Eréndira Ibarra: Der Sense8-Star im sexy Shooting

Eréndira Ibarra:
„Grenzen? Sind nur in deinem Kopf“

Fotos: Ramona Rosales
Text: Rocío Estrada

Die mexikanische Schauspielerin steht in der Netflix-Serie „Sense8“ für die Verführung, lebte als Kind in den Bäumen und lernt jeden Tag von ­neuem, dass wir als Menschen viel mehr Power haben, als wir uns zunächst zutrauen.

Das Interview läuft noch ­keine fünf Minuten, da ­drängelt sich ein US-amerikanischer Tourist an unseren Tisch in dem Café in Colonia Roma in Mexico City und erklärt unserer Gesprächspartnerin gestenreich, was für ein Fan er sei und ob er nicht ein Selfie mit ihr …

Die mexikanische Schauspielerin Eréndira Ibarra hat ihn ganz offensichtlich ­geschafft, den Sprung in die US-Entertainmentindustrie. Mit der Rolle der ­Daniela in „Sense8“ ist sie in Millionen Wohnzimmer der Netflix-Community eingezogen, und wir fragen uns schön langsam, ob es ­clever war, das Gespräch in aller Öffentlichkeit zu führen. Eréndira jedenfalls genießt die Aufmerksamkeit und nickt freundlich, als ihr ein weiterer Fan über den Kaffeehaustisch ­einen Zeitungsartikel vor die Nase hält.

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THE RED BULLETIN: Frau Ibarra, schön, dass Sie so eine agile Fan-Community haben. 

ERENDIRA IBARRA (strahlt): Herrlich, nicht wahr? Mein Leben ist voller Magie! 

Magie. In Ordnung. War das schon immer so? Wie war Ihr Leben, bevor Sie inter­national bekannt wurden?

Ich war das „Erdbeben-Girl“. Als Kind nannten mich alle so. Ich war ziemlich hyperaktiv. Später riefen sie mich „Baum-Kind“, weil ich ständig auf Bäume kletterte.

Wie können wir uns den Weg vom hyperaktiven Baum-Girl zur Schauspielerin vorstellen? Was gab den Ausschlag? 

Ein Geschichtsbuch.

Eréndira Ibarra en entrevista y photo shooting para The Red Bulletin

Ein Geschichtsbuch?

Ja, ich war auf der Highschool, hatte mein Geschichtsbuch verloren und war deswegen total fertig. Ich rannte zur Partnerin meines Vaters und heulte mich aus, weil ich mir jetzt „ganz sicher“ war, „dass ich diese verdammte Schule niemals schaffen werde!“

Ja, und? 

Sie sah mich nur an und sagte: „Was, wenn du die Highschool nicht abschließt? Was, wenn du jetzt einfach mal aufhörst, unglücklich zu sein, und stattdessen das tust, was dir Spaß macht?“ 

Und das war die Schauspielerei.

Ja.

Eréndira Ibarra im Fotoshooting für The Red Bulletin

Vom hyperaktiven „Baum-Kind“ über ein verlorenes Geschichtsbuch zur Schauspielerin: Eréndira Ibarra alias Daniela Velasquez in „Sense8“.

Make-up: Betty Cisneros
Styling: Tino Portillo
Hair: Erick Moreno
Badeanzug: Ocelote

Sie sind die einzige Tochter des TV-Produzenten Epigmenio Ibarra. Hilft das bei der Karriere?

Meinem Vater wäre lieber gewesen, ich hätte studiert. Und ich sag Ihnen etwas: Mir hat keiner was geschenkt. Im Gegenteil, ich ­wurde gemobbt und litt darunter wie ein Hund, weil ich nicht sicher war, ob die Leute nicht recht hatten mit dem, was sie über mich sagten.

Was wurde über Sie gesagt?

Mir geht es ums Prinzip: Was glauben Sie, was passiert, wenn Sie ständig kritisiert werden? Was glauben Sie, wie Sie sich fühlen, wenn Sie andauernd dazu manipuliert werden, ­anders sein zu müssen, als Sie sind?

Sagen Sie es uns.

Sie kommen in einen massiven Konflikt mit sich selbst. In dem Zustand bringen Sie dann auch nichts Gutes zustande.

Eréndira Ibarra, 31, lernte mit CrossFit-Training, ihre Limits zu verschieben. Nicht nur im Sport, sondern generell im Leben.

Body: Eva Urias
Sweater und Stiefeletten: Fenty Puma

Ein Teufelskreis. Wie kamen Sie da raus?

Mit CrossFit

Mit Fitnesstraining?

Ja, damit habe ich gelernt, meine Grenzen zu verschieben. Das hat für mich damit zu tun, dass ich es nicht allein betreibe, sondern von der Gruppe mitgenommen werde. Du siehst auch sofort Ergebnisse. Diese Erfahrungen habe ich in andere Lebensbereiche übersetzt. Ich schaffe heute Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals hinbekomme. 

Was zum Beispiel?

Die Rolle der Daniela in „Sense8“ zu kriegen, zum Beispiel. Ich dachte mir: Wow, ich treffe Lana Wachowski (Mit-Erfinderin der „Matrix“-Trilogie; Anm.), und dann kam ich sogar noch zu spät zum Vorsprechen und war sch***­nervös, aber wissen Sie, was? Ich hab mich dem gestellt, hab die Szene gespielt – und war danach sicher, ich hätte es vergeigt.

Ein Irrtum, wie wir mittlerweile alle wissen. 

Genau. So ist das mit dem Selbstbild. Ich war in Wahrheit besser, als ich gedacht hatte. 

  
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01 2017 The Red Bulletin

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