Ilfenesh Hadera: Das neue "Baywatch Babe"

Ilfenesh Hadera: Die neue Definition des „Baywatch Babes“

Text: Nora O’Donnell
Foto oben: Dove Shore
Einteiler: Duskii
Sonnenbrille: Vintage

Den „Baywatch“-Star Ilfenesh Hadera möchte man nie mehr loslassen. Die New Yorkerin ist bodenständig, beweist Mitgefühl und sieht dazu noch Hammer aus. Da – eine Welle! Bitte rette uns!

Wie recycelt man die 1990er-TV-Kultserie „Baywatch“ und macht daraus einen Film, der sich nach 2017 anfühlt? Mit Augenzwinkern. Und dem richtigen Cast. Für Dwayne Johnson, Hauptdarsteller und Produzent, war das Casting seiner Angebeteten nicht gerade einfach. „Sie musste so viel sein“, schrieb Johnson auf Instagram. „Stark, intelligent, schön, beeindruckend, witzig. Darf ich vorstellen: die talentierte Ilfenesh Hadera gehört jetzt zu unserer ‚Baywatch‘-Familie.“

Wir können das Anforderungsprofil bestätigen: Hadera ist all das und mehr. Die 31-jährige Schauspielerin ist eine echte New Yorkerin (präzise: Harlem), spielte bereits im gefeierten HBO-Sechsteiler „Show Me a Hero“ sowie in Showtimes „Billions“ und ist einer der Lieblinge von Regisseur Spike Lee. Nicht unbedingt der Lebenslauf, den man hinter einer Rolle in „Baywatch“ erwarten würde, aber Hadera ist eben alles andere als gewöhnlich. 

Kurz gesagt: The Rock hat einfach Geschmack.

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THE RED BULLETIN: 1989 schrieb „The Hollywood Reporter“ zur „Baywatch“-Pilotfolge: „Natürlich beißen die Zuseher wegen der geölten Körper an.“ Hat sich ein Vierteljahrhundert später etwas am „Baywatch“-Mindset geändert?

ILFENESH HADERA (lacht): Na ja, klar geht es immer noch um Fitness, um gutes Aussehen. Zac Efron wurde zur Maschine. Und Dwayne war ohnehin nie etwas anderes. Aber der Film hat auch Witz und nimmt sich nicht super ernst, ohne dabei zur Parodie des Originals zu verkommen. Plus: Wir haben fette Explosionen und Verfolgungsjagden am Wasser!

Wie empfindet man als Frau den Vergleich von damals und heute? 

Das Lustige an meiner Figur (Stephanie Holden; Anm.) ist, dass sie die zugeknöpfteste der drei Rettungsschwimmerinnen ist. Darum habe ich mich nie wie ein Objekt gefühlt. 

Ilfenesh Hadera: Baywatch

Der Star des neuen „Baywatch“-Films lässt sich nicht auf ihre Bikinifigur ­reduzieren: Producer Dwayne ­Johnson hat mit ihr eine starke Frau mit Herz und Hirn gecastet.
Bikini: Duskii

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Dwayne Johnson sagte, du bist härter als ein Diamant. Hat er recht?

Ich hatte das Glück, dass mich unglaublich starke Frauen aufzogen: meine Mutter und meine Großmutter. Meine Großmutter ist 84, aktiv, unabhängig, schlau, abenteuerlustig und verdammt hart.

„Meine Eltern brachten mir bei, dass ich wirklich immer versuchen soll, ein guter Mensch zu sein, in jeder Situation. Man weiß ja nie, was andere durchmachen mussten.“

Das gilt auch für meine Mutter. Sie ist meine beste Freundin, und niemand ist so cool wie sie. Sie kommt aus Vermont und hat diesen lässigen Hippie-Vibe. Mum und Granny sind die mitfühlendsten, wundervollsten, liebenswertesten Frauen, die ich kenne, aber eben auch verdammt taff.

Deine Eltern leiten das „African Services Committee“, eine New Yorker Organisation, die Flüchtlingen hilft. Dein Vater flüchtete ja selbst aus Äthiopien in die USA. Was an der Arbeit deiner Eltern hat dich am meisten geprägt? 

Sie brachten mir bei, dass ich wirklich immer versuchen soll, ein guter Mensch zu sein, in jeder Situation. Man weiß ja nie, was andere durchmachen mussten. Darum muss man Menschen mit Mitgefühl und Großzügigkeit begegnen.

Hat diese Einstellung deiner Eltern einen Anteil an deinem Erfolg beim Film? 

Hm … wenn ich mir ansehe, was meine Eltern leisten, dann kommt mir meine Schauspielerei ziemlich dürftig vor. Verstehst du, was ich meine?

Aber mit der Schauspielerei kannst du doch enorm viele Menschen erreichen.

Das stimmt, aber man muss sich ständig an die Möglichkeiten dieses Jobs erinnern. Ich schätze mich glücklich, jeden Tag das tun zu können, was ich liebe. Jahrelang arbeitete ich in einem Restaurant, ich schlug mich durch, um die Rechnungen bezahlen zu können. Was war ich denn? Eine Bedienung, keine Schauspielerin. Aber so sah ich das nie, das hätte ja nichts gebracht. Solange man alles gibt, um dorthin zu kommen, wo man hin möchte, muss man sich nicht für den Weg schämen, auf dem man sein Ziel erreicht.

Jetzt hast du es geschafft. 

Der Traum ist wahr, ja. Aber es ist hart, wenn mich meine Eltern wegen einer abgelehnten Förderung anrufen und ich am Strand in meinem roten Bikini rumstolziere. Sagen wir mal: Von außen ist der Einfluss der Arbeit meiner Eltern auf meine nicht leicht zu erkennen. 

Dwayne 'The Rock' Johnson: Sein Karriereweg

Als Wrestler, Schauspieler, Rapper und Bestseller-Autor hatte Dwayne „THE ROCK" Johnson bislang noch nicht oft Gelegenheit, aus Misserfolgen zu lernen.

Aber als Celebrity kannst du doch Gutes für die Sache tun!

Das stimmt auch, ja. Und endlich spüre ich, dass ich mich nützlich machen kann. Vor kurzem gründeten meine Eltern einen Jugendausschuss und fragten mich, ob ich eine Rede halte, um das Ganze anzuschieben. Ich rede nicht gerne vor Leuten, aber ich habe ihnen zugesagt, ein Video zu machen.

Und ich dachte mir, wäre es nicht cool, wenn Dwayne die Kids zu Beginn begeistert? Jeder liebt The Rock. Ich musste ihm das nicht groß erklären. Er wusste, was meine Eltern machen, meinte nur: „Klar, ich bin dabei“, und machte das coolste, netteste Video, das man sich vorstellen kann. 

Ilfenesh Hadera: Baywatch

Stylist: Christina Pacelli, TheOnly.Agency
Assistant Stylist: Caroline Curtis
Hair: Matt Fugate, Exclusive Artists Management, using Kérastase Paris
Make-up: Carola Gonzalez, Forward Artists

Apropos: Dwaynes Instagram-Post hast du mit „Für alle, die mich auslachten, als ich 1997 beim Schwimmen vom Startblock fiel“ beantwortet. Klär uns auf.

Ich war im YMCA-Schwimmteam, bevor ich zur Highschool ging. Beim letzten Bewerb machte ich mich auf dem Startblock bereit – aber ich fiel noch vor dem Startschuss ins Wasser. Der wohl peinlichste Moment meines Lebens. Ich wollte nie mehr auftauchen. Schrecklich.

„Ich bin eine ziemlich gute Schwimmerin. Zwei Monate lang trainierten wir zweimal die Woche, je zwei Stunden am Stück.“

Wie gut schwimmst du heute?

Ich bin eine ziemlich gute Schwimmerin. Zwei Monate lang trainierten wir zweimal die Woche, je zwei Stunden am Stück. Ist jetzt nicht die Welt, aber bei zwei Stunden im Pool geht etwas weiter. Voll krasses Training, ein Ganzkörper-Workout. 

Wie war denn die Stimmung am Set?

Wir hatten eine großartige Zeit. So viele unterschiedliche Charaktere. Alexandra Daddario etwa ist ein Clown. Sie kommt auch aus New York, es war schön, noch jemanden von dort dabei zu haben.

Baes on baes on baes! Even in slow motion we're always on time. #Dembabes #Demboys #Baywatch

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In den TV-Shows der 1990er hörte man immer wieder von Zickenalarm. 

Keine Spur! Drei Mädels im Badeanzug – da erwartet offenbar jeder, dass es da gleich mal heftig abgeht, dass abschätzige Kommentare kommen. Aber da war gar nichts. Wahrscheinlich ist es auch nur die Erwartung, die Leute haben, wenn drei Mädels aufeinandertreffen. Auf dem Set jedenfalls haben wir alle unser Bestes gegeben – und keine hat versucht, die anderen auszustechen. 

Ilfenesh Hadera: Baywatch

Top & Einteiler: Duskii
Sonnenbrille: Vintage

Auf gewisse Art definiert ihr neu, was es heißt, ein „Baywatch Babe“ zu sein. 

Was für ein schräger Ausdruck – was soll das überhaupt bedeuten?

Dass man seine Intelligenz nie verstecken soll, um Männer nicht einzuschüchtern? Die alten „Baywatch“-Zeiten sind ja so was von vorbei … 

Und das ist gut so.

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05 2017 The Red Bulletin

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