Michael Strasser auf den letzten Metern am Kap der Guten Hoffnung

Michael Strassers irre Fahrt durch Afrika - Neuer Weltrekord!

Fotos: Cairo2Cape/Wisser

Triathlet Michael Strasser hat sich ein Ziel gesetzt: 11.500 Kilometer mit dem Rad von der Nordküste Afrikas bis zum Kap der Guten Hoffnung - „Cairo2Cape“ eben. Nach 36 Tagen ist er angekommen. Mit zwei Weltrekorden im Gepäck. Was das für ihn bedeutet, schildert er in seinem exklusiven Blog.
Michael Strasser
Michael Strasser, 32, Triathlet, Abenteurer und nun Weltrekordhalter

Tag 36 – Teil 2 geschafft: Wir haben fertig!

Wie soll ich den heutigen (und vorerst letzten) Blog-Eintrag nur beginnen? Wir haben es geschaaaaaafft! Wir haben den Mythos „Weltrekord“ gleich zweimal geholt. Unfassbar geil fühlt sich das an. Ich hätte mir das nie zu träumen gewagt. Ich bin ein Sportler, klar hatte ich die Weltrekorde „Cairo2Cape“ und „Coast2Coast“ von Alexandria zum Kap der guten Hoffnung immer im Kopf, aber wie schon zuletzt geschrieben, habe ich mir da echt viel aufgebrummt. 

Das ist jetzt alles vergessen, der Moment des Erfolgs zählt. Ich kann es einfach noch nicht in Worte fassen, ich bin überglücklich.

Ich möchte den letzten Tag noch ein bisschen Revue passieren lassen. Aufgestanden sind wir etwas später, damit wir das Frühstücksbuffet genießen konnten. Das war echt gut. Ich habe natürlich im Auto geschlafen, Chris und Inge haben es sich im Hotel gemütlich gemacht. Ich geb’s zu, ich möchte dann auch endlich wieder mein lieb gewonnenes Bett im Auto gegen ein komfortables Hotelbett tauschen. Aber das Auto hat durchgehalten und es war echt geräumig. Danke an meinen Vater, der mit mir im Dezember das Auto umgebaut hat, damit drei Leute darin (halbwegs) gemütlich schlafen können. 

Michael Strasser mit Red Bull

Ich bin am südlichsten Punkt Afrikas angekommen.

Zurück zu den letzten Kilometern. Die Schmerzen waren fast alle weg, das Erreichen des ersten Ziels, Kapstadt, gab mir schon so viel Kraft. Inge fuhr ein bisschen mit und wir erinnerten uns gemeinsam an die vergangenen Tage. Sie ist ja richtig schnell, eine Topsportlerin. 

70 Kilometer trennten uns bis vom letzten Ziel: dort, wo die Straße nicht mehr weitergeht. Das Kribbeln startete. Wir hatten heute einen Fotografen von Red Bull mit, ein cooler Typ. Gemeinsam mit meinem Kameramann Chris wurde alles festgehalten und ich befand mich in den letzten Kurven bis hin zum Kap der guten Hoffnung. Endet es jetzt wirklich? Ja, es endet und ich habe mir meinen Traum erfüllt. Ein Traum, der zu Beginn so surreal gewirkt hatte und jetzt ein wenig mein Leben verändern wird. 

Sogar ein paar Freunde leisteten mir Gesellschaft und wir feierten den Weltrekord. Davor waren Interviews am Kap der Guten Hoffnung angesagt, denn so schnell werden wir nach über 11.000 gefahrenen Kilometern nicht wieder dort sein. Im Hotel in Stellenbosch, in der Nähe von Kapstadt, stand dann ausgiebiges Duschen am Plan. Und nicht zu vergessen, Schuhe kaufen. Ich verlor in Kenia einen meiner Schuhe. Die letzten Tage war ich eh nur in den Radschuhen unterwegs, also gingen sie mir nicht ab. Jetzt hänge ich die Radschuhe und die Räder aber etwas länger an den Nagel. 

Denn nun ist der Relaxmodus angesagt. Schlafen, den Strand genießen und von den Strapazen der letzten 36 Tage erholen. Das haben wir uns redlich verdient. 

Michael Strasser bejubelt den neuen Rekord

Ein kräftiger Jubelschrei am Kap der Guten Hoffnung von uns drei machte die Touristen aufmerksam.

© Kolesky/Nikon/Red Bull Content Pool

Ich kann es einfach noch nicht in Worte fassen, ich bin überglücklich. 
 
Über das Schaffen der beiden Weltrekorde

Jetzt bleibt mir nur noch DANKE zu sagen, DANKE für eure großartige Unterstützung, DANKE für eure Likes, Kommentare und Nachrichten auf meiner Facebook-Seite und vielen DANK für eure Streckenabschnitte-Käufe für den guten Zweck. Ich werde mich jetzt verabschieden von meinem täglichen Blog. Es hat echt Spaß gemacht, euch mit den Einträgen am Laufenden zu halten, meine Ängste mitzuteilen und meinen Emotionen freien Lauf lassen zu können. Ich halte euch weiter am Laufenden, versprochen, und freue mich auf ein Wiedersehen in Österreich.
 

Gemeinsam haben wir das geschafft, euer Michael.

Tag 35 – Teil 1 ist geschafft

Eins vorweg, wir haben am Freitag den Weltrekord aufgestellt. Doch dazu später mehr. In der Früh gut weggestartet, wussten wir, noch knapp 450 Kilometer sind es bis zum Ziel, dem Kap der Guten Hoffnung. Unmöglich, das in einem Tag schaffen zu wollen.

Diesmal war es im Vergleich zu den Vortagen relativ kühl. Doch das sollte nicht so bleiben. Gegen Mittag war die Hitze wieder so stark, wie in Afrika üblich. Mit ganz viel Fast Food, das mir Inge und Chris gekauft haben, konnten wir die Motivation hoch halten. Trotzdem waren die Schmerzen immer in meinem Kopf. Wie ich am Vortag geschrieben habe, bin ich bereits über die Grenzen meiner Belastbarkeit gegangen. Ein Zustand, der mit Sicherheit nicht gesund ist. Dafür war das Ende absehbar.

Michael Strasser in Südafrika

Danke für das Schild am Straßenrand, aber ich mache Pause, wenn ich fertig bin. 

Für meine zwei Betreuer gab’s wieder ein bisschen was zu sehen. Wir fuhren durch Worcester, einer netten Kleinstadt im Landesinneren. Danach wartete noch ein hoher Berg auf mich, den es zu überwinden galt - der Haweqwa Mountain. Durch diesen führt aber auch ein Tunnel, den Radfahrer üblicherweise nicht passieren dürfen.

Doch in Südafrika ist alles anders. Ich fragte bei der Mautstelle und die Person vor Ort meinte: „Ja klar, fahr durch.“ Gesagt, getan. Danke, dass ich mir dadurch viele Höhenmeter erspart habe.  

Michael Strasser im Tunnel

Im Tunnel zu fahren ist gefährlich, brachte mir aber viel Zeit ein.

Chris und Inge mit dem Auto hinter mir gaben mir große Sicherheit, denn der zweispurige Tunnel mit Gegenverkehr sorgte nicht gerade für ein angenehmes Fahren. Am anderen Ende aus dem Tunnel rausgekommen, meinte der auf der anderen Seite wartende Mauteintreiber, dass das verboten sei. Er musste dann eh lachen und meinte, ob wir ein wenig verrückt seien, auf einer so stark befahrenen Straße zu fahren. Die Antwort, die wir ihm gaben, könnt ihr euch denken: Ja, wir sind es. 

Gut, jetzt war eine kurze Lageplanbesprechung angesagt. Noch knapp 60 Kilometer bis nach Kapstadt. Fahren wir weiter, würden wir vor Mitternacht ankommen. Mein Sturschädel setzte sich durch, ich wollte unbedingt weiter. Zwar nicht erlaubt - aber schließlich geht es um den Weltrekord für Österreich - fuhren wir auf der Autobahn N1 bis nach Waterfront, ins Zentrum von Kapstadt weiter. Ihr habt richtig gehört: Wir fuhren bis nach Kapstadt und konnten es selbst kaum glauben, dass wir in der Hauptstadt Südafrikas angekommen sind. Wahnsinn, die Emotionen gehen mit uns durch. Lachen und Weinen sind gerade nah beieinander.

Michael Strasser in Kapstadt

Auf geht’s Richtung Waterfront, dem Zentrum von Kapstadt.

Es war geplant, dass wir erst einen Tag später in Kapstadt ankommen und die Route in 36 Tagen schaffen. Daher wird’s für euch jetzt ein bisschen kompliziert: Wir sind in 34 Tagen, 11 Stunden und zehn Minuten von Kairo nach Kapstadt gefahren. Diese Weltrekordzeit ist aber noch nicht bestätigt worden. Eine neue Fabelzeit für das Guinness Buch der Weltrekorde wurde aufgestellt. Und wem haben wir das zu verdanken? Ganz alleine euch.

Ihr habt mich Tag für Tag unterstützt, mir neue Kraft gesendet und mich in den schlimmsten Stunden voller Schmerzen nicht allein gelassen. Und ich habe das Unmögliche möglich gemacht und bin drei Tage schneller als das fünfköpfige Carocap-Team in Kapstadt angekommen. 

Lachen und Weinen sind gerade nah beieinander  
Über meine Emotionen nach dem Weltrekord

Aber es ist noch nicht Schluss. Denn ich möchte als Erster die Kontinentaldurchquerung von Alexandria, nördlich von Kairo, bis zum Kap der guten Hoffnung, südlich von Kapstadt, schaffen. Natürlich in Weltrekordzeit. Deshalb geht es morgen noch 70 Kilometer weiter zum Kap der guten Hoffnung. Aber die paar Kilometer sind dann wirklich schon zum Genießen.

Ich habe es genossen, wie viel Support ich in den letzten 35 Tagen bekommen habe, die wunderschönen Natureindrücke und die Zeit im Team zu dritt. Also freue ich mich auf den zweiten Weltrekord, den wir morgen hoffentlich als Draufgabe holen. Jetzt ist Zeit für ein bisschen Feiern angesagt.

Michael Strasser Weltrekord

Der Weltrekord ist geschafft, wir sind in Kapstadt angekommen. 

Es freut mich unheimlich, dass ein paar Freundinnen und Freunde gekommen sind. Mit denen stoßen wir jetzt an. Inge und Chris gönnen sich die Nacht im Hotel, ich bleibe meiner Linie treu und nehme mit dem Auto vorlieb. Ich habe noch nichts realisiert, ich fühle mich wie in einem Traum, der nach und nach in Erfüllung zu gehen scheint. So wie ich es vor einem Jahr zu planen begonnen hatte …


Gemeinsam haben wir das geschafft , euer Michael! 

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03 2016 The Red Bulletin

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