isaac Hempstead-Wright

Isaac Hempstead-Wright: „Gott ist tot“

Text: Rüdiger Sturm
Foto: HBO

In der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ kehrt Isaac Hempstead-Wright als Bran Stark mit neuen spirituellen Kräften zurück. Im Gegensatz zu seiner Figur sucht er seine Erleuchtung in der Musik, bei deutschen Philosophen und Wikipedia.

THE RED BULLETIN: Sie mussten eine Zwangspause einlegen, weil die Figur von Bran Stark nicht in der fünften Staffel von „Game of Thrones„ auftaucht. Wie sind Sie mit so einer Enttäuschung umgegangen?

ISAAC HEMPSTEAD-WRIGHT: Ich war nicht enttäuscht, sondern erleichtert. Denn eines Morgens bekam ich eine Nachricht meines Agenten, dass Dan Weiss und David Benioff, die Schöpfer der Serie mit mir sprechen wollten. Und jeder weiß, was das bedeutet: Deine Figur wird sterben. Ich war total fertig. Dann telefonierten wir und sie meinten: ‚Du wirst jetzt pausieren.’ Und ich sagte: „Super!“

Können Sie solche beruflichen Auszeiten empfehlen?

Da bin ich mir nicht sicher. Als ich mir meine Aufnahmen vom ersten Drehtag der neuen Staffel anschaute, war ich geschockt: ‚Mein Gott, was bin ich eingerostet.’

Der Trailer von Game of Thrones: Staffel sechs

© Tyrion Lannister // YouTube

Wenn Sie mal ein Jahr lang machen können, was Sie wollen, was wäre das?

Dann würde ich alle möglichen Konzerthäuser und Spielorte besuchen und mir Millionen verschiedener Musikstücke anhören – ganz viele Klavierkonzerte oder Ronnie Scotts Jazz Orchestra oder die Babyshambles – und alles dazwischen. 

Wie viel Zeit bleibt Ihnen, wenn Sie „Game of Thrones“ drehen?

Effektiv muss ich ein halbes Jahr für die Serie blocken. Wobei ich nicht die ganze Zeit vor der Kamera stehe. Das sind vielleicht mal sechs Wochen, dann habe ich wieder Pause, danach kommen ein, zwei Tage. Aber ich bin nicht imstande, richtig zu planen, denn es kann passieren, dass ich einen Anruf bekomme: ‚Morgen, geht’s wieder weiter. Steig ins Flugzeug nach Belfast.’

It's been too long @kristiannairn 😃

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Zu Beginn der sechsten Staffel hat Bran gelernt, seine Kräfte zu meistern. Wenn Sie sich einen Lehrer für Ihr Leben wünschen könnten, wer wäre das?

Friedrich Nietzsche – wenn er noch am Leben wäre.

Ein Mann, der gesagt hat „Gott ist tot“…

Ich liebe diesen Satz.

Und Sie haben diesen Philosophen auch verstanden?

Ich gebe zu, ich habe es als 12jähriger mal mit „Also sprach Zarathustra“ versucht, aber das war mir doch zu hoch. „Götzen-Dämmerung oder wie man mit dem Hammer philosophiert“ fasst seine Ansichten allerdings ziemlich gut zusammen. Und offen gestanden ist auch das Internet eine ziemlich gute Quelle.

Sie informieren sich also über Wikipedia?

Ja, ich weiß, jeder zieht darüber her. Aber wenn es um Wissenschaft und Mathematik geht, dann sind die Artikel ziemlich korrekt.

„Wenn es um Wissenschaft und Mathematik geht, dann sind die Artikel ziemlich korrekt.“
Isaac Hempstead-Wright über Wikipedia

Würden Sie Philosophie studieren wollen?

Das weiß ich nicht. Ich hatte verschiedenste Phasen – erstmal wollte ich Neurowissenschaften studieren, dann Physik und aktuell Musik.

Angeblich legen Sie Ihre „Game of Thrones“-Gagen auf die Kante, um sich damit ihre Uniausbildung zu finanzieren.

Da liegt Wikipedia falsch. (lacht)

Die Seite ist also doch nicht so zuverlässig.

Zum Teil ist der Eintrag richtig – ich habe Geld für mein Studium gespart, doch laut Wikipedia will ich auch einen Doktor machen. Und da bin ich mir nicht so sicher.

Sie könnten ja Ihr Geld auch für Mädchen ausgeben. Haben Sie viele weibliche Fans an Ihrer Schule?

Nicht so richtig. Die Sache ist die, dass viele der Kids die Serie gar nicht sehen können. Die ist ja nicht jugendfrei. Selbst ich durfte das am Anfang nicht. Deshalb ist meine Rolle für meine Mitschüler nichts Besonderes. Wenn ich mal nicht da war, hieß es nur: ‚Wo ist Isaac?’ – ‚Der macht bloß was in Belfast.’ – ‚Ach so.’

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04 2016 The Red Bulletin

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