Finn Jones talks Iron Fist

Finn Jones: „Naivität ist keine Schwäche!“

Interview: Holger Potye
Foto: Cara Howe/Netflix

The Red Bulletin hat mit „Iron Fist“-Star Finn Jones über sein neues Leben im Marvel-Universum, die Vorteile und Gefahren von Social Media, und seinen Abgang von Game of Thrones gesprochen. 

THE RED BULLETIN: Danny Rand, ihr Charakter in „Iron Fist“, ist ein buddhistischer Mönch mit coolen Martial-Arts-Skills und einem imposanten Vermögen. Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor?

FINN JONES: Ich habe mich auf drei Arten vorbereitet: Da gab es die physikalische Komponente, die emotionale und die mentale. Ich habe versucht Dannys Schwächen und Stärken möglichst ungefiltert auf mich einwirken zu lassen.

Haben Sie zur Vorbereitung auf die Rolle auch die „Iron Fist“-Comics gelesen?

Ich habe einen ganzen Stapel von „Iron Fist“-Comics am Ende meines Bettes liegen. Jeden Abend schnappe ich mir ein paar davon und scmökere darin. Ich mag vor allem „Immortal Iron Fist“, „Iron Fist: Living Weapon“ und auch „Power Man and Iron Fist“.

Iron Fist läuft seit 17. März auf Netflix.

© YouTube//Netflix US & Canada

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Wie viele Stunden haben Sie zur Vorbereitung auf ihre Rolle im Fitnesscenter verbracht?

Ich hätte gerne mehr Zeit mit Workout verbracht, aber sobald die Produktion losging, war einfach keine Zeit mehr übrig. Bevor die Dreharbeiten gestartet sind, habe ich drei Wochen intensivstes Fitness- und Martial-Arts-Training absolviert. Ich hatte gehofft, dass ich auch während des Drehs trainieren könnte – aber das war fast unmöglich. Also bin ich an meinen freien Tagen und am Wochenende ins Fitnesscenter gelaufen und hab weitergemacht.  

Das klingt nach einem ziemlich intensiven Dreh.

Absolut. Wir haben sechs Monate an „Iron Fist“ gedreht und dann ging es gleich mit „The Defenders“ weiter. Insgesamt habe ich also ein Jahr im Marvel-Serienuniversum verbracht. 

Finn Jones - Behind the scenes - Iron Fist

Finn Jones in Action am Set von Iron Fist 

© David Giesbrecht/Netflix

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und ihrem Serien-Charakter?

Danny und ich teilen einige Verletzlichkeiten – manche würden es wohl auch Schwächen nennen.

Wie zum Beispiel?

„Ich versuche immer das Beste zu tun. Diese Naivität hat mir schon des Öfteren Probleme bereitet.“

Danny hat keine Angst davor, der Welt offen, naiv und unschuldig gegenüberzutreten. Es gab auch Zeiten in meinem Leben, in denen ich ein bisschen naiv war. Ich versuche immer das Beste zu tun, und gehe bei Menschen vom Besten aus. Diese „Naivität“ hat mir schon des Öfteren Probleme bereitet. Ich betrachte sie trotzdem eher als Charakterstärke, nicht als eine Schwäche. Außerdem habe ich mit Danny gemeinsam, dass wir beide Waisen waren.

„Iron Fist“ leitet direkt die nächste Marvel-Serie „The Defenders“ ein. Was hat mehr Spaß gemacht: Die Solo-Drehs für „Iron Fist“ oder das Teamwork mit den anderen Marvel-Serienhelden?

Für „Iron Fist“ stand ich quasi jeden Tag für jede Szene vor der Kamera. Das war eine extrem intensive Zeit. Bei „The Defenders“ war ich Teil eines größeren Teams. Da war es einfach nett, nach einem langen Drehtag abends zu Bett zu gehen, und zu merken, dass die Verantwortung nicht alleine auf deinen Schultern ruht. Wir verstehen uns im Team prima, allerdings können dir die kalten Drehtage im Winter in New York schon an die Substanz gehen. Aber mit den richtigen Leuten um dich, überstehst du auch das. 

love this photo - stephanie and Pashelle, queens behind the costume on Defenders. we're lucky to have them.

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Mit welchem Co-Star hatten Sie am meisten Spaß am „Defenders“-Set?

Jeder Charakter bei den „Defenders“ ist auf seine Weise cool. Mike [Colter] einfach umwerfend ist. Er kann extrem albern und ziemlich verrückt sein. Krysten [Ritter] hat diese ganz arge Energie. Und sie ist clever und witzig. Dasselbe gilt für Charlie [Cox]. Ich will hier jetzt nicht aufdrehen, und die Werbetrommel dafür rühren, was für eine coole Truppe wir doch sind. Aber wir verstehen uns tatsächlich prima. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach.

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Wie sehr fehlen Ihnen die Kollegen von „Game Of Thrones?

Sehr. Ich habe sechs Jahre am Set von „GoT“ verbracht, bin praktisch mit der Serie aufgewachsen. Mein Abgang war auch vom Zeitpunkt her gut, weil ich dadurch die Hauptrolle in „Iron Fist“ übernehmen konnte. Aber es wäre gelogen, zu sagen, dass ich das Team nicht vermissen würde. Außerdem würde ich verdammt gerne vor allen anderen wissen, wie die Serie enden wird. [Lacht.] „GoT“ ist für mich wie eine zweite Familie. Als Schauspieler ist es immer hart, wenn du von einem Job zum nächsten wechselst. Du gibst jedes Mal einige enge Freundschaften auf und hoffst darauf, dass du beim nächsten Job auch wieder eine neue Familie findest.

Kommen wir zum Marvel Cinematic Universe zurück. Eine Theorie besagt, dass Ende 2019 mit dem Sequel zu „The Avengers“, das auf die „Infinity Wars“ folgen wird, das Marvel-Universe zu Ende geht.

Marvel Studios und Marvel Television sind zwei separate Studios. Ich bin also nicht im Bilde darüber, was für diesen Film geplant ist. Sollte Marvel jemals die Kinowelt mit der TV-Welt vermischen wollen, wäre es meiner Meinung nach spannender, einige der Kino-Superhelden im Marvel-TV-Universum aufschlagen zu lassen. Ich denke, es wäre spannend mehr darüber zu erfahren, wie die großen Kinohelden tatsächlich ticken. In den Filmen bleibt meist nur wenige Zeit für die Charakterisierung der Hauptfiguren. Ich glaube den Fans würde das gefallen. Und es wäre bestimmt spannender, als wenn wir als „kleine Sidekick“-TV-Helden auf der großen Leinwand auftauchen.

Welche Superhelden sind cooler: die von DC oder Marvel?

Ich finde beide Gruppen gut. Es kommt immer auf den jeweiligen Charakter und die Story dahinter an.

Eine sehr diplomatische Antwort. Haben Sie einen Lieblings-Comic-Helden?

Ich stehe mehr auf Graphic Novels und bin ein großer Fan von „Akira“. Ich bin mit japanischen Graphic Novels aufgewachsen. Sie sind mir ans Herz gewachsen.

Es gab auf Twitter eine Debatte darüber, warum „Iron Fist“ nicht von einem asiatisch-stämmigen Schauspieler gespielt wurde. Einige kritisierten, dass Sie als Europäer die Rolle bekommen haben. Wie denken Sie darüber? Sind die Social-Media-Kanäle ein Segen oder Fluch für Schauspieler?

Meiner Meinung nach sind sie ein Segen. Sie ermöglichen es dir, rasch gute Ideen in der Welt zu verbreiten. Vor allem in Zeiten von so viel Desinformation und Verwirrung ist das enorm wichtig. Genauso wichtig ist es, offen über Dinge zu diskutieren. Dass es da unterschiedliche Meinungen gibt, ist klar. Ich stehe zu meinen Aussagen und bin dankbar dafür, dass ich über Twitter und Co eine Stimme da draußen habe.

😅 #freethenipple

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03 2017 The Red Bulletin 

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