen Wagen zu einem Teil deines Körpers“, sagt er.

Driften wirkt für den ungeschulten Betrachter ein bisschen so, als hätte der Fahrer gerade hoffnungslos die Kontrolle über sein Auto verloren. In Wahrheit ist es das genaue Gegenteil: Driften, in weiten Teilen der Welt ein hochprofessionell betriebener Sport, verlangt absolute Konzentration, höchste Präzision und unfassbares Können. Das ist bei, zum Beispiel, 248 km/h und 8800 Umdrehungen pro Minute, auch ausgesprochen nützlich. 

Die Daten sind nicht ganz zufällig gewählt: Sie geben eine Ahnung davon, wie der neuseeländische Drift-Superstar „Mad“ Mike Whiddett vergangenen September den Franschhoek Pass in der Nähe von Kapstadt in Südafrika überwand, in einem Auto, das den Namen BADBUL trägt, ein ziemlich wahnwitziger Mazda SP3 RX-8 mit Wankelmotor.

Den Spitznamen „Mad“ Mike verdankt Whiddett seiner früheren Karriere als Freestyle-Motocross-Fahrer. Mittlerweile passt er genau genommen gar nicht mehr zu ihm: Hinter dem Steuer wirkt er eiskalt und unheimlich fokussiert. Der 36-Jährige sagt, er muss alle Ängste ablegen, bevor er ins Auto steigt. „Du darfst über Risiken nicht mal nachdenken“, erklärt er. „Als ich damals Freestyle-Motocross fuhr, war genau das mein Fehler. Ich dachte oft daran, was alles passieren könnte – und hatte genau deswegen viele Unfälle.“

Klicken zum Weiterlesen
„rutschst du von der Strecke, erwarten dich komfortable Auslaufzonen mit Sandbetten, Leit- und Reifenwände. Kommst du hier von der Straße ab, heißt das: Game over.“

Der Neuseeländer wurde berühmt, sobald er seine Angst vor gefährlichen Situationen überwunden hatte. Beim Versuch am Franschhoek Pass im vergangenen Jahr war er in Hochform – ein nicht unwesentlicher Aspekt angesichts des Unterschieds zwischen Rennstrecke und Pass.

„Auf einer Drift-Strecke gehst du relativ unbesorgt ans Limit – rutschst du von der Strecke, erwarten dich komfortable Auslaufzonen mit Sandbetten, Leit- und Reifenwände. Kommst du hier von der Straße ab, heißt das: Game over.“

'Mad’ Mike Whiddett: Franschhoek Pass, Nahe Kapstadt

Erstbefahrung: „Mad“ Mike und der legendäre Franschhoek Pass in den Cape Winelands

© Tyrone Bradley/Red Bull Content Pool

„Driften ist sehr anspruchsvoll. Du musst, während du den Wagen auf die nächste Kurve einstellst, eigentlich schon an die übernächste denken, und doch absolut konzentriert auf den Augenblick sein.

Whiddett’s Mazda SP3 RX-8, BADBUL

Willkommen in Kapstadt: BADBUL wurde nach Whiddetts umjubeltem Auftritt beim Goodwood Festival of Speed in Südengland direkt nach Südafrika verfrachtet.

© Tyrone Bradley/Red Bull Content Pool

Dieses Denken muss zu deinem Instinkt werden und das Auto zu einer Art Verlängerung deines Körpers.“

Whiddett ist überzeugt, dass der nötige Fokus nicht ohne die richtige Vorbereitung zu schaffen ist. „Früher versuchte ich mich vor einem Contest einfach mit Musik zu pushen“, sagt er. Heute geht er es gelassener und geordneter an.

„Ich versuchte schon früher, den Sieg zu visualisieren – aber eben nicht den Weg dorthin. Das tue ich jetzt. Und es klappt viel besser.“

Der Franschhoek Pass verbindet Franschhoek und Villiersdorp und ist einer der spektakulärsten Gebirgspässe am Kap. Ursprünglich wurde er „Elefantenpass“ genannt (weil hier Elefanten hinunter ins Tal zogen, um ihre Kälber auf die Welt zu bringen), später nutzten Hirten den Pfad, danach auch Siedler auf Pferden. Erst 1822 veranlasste Lord Charles Somerset hier den Bau der ersten gut ausgebauten Straße Südafrikas

„Dieses Denken muss zu deinem Instinkt werden und das Auto zu einer Art Verlängerung deines Körpers.“
cockpit von Whiddetts Mazda SP3 RX-8

Im Auge des Hurrikans: das Cockpit von Whiddetts Driftmaschine Mazda SP3 RX-8

© Tyrone Bradley/Red Bull Content Pool

Sie ist 14,9 Kilometer lang, mit ihren berühmten Haarnadelkurven und dem umwerfenden Panorama lockt sie Biker, Rad- und Autofahrer zu einer Spritztour am Samstagmorgen.

In dieser Idylle jagte Whiddett sein 800-PS-Ungetüm hoch, mit fast 250 km/h Spitze, und in seinem SP3 RX-8 sah er dabei auch noch verdammt cool aus. Mit BADBUL gewann Whiddett nicht nur eine Reihe von großen Titeln, sondern war auch auf vielen spektakulären Strecken der erste Drifter, der sie befuhr.

Sieh dir „Conquer the Cape“ an, der Kurzfilm über das Drift-Spektakel am Franschhoek Pass

© youtube // Red Bull

„Allzu gut kannst du dich auf solche Erstbefahrungen nicht vorbereiten“, erklärt er. „Google Earth, ein paar Fotos, Karten – dieses Zeug halt. Wie hier am Franschhoek Pass auch kannst du dich auf die meisten Strecken nur dann wirklich gut einstellen, wenn du vor Ort bist.“

Whiddett reiste mit einem ganzen Team an Helfern und einem fast ein komplettes Backup-Auto umfassenden Ersatzteillager an. 

„Conquer the Cape“ zeigt alle Details der Vorbereitung.

Der Kurzfilm „Conquer the Cape“ über Whiddetts Drift-Projekt zeigt alle Details der Vorbereitung.

© Tyrone Bradley/Red Bull Content Pool

„Die Landschaft hier ist ähnlich, aber die Straße ist viel rauer, die Felswände massiv, Auslaufzonen gibt es nicht. Für Fehler bleibt kein Platz.“

„Die eigentliche Fahrt war dann einfach nur verrückt“, sagt er. „Es lässt sich ein wenig mit ‚Conquer the Crown‘ vergleichen, dem sehr erfolgreichen Drift-Projekt, das wir zu Hause in Neuseeland umsetzten und das den Driftsport veränderte, weil die Leute sehen konnten, mit welcher Präzision wir fahren müssen. Die Landschaft hier ist ähnlich, aber die Straße ist viel rauer, die Felswände massiv, Auslaufzonen gibt es nicht. Für Fehler bleibt kein Platz.“

Klicken zum Weiterlesen
03 2017 The Red Bulletin

Nächste Story