Wie du ein Wipe-out überstehst

Wie du ein Wipe-out überstehst

Text: Ben Smithurst & Mark Thomas

Big-Wave-Surfer Ross Clarke-Jones weiß, wie du Riesenwellen bezwingst.

„Eigentlich müsste ich längst tot sein“, sagt Ross Clarke-Jones, der in den letzten dreißig Jahren die größten Wellen des Planeten surfte. 2001 gewann er als erster Nicht-Hawaiianer den ­renommierten und selten abgehaltenen Bewerb „Quiksilver in Memory of Eddie Aikau(die Wellen müssen schon auf dem offenen Ozean mindestens 20 Fuß [6,1 Meter] hoch sein; Anm.) am Waimea Bay.

Im Februar wurde der 50-jährige Australier bei diesem Surf-Event Zweiter. Uns erzählte er, wie er es schaffte, all die Jahre zu überleben.

Surferin Rosy Hodge: Kommentatorin auf Wellenlänge

Wenige würden widersprechen. Als Teil des offiziellen Kommentatoren-Teams der World Surf League (WSL) wird Hodge dafür ­bezahlt, die exotischsten und renommiertesten Spots der Surfwelt zu besuchen und sich - frei vom Wettkampfdruck - dort auch in den Wellen auszutoben. „Ich glaube, ich ­surfe mehr denn je.

1. Bleib ruhig, du kommst raus

„Ruhig bleiben, wenn eine große Welle auf dich zukommt. Denn Panik verbraucht Sauerstoff. Atme gleichmäßig ein und aus, fülle deine Lungen­ mit Sauerstoff. Musst du unter Wasser ausatmen, dann nur kleine Mengen in langen Abständen. Der Auftrieb der Luft in deinem Körper bringt dich auch ohne Schwimmweste wieder an die Oberfläche.“

2. Fall nicht, spring

„Wenn du auf dem höchsten Punkt der Welle kurz davor bist, vom Board zu fallen, spring nach vorn. Versuche ­kerzengerade und mit den ­Füßen zuerst zu landen, damit du das Wellenface durchstoßen kannst. Machst du es richtig, tauchst du hinter der Welle wieder auf. Wenn nicht, stürzt du die Wellenwand hinunter, wirbelst mit der Lip (oberer Teil der Welle; Anm.) auf und ab und kommst in den freien Fall … oder es passiert Ärgeres.“

© Youtube // Red Bull

3. Finde nach oben

„Unter Wasser ist es manchmal pechschwarz und kaum zu erkennen, wo oben und unten ist. Ich surfe schon so lange, dass ich mich orientieren kann – mir hilft der ­Wasserdruck. Bleib wachsam: Im klaren Wasser kommt es, wenn die Wellen brechen, unter ihnen zu langen, zylinder­förmigen Strömungen – wie bei einer Waschmaschine. Mach die Augen auf und versuche, sie zu meiden.“

4. Check deinen Kopf

„Unter Wasser kann die Strömung deine Glieder ­herumwirbeln. Viele kugeln sich die Schulter aus, reißen sich Bänder und verrenken ­ihren Nacken. Spann deinen Körper an, aber beruhige deinen Geist. Geh in die Fötus­position, drücke Arme und Beine an den Körper. Zieh den Kopf ein. Denn wenn du ausgeknockt wirst und das Bewusstsein nicht rechtzeitig wiedererlangst, ertrinkst du.“

© Youtube // WSL Big Wave Awards

5. Bleib manchmal unten

„Wenn du herumgeschleudert wirst, fühlt sich eine Minute wie eine Stunde an. Dabei sind es vielleicht nur 18 Sekunden zwischen den Wellen in einem großen, reinen Swell. Damit du nicht unter eine Welle gerätst, musst du sie vorbeiziehen lassen. Du hörst das, du bemerkst eine Änderung im Wasserdruck und spürst den Widerstand. Ist sie vorbeigezogen, tauch auf.“

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10 2016 The Red Bulletin

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