Max Verstappen jubelt über Sieg

Young Guns - Die Wunderkinder der Formel 1

Text: Martin Datzinger
Bild oben: Getty Images/Red Bull Content Pool

Vor einem Jahr hielten sie ihn noch zu jung für die Königsklasse, nun ist Max Verstappen der jüngste Sieger aller Zeiten - 18 Jahre reichen heutzutage, um ganz oben am Podium zu stehen. Wir zeigen Euch, was die jungen Wilden bisher noch so alles in der Formel 1 geleistet haben.

Lauda & Co: Damals waren nicht alle alt

Man glaubt es kaum, aber Niki Lauda war zu Zeiten seiner ersten großen Erfolge ein ziemlicher Jungspund - jedenfalls für damalige Verhältnisse: Erster WM-Titel in der Formel 1 mit 26! Noch schneller schaffte das Emerson Fittipaldi, auch wenn man es ihm wegen der mörderischen 70er-Jahre-Koteletten nicht abkauft - sein Altersrekord blieb über Jahrzehnte unangetastet.

Ebenfalls unerhört früh erfolgreich war Jacky Ickx, erste Pole und erster Sieg Mitte 23, getoppt von Bruce McLaren, der mit knapp 22 das Podium und wenig später dessen oberstes Treppchen erklomm. Und wer jetzt glaubt, Fernando Alonso war mit Mitte 19 bei seinem ersten F1-Start noch ein Grünschnabel: Ätsch, Ricardo Rodriguez, der jüngere der beiden Geschwister im Motorsport, unterbot das um 10 Tage. 1961.

 

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Michael Schumacher …

Renndebüt mit 22 und sofort 7. Platz im Qualifying - Eddie Jordan war noch gar nicht mit dem Feiern fertig, da hat ihm Flavio Briatore den jungen Kerpener schon abgeluchst. Der machte sich schnell als Regenspezialist und mit seiner Respektlosigkeit gegenüber dem etablierten Ausnahmefahrer Ayrton Senna einen Ruf.

Auf die Art holte er auch als damals viertjüngster Fahrer aller Zeiten in Belgien seinen ersten Sieg. Mit 25 folgte unter kontroversen Umständen der erste Titel, ein Jahr darauf wurde er zum jüngsten Doppelweltmeister aller Zeiten - die Grundlage für seine spätere Rekordjagd war gelegt.

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Sebastian Vettel und Michael Schumacher

Der jüngste Vierfach-Weltmeister mit dem jüngsten Siebenfach-Weltmeister

© Chris Stock/Red Bull Content Pool

… und die Jungs, die ihn enttrhonten

2001, als sich Michael Schumacher bei Ferrari gerade ans dauernde Gewinnen gewöhnte, drängten drei neue Siegertypen ins Starterfeld: Kimi Räikkönen, Fernando Alonso und Juan Pablo
Montoya
.

Kimi, der „Ice Man“, schnappte sich mit 22 seine erste schnellste Rennrunde, mit 23 erstmals Sieg und Pole und versäumte in derselben Saison den WM-Titel nur um 2 Punkte. Schumachers Titelserie zu brechen wurde damit der Job von Fernando Alonso, dem jüngsten Pole-Setter, Rennführenden, Podiumsstürmer und Rennsieger aller Zeiten. Nur konsequent: Mit 24 dann der jüngste Weltmeister und im Jahr darauf jüngster Doppelweltmeister.

Der Hattrick blieb ihm verwehrt, denn die Gegenwehr war erbittert: Lewis Hamilton war mit 22 in seiner Debütsaison zwar zu alt (!), um mit seinen Poles, Rennführungen und Siegen die jeweiligen
Altersrekorde des Spaniers zu unterbieten, im Jahr darauf krönte er sich aber zum abermals jüngsten Weltmeister der Geschichte.

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Sebastian Vettel und die jungen Bullen

Nachwuchsförderung im Formel-Motorsport hat seit 2001 einen Namen: Red Bull Junior Team, eine europäische Kaderschmiede unter der Leitung von Helmut Marko. Beeindruckend die Liste derer, die von dort den Sprung in die Formel 1, zur Scuderia Toro Rosso oder direkt in das Red Bull Racing Team geschafft haben: Christian Klien, Sébastien Buemi, Jaime Alguersuari (als der jüngster F1-Pilot), Carlos Sainz Jr., Publikumsliebling Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat, für einige Zeit der jüngste Punktefahrer überhaupt.

Unvergessen natürlich die Rekorde des Sebastian Vettel: Jüngster Punktesammler und Rennführender mit 20, jüngste Pole und jüngster Sieg für Toro Rosso im Märchen von Monza 2008, jüngster Weltmeister mit 23 für Red Bull, jüngster Vierfach-Weltmeister mit 26!

Sebastian Vettel, der Rekord-Jäger

Auf den Spuren von Michael Schumacher: Sebastian Vettel hat mit seinem vierten WM-Titel in Folge einen neuen Rekord aufgestellt. Und in diesem Jahr könnte der Goldjunge aus Heppenheim noch weitere Bestmarken knacken...

Helmut Marko und Sebastian Vettel

Sebastian Vettel mit seinem Förderer Helmut Marko

© Philipp Platzer/Red Bull Content Pool

Was musste sich der Holländer 2015 nicht alles anhören: Viel zu jung sei er mit seinen 17 Jahren für die Formel 1 - ihm fehle die nötige Reife, der Sport insgesamt wurde gleich in Frage gestellt. Verstappen ließ diese Unkenrufe schon in seinem zweiten Rennen mit einem Punkte-Finish verstummen - in dieser Kategorie natürlich einsamer Rekord. Gegenüber seinem Teamkollegen behielt er freilich stets die Oberhand. Vor wenigen Wochen dann der Knalleffekt: Helmut Marko ließ Max Verstappen und Daniil Kvyat die Plätze tauschen.

Ausgerechnet Lewis Hamilton stellte dieses Risiko in Frage - seinen Beitrag zum folgenden Rennverlauf kennen wir ja. Egal: Der Crash in Silber machte den Weg frei für das spannendste Rennen seit langem, für eine absolut abgebrühte Fabelfahrt und den genialen Einstand eines 18 Jahre und 228 Tage jungen Wunderknaben bei Red Bull Racing! Um es mit den Worten von Verstappens neuem Teamchef Christian Horner zu sagen: „Gratuliere, du bist ein Grand-Prix-Sieger.”

 

Max Verstappen in Barcelona

Plötzlich Superstar: Max Verstappen

© Getty Images/Red Bull Content Pool

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05 2016 The Red Bulletin

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