Alan Roura (SUI)

Vendée Globe: Alan Roura und sein bester Freund Schokolade

Text: Alexander Macheck, Arek Piatek und Pierre-Henri Camy
Foto: christophe breschi

Der Schweizer Alan Roura über Thrill, Strapazen und das mulmige Gefühl vor dem Start der ultimativen Segel-Regatta.

Alan Roura ist der einzige Schweizer, der an der Vendée Globe 2016 teilnimmt, und jüngster Starter im Feld. Der ­Genfer gilt als Riesentalent: 2015 absolvierte er erfolgreich die bekannte Transatlantik­regatta „Transat ­Jacques Vabre“.

The Red Bulletin spricht mit ihm über seine Gefühle vor dem Start…

THE RED BULLETIN: Was machen Sie gerade?

ALAN ROURA: Mein Team und ich feilen am Boot. Hochintensiv, ich schlafe nicht mehr als zwei Stunden pro Tag. Dafür kenne ich jede einzelne Schraube an Bord. Ist auch nötig. Denn draußen kommt dir bei einer Havarie kein Mechaniker zu Hilfe.

In diesem Video siehst du einige Ausschnitte aus der „Transat ­Jacques Vabre“, an der Alan Roura 2015 teilnahm. 

© youtube // West Coast Photo

Wie emotional wird der Start werden?

Emotional? Gar nicht. Aber es gibt ein mulmiges Gefühl beim Abschied von deiner Familie. Denn, machen wir uns nichts vor: Das Risiko, sie nicht wiederzusehen, ist da. 

Die größten Gefahren da draußen?

Kollisionen mit UFOs (Unidentified Floating Objects; Anm.). Also im Wasser treibende Container, Baumstämme und Eisberge … und der Moment, wenn in der Nacht ein Tanker auf dich zusteuert: Wenn das Kollisions-Warnsignal piepst, hast du oft nur zwei Minuten, zu reagieren. Das Ausweichmanöver muss dann verdammt schnell gehen.

Vendée Globe Hochsee-Regatta

Wer bei der Vendée Globe 2016 ­bestehen will, muss Stürme, Wellen­gebirge, eisige Kälte, Einsamkeit und Schlafmangel überleben – ohne Hilfe anderer!

© VINCENT CURUTCHET/DARK FRAME 

Welche Passagen auf der Route flößen Ihnen den meisten Respekt ein?

Keine, denn das Meer ist überall unberechenbar. Vor kurzem erwischte mich vor Newport, Neuengland, ein unfassbarer Sturm, obwohl die Gegend dort als ruhig gilt. Das Meer kann sich eben sehr schnell von einem friedlichen in einen lebensbedrohlichen Ort verwandeln. 

„Draußen in der ­Einsamkeit ist ­Schokolade dein ­bester Freund. Sie erinnert dich an zu Hause.“

Was genau nimmt man sich eigentlich auf so eine Odyssee zum Essen mit?

Das meiste sind gefriergetrocknete Lebensmittel. Die nehmen wenig Platz ein und werden durch Zufügen von Wasser essbar. Das meiste Dosenfutter schmeckt aber nicht, ich gönne mir daher einen Luxus und nehme auch Schweizer Käse, Serranoschinken und sehr, sehr viel Schokolade mit. In der Einsamkeit da draußen hat das einen psychischen Vorteil. Es erinnert dich an zu Hause und hellt deine Laune auf. So sind die Rennstrapazen leichter zu ertragen.

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11 2016 The Red Bulletin

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