Hugh Jackman und Co.: Resumee der Berlinale 2017

Berlinale 2017: Festival der Fighter

Text: Rüdiger Sturm / Julia Zimanofsky
Foto: Stephane Cardinale - Corbis/Corbis via Getty Images

Zwischen Eiswinden und Geduldsproben – die Berlinale, Deutschlands größtes Film-Festival, war auch dieses Jahr nichts für zarte Seelen.

300.000 Zuschauer – das größte Publikumsfilmfestival der Welt. Rein zahlenmäßig ist die Berlinale ein Fest der Superlative. Doch es ist auch ein Event für Survival-Spezialisten. Wenn einem der Ostwind in der Betonwüste des Festivalzentrums um die Nase bläst, wenn die Temperaturen phasenweise zweistellige Minusgrade erreichen, dann wird Filmeschauen zum Härtetest.

Hollywood-Stars kommen nur in homöpathischen Dosen an den Potsdamer Platz – womöglich weil sie nicht auf dem roten Teppich vor hin sich hin bibbern wollen. Doch auch im plüschigen Inneren der Kinos ist Durchhaltevermögen gefragt.

7 Fakten über Wolverine

Düster und blutrünstig, aber dennoch auf der guten Seite: 7 Dinge, die du über Wolverine nicht wusstest. The Red Bulletin, das Active-Lifestyle-Männermagazin.

Klicken zum Weiterlesen

Dass hier nicht der mitreißende Mainstream über die Leinwand flimmert, ist von vornherein klar. Manche Regisseure scheinen Geschichtenerzählen mit dem langatmigen Abfilmen von Landschaften zu verwechseln – ob der Deutsche Thomas Arslan in „Helle Nächte“ oder der Brasilianer Marcelo Gomes mit „Joachim“. Regisseur Oren Moverman verliert sich in der Mitte von „The Dinner“ wiederum in den Feldern von Gettysburg. Ein wenig besser macht es der Amerikaner James Gray mit seinem Entdecker-Epos „Die versunkene Stadt Z“, in dem er Charlie Hunnam, demnächst Coverboy von The Red Bulletin, durch den Dschungel Amazoniens hetzt. Allerdings, von der fiebrigen Intensität eines Werner Herzog („Fitzcarraldo“, „Aguirre“) ist er ein gutes Stück entfernt. 

Charlie Hunnam on Twitter

Charlie Hunnam during the 2017 Berlinale International Film Festival (February 14) in Berlin.

Wer Spannung sucht, der muss sich zum Teil an Wortgefechte halten – ob in dem schon zitierten „The Dinner“ oder dem britischen „The Party“, wo sich Politiker mit ihren Abendgesellschaften verbal keilen. Wenn es zur Sache geht, dann im Zeichentrickformat wie in dem chinesischen „Einen schönen Tag noch“, in dem ein Fahrer mit einer Tasche voller Geld gejagt wird. Blut fließt am ehesten in Liebesfilmen wie dem ungarischen „On Body And Soul“, in dem zwei Mitarbeiter eines Schlachthofs inmitten von Eingeweiden und Körperteilen Gefühle füreinander entdecken. Ein anderes Schlachtfeld waren die Pressekonferenzen, in denen die Beteiligten wie Richard Gere oder Stanley Tucci sich immer wieder auf einen großen Gegner einschossen – Donald Trump.

 

Blut fließt am ehesten in Liebesfilmen
Die Berlinale überrascht

Zum Schluss wurde dann der Kampf gegen alle Widrigkeiten mit der Vision eines Helden belohnt: In „Logan“ zeigte Hugh Jackman seinen emotional schlüssigsten Auftritt als Wolverine – und das mit konsequenter Härte. Nach gerade überstandener Krebsoperation, von der noch ein Nasenpflaster zeugte, wagte er sich er dann auch noch in das nasskalte Berliner Wetter. So gesehen war das das denkbar würdigste und passendste Finale für ein Festival der Kämpfernaturen.

Klicken zum Weiterlesen
02 2017 The Red Bulletin

Nächste Story