Imogen Caldwell

Die schönsten Seiten von Surferin Imogen Caldwell

Text: Robert Tighe
Fotos: Jean Pierrot

Westaustralien: Model und Big-Wave-Surferin Imogen Caldwell zeigt uns das kleine Paradies, in dem sich Mutter Natur ganz besondere Mühe gegeben hat.

Der Surfspot Red Bluff an der Westküste Westaustraliens ist zwölf Autostunden von der nächsten größeren Stadt entfernt, Perth. Und von der nächsten ernsthafteren menschlichen Siedlung 130 Kilometer. Das Feriencamp bei Red Bluff wird von Imogen Caldwells Eltern geführt.

Als Imogen ein Kind war, lebten hier nur zwei ­Familien mit insgesamt 13 Kindern, und ihr Spielplatz war die Natur.

„Mum schickte uns morgens raus und sagte: Seid bei Sonnenuntergang wieder da!“, sagt Caldwell. „Wir verbrachten unsere Tage mit Angeln, Tauchen und Surfen. Wir waren acht Mädchen, und alle acht surften. Wenn andere Surfer kamen, wunderten sie sich über diesen Haufen wilder Girls, denen keine Welle zu groß war.“

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Vor drei Jahren war einer dieser Urlauber Nathan Webster, ehemaliger Surfprofi und Australien-Chef der Modemarke RVCA. „Wir fuhren in die Wüste. Da sah ich diese kleine Fata Morgana auf einem Felsen sitzen“, sagt Webster über die erste Begegnung mit Imogen Caldwell. „Dann sah ich sie surfen und einige Bilder von ihr. Ich wusste, es wird eine große Story. Sie ist ein unglaubliches Mädchen.“

Seitdem reist dieses Mädchen als Markenbotschafterin und Model für RVCA durch die Welt. Dieses Jahr will sie den nächsten Schritt setzen: Sie will ihre Surf-Skills in den größten Wellen der Welt unter Beweis stellen.

Zum Red Bluff führt nur ein Kiesweg, so holprig und staubig, dass du ihn nur in bester Verfassung oder per SUV angehen solltest.

THE RED BULLETIN: Bist du modelnde Surferin oder surfendes Model?

IMOGEN CALDWELL: Definitiv bin ich zuallererst Surferin. Würdest du mich näher kennenlernen, du hieltest mich niemals für ein Model. Ich bin ja auch gar nicht der Typ dafür. Leute, die mich kennen, können sich nicht vorstellen, dass ich überhaupt ruhig sitzen kann, bis mein Make-up fertig ist.

Die Modebranche ist ganz anders als die Welt, in der du aufgewachsen bist. Wie kommst du mit dem Tempo und dem Glamour zurecht? 

Manchmal muss ich mich durch­beißen. Ich habe nicht gerne allzu ­viele Leute um mich. Ich bin daran ­gewöhnt, draußen zu sein, in freier Natur, nicht in einer Großstadt. Am glücklichsten bin ich in der Wildnis.

„Ich bin daran gewöhnt, draußen zu sein, in freier Natur, nicht in einer Großstadt.“
Imogen Caldwell, 20

Wann hast du erstmals begriffen, dass deine Kindheit ganz anders war als die der meisten Menschen? 

Das wusste ich immer schon. Wir hingen ja mit Kindern ab, die in den Schulferien zum Bluff kamen – die ­gaben uns schon zu verstehen, wie seltsam unser Leben für sie war.

Caldwell stammt aus dem abgelegenen Surf-Resort Red Bluff in Westaustralien. Ihre Kindheit bestand aus Angeln, Surfen und Tauchen.

Nimm allein die Schule: Wir wurden zu Hause unterrichtet, aber wenn man gut fischen oder surfen konnte, wurde das Lernen zur Nebensache.

The Bluff ist nicht gerade ein idealer Ort, um surfen zu lernen …

Wenn die Swells kommen, können die Wellen im Winter ziemlich groß werden. Aber ich habe mich schon früh an sie gewöhnt. Mein Vater stellte mich mit zehn oder elf auf ein Surfbrett. Ich lernte deswegen so schnell, weil es ja sonst nichts zu tun gab. ­Entweder ich würde gut werden oder mich zu Tode langweilen. Ich verbrachte so eigentlich den ganzen Tag im Wasser.

Am Bluff bekommen Surfer regelmäßig Besuch von Haien und Walen. Schon mal welchen begegnet?

Erst gestern sah ich beim Surfen einen Hai. Was aber in Westaustralien nicht ungewöhnlich ist. Und so leicht bringt mich nichts durcheinander. Ich ließ jede Menge Haut am Riff, zerbrach unzählige Bretter und wäre mehrmals beinahe ertrunken. Aber ich bin glimpflich davongekommen, wenn man all die verrückten Dinge bedenkt, die ich mache.

Wie trainierst du Big-Wave-Surfen?

Ich versuche täglich zu surfen und tauche viel – das ist auch das beste Atemtraining. Fit halte ich mich durch Motocross. Ich war nie ein Fitness­studio-Junkie, habe nie Pilates oder Yoga gemacht. Gibt’s beim Yoga nicht diesen Sonnengruß? Das ist die einzige Übung, die ich kenne.

In diesem Jahr will Caldwell Westaustraliens größte Brandungswellen surfen.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich lerne für meine Pilotenlizenz. Und entwerfe eine Modekollektion, die hoffentlich noch dieses Jahr rauskommt. Mode interessiert mich schon, seit ich klein bin. Endlich ist es mit einer Kollektion so weit!

Endlich? Du bist erst zwanzig …

Ich weiß. Aber ich mag, wenn es schnell zugeht. Mein größtes Projekt in diesem Jahr ziehe ich mit meinem Verlobten Courtney Brown und seinem Bruder Kerby durch. Wir surfen einige der größten Brandungswellen der westaustralischen Küste. Ich freue mich total darauf. Und hoffentlich geh ich nicht drauf dabei. Ich bin aufgeregt, gleichzeitig habe ich Angst.

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06 2017 The Red Bulletin

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